Einige der Verantwortungsträger aus den Einrichtungen im Kongo zu Besuch in Altenburg: Der Koordinator des Gesamtprojekts des Vereins, Charles Tsana Matona, Schatzmeister Ferros Nduakulu Wazolo, Christine und Jürgen Hauskeller mit Adoptivtochter Savannah, Marceline Khonde Dinsimba, die als Hausmutter im Waisenhaus Kinshasa arbeitet und die Leiterin des Kindergartens in Maluku, Angélique Kumba Masunda (von links). Foto: Ralf Miehle
Einige der Verantwortungsträger aus den Einrichtungen im Kongo zu Besuch in Altenburg: Der Koordinator des Gesamtprojekts des Vereins, Charles Tsana Matona, Schatzmeister Ferros Nduakulu Wazolo, Christine und Jürgen Hauskeller mit Adoptivtochter Savannah, Marceline Khonde Dinsimba, die als Hausmutter im Waisenhaus Kinshasa arbeitet und die Leiterin des Kindergartens in Maluku, Angélique Kumba Masunda (von links). Foto: Ralf Miehle

Es ist ein erstaunliches Projekt, das das Ehepaar Dr. Christine und Jürgen Hauskeller in reichlich anderthalb Jahrzehnten in der Demokratischen Republik Kongo aufgebaut und stetig erweitert hat – mit Hilfe ihres in Altenburg beheimateten, inzwischen aber deutschlandweit agierenden Vereins „Hilfe für Menschen im Kongo e.V.“. Und vor allem mit der finanziellen Hilfe und tatkräftigen praktischen Unterstützung Hunderter von Menschen, die ihren Beitrag zu diesem Hilfsprojekt in einem der ärmsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent und der Welt leisten.

„262 Mitglieder hat unser Verein inzwischen, verteilt übers gesamte Bundesgebiet, und es ist die dreifache Zahl an Unterstützern, die uns regelmäßig mit Spenden unter die Arme greifen“, konstatiert Jürgen Hauskeller, der als Schatzmeister des Vereins agiert, während seine Frau Christine (die hauptberuflich als Pastorin und Klinikseelsorgerin im Altenburger Land tätig ist) den Verein leitet.

Gründung im Jahr 2007

Vom kleinen, zarten Pflänzchen hin zu einer wirklichen Großunternehmung haben sich die Aktivitäten des Vereins seit seiner Gründung im Jahr 2007 entwickelt. Mit einem ersten Waisenhaus, initiiert und eröffnet im Jahr 2006 in Kinshasa, begann die Erfolgsgeschichte.

Im Jahr 2015 kam ein weiteres in Maluku, einem rund 80 Kilometer von Kinshasa entfernt gelegenen Ortsteil der kongolesischen Hauptstadt, hinzu. Dort wurden auch die weiteren Projektbausteine von der Idee in die Tat umgesetzt: Ab 2014 wurde eine Schule aufgebaut, die sich bis 2018 zu einem Schulzentrum für inzwischen 900 Kinder vergrößerte, die hier von der ersten bis zur achten Klasse unterrichtet werden. Hinzu kommt ein Kindergarten mit 85 Plätzen.

Ein Gesundheitszentrum mit Entbindungsstation, Labor und Apotheke ergänzt das Gesamtobjekt seit 2019. Hier arbeiten vier Ärzte und etliche Hebammen, täglich wird operiert, täglich gibt es Entbindungen. Vor allem aber erhalten hier auch die Ärmsten der Armen, die sonst keine Chance auf eine medizinische Behandlung hätten, weil sie es sich schlicht nicht leisten könnten, professionelle Hilfe – finanziert durch den Verein. „Normalerweise müssen Patienten im Kongo die Behandlungskosten sofort bar begleichen“, erzählt Jürgen Hauskeller.

„In unserem Gesundheitszentrum aber haben wir seit 2019 noch nie jemanden abgewiesen, jeder, der kommt und uns braucht, erhält die notwendige Behandlung. Dafür haben wir eigens einen Fonds eingerichtet.“

Wie schwierig sich der Alltag in solch einem Gesundheitszentrum gestalten kann, auch darüber sprechen die beiden Vereinsspitzen, Christine und Jürgen Hauskeller – hocherfreut darüber, dass einige der schwerwiegendsten Probleme jetzt durch die Vereinsaktivitäten beseitigt werden konnten.

Probleme bei Strom- und Wasserversorgung

„Die öffentliche Strom- und Wasserversorgung ist ein großes Problem vor Ort. Monatelang floss kein Wasser, wir standen vor der Frage, ob wir das Krankenhaus schließen müssten, denn gerade in einem solch sensiblen Bereich braucht es schon aus hygienischen Gründen eine stabile Wasserversorgung“, schildern die beiden die Nöte des Vereins.

Doch sie bewiesen Mut und nahmen Geld in die Hand, veranlassten eine erste Brunnenbohrung in Maluku, die sich als technisch aufwendig herausstellte und immer wieder Schwierigkeiten mit sich brachte. „Letztlich sind wir dann nach zwölf Tagen in 48 Metern Tiefe auf Wasser gestoßen.

Unabhängigkeit erreicht

Nach einer zweiten Brunnenbohrung in Kinshasa haben wir endlich in allen unseren Projekten eine eigene Wasserversorgung und sind unabhängig“, freuen sich die Hauskellers über diesen Meilenstein. „Und auch beim Strom sind wir jetzt autark. Man muss sich vorstellen, dass unsere Ärzte zuvor in Notsituationen immer wieder mit dem spärlichen Licht von Handytaschenlampen operieren mussten, wenn es wieder mal keinen Diesel für die Generatoren zu kaufen gab. Wir haben sehr viel Geld investiert und können jetzt auf unsere eigenen Solaranlagen zurückgreifen, was zugleich eine nachhaltige Sache ist. Darauf sind wir wirklich stolz“, zieht Jürgen Hauskeller ein Resümee zu diesen beiden Projekten, die ihn und den gesamten Verein über ein Jahr in Atem hielten.

Geben und Nehmen

Die – auf allen Ebenen ausschließlich ehrenamtlich geleistete – Vereinsarbeit indes verstehen die Hauskellers nicht als Einbahnstraße, auf der regelmäßig Hilfe von Deutschland in den Kongo fließt und gebracht wird. Regelmäßig fahren nicht nur die beiden Vereinsvorstände in das afrikanische Land, um dort zu organisieren, zu bauen und auf andere vielfältige Weise tätig zu werden. Auch andere Vereinsmitglieder und Unterstützer gehen immer wieder auf Reisen dorthin, um sich die Arbeit in den verschiedenen Bereichen anzuschauen und für eine gewisse Zeit mit anzupacken.

Umgekehrt aber ist dem Vereinsvorstand ebenso daran gelegen, dass einige jener Menschen, die im Kongo die eigentliche Verantwortung tragen und die mühselige Alltagsarbeit leisten, nach Deutschland kommen können – um hier einige der Vereinsmitglieder und Förderer ganz direkt kennenzulernen und aus den Begegnungen ihre Erfahrungen und Anregungen mit zurück in ihre afrikanische Heimat nehmen zu können.

Kongolesen zu Besuch in Deutschland

In diesen Tagen ging für fünf jener Aktiven vor Ort ein fünfwöchiger Besuch in Deutschland zu Ende und damit eine höchst erlebnisreiche Zeit, wie vier von ihnen im Gespräch schildern. Der fünfte Reiseteilnehmer indes, der leitende Arzt des Krankenhauses in Maluku, konnte nicht an allen Entdeckungstouren und folglich auch nicht an der Gesprächsrunde im Luthersaal der Altenburger Brüderkirche teilnehmen – aus gutem Grund: Dr. Patrick Nsikulu Matuvanga absolvierte in dieser Zeit für vier Wochen täglich Hospitationen im Leipziger St. Elisabeth Krankenhaus, mit dem es seitens des Gesundheitszentrums im Kongo einen regelmäßigen Austausch und Unterstützung gibt.

Der Koordinator des Gesamtprojekts des Vereins, Charles Tsana Matona, und Schatzmeister Ferros Nduakulu Wazolo indes hatten Zeit und Gelegenheiten für Rundreisen durch Teile Deutschlands und für regen Austausch, ebenso wie ihre Mitstreiterinnen Marceline Khonde Dinsimba, die als Hausmutter im Waisenhaus Kinshasa arbeitet und die Leiterin des Kindergartens in Maluku, Angélique Kumba Masunda.

Nachdem eine schwierige und nervenaufreibende Odyssee um den Erhalt von Visa für die fünf Kongolesen letztlich doch noch ein gutes Ende fand, wie sich Jürgen Hauskeller erleichtert zeigt, konnten die afrikanischen Vor-Ort-Verantwortlichen aus dem Kongo-Projekt nach Deutschland kommen, für sie alle war es die erste Auslandsreise überhaupt.

Anerkennung und Dankbarkeit

„Für uns als Vereinsvorstand war diese Einladung wichtig, um unseren afrikanischen Partnern unsere Anerkennung und Dankbarkeit zu erweisen für jene schwierige Arbeit, die sie in Kinshasa und Maluku tagtäglich leisten. Drei von ihnen sind schon 17 Jahre, also seit den Anfangstagen unserer Vereinsaktivitäten, für uns tätig“, sagt Christine Hauskeller.

Zugleich sei ihr wichtig, dass all jene Menschen, die in Deutschland mit ihren Beiträgen und ihrer Unterstützung die Projekte überhaupt erst möglich machen, die ‚Helden von vor Ort‘ auch einmal persönlich kennenlernen und aus allererster Hand vom Alltag im Kongo erfahren. Und so gab es während des mehrwöchigen Aufenthaltes in Deutschland unter anderem zwei Vereins-Mitgliederversammlungen, in Sondershausen und in Altenburg, und sechs Begegnungsveranstaltungen.

Unterwegs in Altenburg

Die Gäste aus dem Kongo erlebten aber auch die Stadt Altenburg unter anderem in verschiedensten Facetten, mit Stadt- und Schlossführungen, einem Besuch im Rathaus mit Empfang durch den Oberbürgermeister, sie fuhren nach Reutlingen und Erfurt, weilten drei Tage in Dresden, um an dieser Stelle nur einiges zu benennen.

Und auch in Leipzig, wo sie für diese Zeit untergebracht waren, konnten sie zahlreiche Eindrücke sammeln. Inklusive der Erfüllung eines ganz speziellen Wunsches, den sie geäußert hatten: Sie wollten unbedingt mal einen ganzen Tag lang Straßenbahn fahren und damit ein Vergnügen genießen, dass ihnen in ihrer Heimat nicht vergönnt wäre. Also wurde das Sightseeing in der Messestadt kurzerhand auf diese Weise realisiert – und was mit der Straßenbahn nicht erreichbar war, wurde schließlich noch bei einer Stadtrundfahrt mit dem Bus gezeigt.

Am Ende ihres Deutschlandaufenthaltes zeigen sich die Gäste zufrieden und dankbar, schwärmen unisono davon, wie herzlich sie hier an allen ihren Stationen aufgenommen wurden. Und zeigen sich beeindruckt, wie intensiv und ambitioniert die Vereinsmitglieder und alle ihre Unterstützer agieren, wie gut die Koordination laufe.

Inzwischen 70 Mitarbeiter vor Ort

„Die gute Zusammenarbeit ermutigt uns sehr, weiterhin mit großem Bemühen in unseren Projekten im Kongo zu arbeiten und uns damit der Kooperation als würdig zu erweisen“, sagt der Koordinator des Gesamtprojekts des Vereins, Charles Tsana Matona, bei seinem Besuch in Altenburg. Der 49-Jährige ist einer jener Partner vor Ort im Kongo, die bereits von Anfang an – seit 2006 – für das Projekt des Vereins arbeiten. Für diese Herausforderungen hat sich der studierte Elektroingenieur im Laufe dieser 17 Jahre ganz neue Fachgebiete erschlossen, um den vielgestaltigen Aufgaben gewachsen zu sein.

70 Mitarbeiter insgesamt kann der Partnerverein H.E.A. über den Verein „Hilfe für Menschen im Kongo“ inzwischen in Kinshasa und Maluku beschäftigen und zudem das Schulgeld für die Kinder und die zahlreichen Baukosten finanzieren. Dank enormer Unterstützungsbereitschaft und immer wieder aufs Neue gerührter Werbetrommel für die Unterstützung der Ärmsten der Armen.

Da sind die Vereinsbeiträge ebenso wichtig und unersetzlich wie auch die zahlreichen Patenschaften (zu 20 Euro), die es für Schulkinder gibt oder jene 50 Euro, die manch ein Vereinsmitglied oder Sympathisant zahlt, um die Versorgung eines Waisenkindes vor Ort zu sichern.

Unterstützung gefragt

„Das alles sind dankenswerterweise feste Beträge, mit denen wir konkret planen können, das ist beruhigend. Staatliche Zuschüsse erhält der Verein für seine Projekte hier wie dort nicht. Das ist das Verrückte, wir haben’s schon öfter versucht“, sagt Jürgen Hauskeller. „Das Ministerium für Entwicklungshilfe fördert nur Projekte, die sich irgendwann selber tragen. Der Brunnenbau war förderwürdig und ist mit einem Zuschuss unterstützt worden. Aber unsere sozialen Aktivitäten im Kongo werden sich aus nachvollziehbaren Gründen nie von selbst tragen können. Wie auch? Dafür braucht es unseren Verein also weiterhin, und all unsere engagierten Unterstützer und Helfer.“ Ralf Miehle

Wer helfen möchte, findet im Internet weitere Informationen zu den verschiedenen Projekten unter: www.hilfe-im-kongo.de;

Spendenkonten: Hilfe für Menschen im Kongo e.V., Sparkasse Altenburger Land, IBAN DE70 8305 0200 1200 0027 99, BIC HELA DEF1 ALT oder Hilfe für Menschen im Kongo e.V., Deutsche Skatbank, IBAN DE26 8306 5408 0004 4360 67, BIC GENO DEF1 SLR

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