
Vor gut fünf Jahren haben sich die Jugendlichen in Löbnitz Gehör verschafft. Sie suchten nach einer Möglichkeit, sich zu treffen. „Wir haben im Gemeinderat gemerkt, dass das wirklich fehlt“, bestätigt Sandra Merkel. Zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern wollte sie die Jugend unterstützen. „Doch wir wurden schnell ausgebremst.“ Der Grund: Es gibt im Ort kein Gebäude in Gemeindenutzung, das man hätte übergeben können. „Als einziges gab es einen Platz, der aber damals ziemlich verwahrlost war“, erinnert sie sich.
Vom verwilderten Platz zum Treffpunkt
Trotzdem entschieden sich die Beteiligten: Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Man sah das Potenzial des Platzes und griff zu Handschuhen, Schaufeln, Spaten und Containern. „Die Jugendlichen packten mit an und wir räumten den Platz ordentlich auf.“ Doch dabei konnte es nicht bleiben. „Wir brauchten Sitzgelegenheiten, Bänke und alles musste entsorgt werden.“ Die kleine Bürgergruppe geriet an ihre Grenzen – ohne feste Struktur wäre all diese Arbeit leicht verpufft.
Daher entstand die Idee, einen Verein zu gründen. „Somit konnten wir Fördermittel beantragen und auch leichter Spenden sammeln.“ Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen nur fünf Monate, dann war der Dorfverein Löbnitz gegründet. Mit ihm kam auch die Vision, das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde positiv zu beeinflussen und insbesondere Veranstaltungen für Familien, Kinder und Jugendliche zu organisieren.
Treffpunkt für Jugendliche und mehr
„In den kommenden Jahren wuchs das Areal für die Jugendlichen. Sie bekamen einen Unterstand mit Sitzgelegenheit, einen Fußballplatz und eine Tischtennisplatte“, sagt Vereinsvorsitzende Sandra Merkel. Der Wunsch der Jugendlichen ging damit in Erfüllung. „Es ist nur schade, dass alles so lange gedauert hat.

Die jungen Menschen, die das Areal mit aufgebaut haben, sind jetzt in der Ausbildung oder zum Studium woanders. Sie können es gar nicht mehr so nutzen, wie sie es einst wollten“, findet sie. Gleichzeitig ist sie froh und stolz auf das Geschaffene, von dem nun nachfolgende Jugendliche profitieren. Und abgeschlossen ist das Projekt noch nicht: „Das Areal wird weiterentwickelt.“
Neue Veranstaltungen für Familien
Parallel hat der Verein begonnen, neue Veranstaltungen für Familien zu etablieren. „Wir haben Kino- und Kriminächte organisiert, sind mit 90 Kindern aus dem Ort und umliegenden Gemeinden nach Belantis gefahren, haben zu sportlichen Events eingeladen, aber auch zu musikalischen Erlebnissen sowie zu allerlei Festen“, zählt Schatzmeisterin Caprice Boost auf.
Für Groß und Klein sei etwas dabei. „Vor allem war es uns wichtig, einen neuen Rahmen für die Kids zu schaffen, dass jede und jeder dabei sein kann und es Veranstaltungen für jedes Interesse gibt.“ Die Angebote sollen Begegnung ermöglichen. „Unsere Kinder besuchen Schulen in der Region verteilt, da fehlt der soziale Kontakt in der Schulzeit, das wollen wir in die Freizeit verlegen“, beschreibt Sandra Merkel.
Adventsmarkt und Dorfbild: Alle ziehen mit
Eine bereits traditionelle Veranstaltungsreihe hat der Dorfverein vom Kirchenförderverein übernommen. Altersbedingt hatten dessen Mitglieder den beliebten Adventsmarkt nicht mehr stemmen können. „Da der Markt aber immer sehr gut ankommt – und das über die Gemeindegrenzen hinweg –, konnten und wollten wir ihn nicht einschlafen lassen“, sagt Caprice Boost.

Also packten wieder viele mit an. „Mehr als 100 Ehrenamtliche sind seither jedes Jahr im Einsatz, zudem alle Vereine aus Löbnitz. Wir bieten einen Verkaufsmarkt mit acht Hütten und stricken ein buntes Programm drumherum – mit verschiedenen Wettbewerben, Auftritten sowie Spiel und Spaß“, beschreibt Sandra Merkel.
Auch jenseits von Veranstaltungen engagieren sich die Mitglieder für das Dorf. Sie setzen sich aktiv für die Verschönerung und Modernisierung des Dorfbildes ein. Mit der Zeit wuchs der Veranstaltungskalender sukzessive an. „Dadurch ist wieder viel Leben in das Dorf zurückgekehrt“, freut sich die Vereinsvorsitzende.
Ein Verein hält die Fäden zusammen
Auch der Verein selbst ist deutlich gewachsen. Waren zur Gründung vor fünf Jahren sieben Leute aktiv, sind es heute mehr als 50. „Zudem haben wir nochmal so viele helfende Hände aus dem Dorf, die uns bei Veranstaltungen unterstützen“, betont Caprice Boost. Das sei nicht selbstverständlich. „Daher sind wir sehr dankbar dafür, dass das alles so reibungslos funktioniert und alle an einem Strang ziehen.“
Für sie zeigt das auch, dass Löbnitz genau das brauchte: einen Verein, der die Fäden zusammenhält, der Know-how bündelt und offen für Ideen ist.
Dass sich der Dorfverein in fünf Jahren so rasant entwickeln würde, hätten weder sie noch Sandra Merkel erwartet. „Wir hätten allerdings den Verein nicht gegründet, wenn wir nicht gewusst hätten, dass wir Unterstützung bekommen. Dass sie so positiv ausfällt, ist wiederum bemerkenswert“, sagt die Vorsitzende.
„Rock im Dorfpark“ als neue Veranstaltung
Im Verein haben sich inzwischen kleine Gruppen gebildet, die einzelne Veranstaltungen schultern. So entstand etwa die Möglichkeit, dass eine Gruppe Jugendlicher das Event „Rock im Dorfpark“ aus der Taufe hob. „Jeder kann sich auf seine Weise einbringen, seine Wünsche aktiv umsetzen. Das ist schön zu sehen, dass es angenommen wird“, sagt Sandra Merkel.
Geplant für die kommenden Jahre sind regelmäßige Netzwerktreffen mit anderen Vereinen aus dem Ort und der Umgebung. „Wir möchten gern noch enger zusammenarbeiten und dafür einen neuen Rahmen für den Austausch schaffen“, so die Vereinsvorsitzende. Außerdem soll es Ende des Jahres eine Dankeschönveranstaltung zum Fünfjährigen geben – für das Dorf, die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer und die aktiven Unterstützer. Nannette Hoffmann
Mehr Infos zum Verein und zu den Veranstaltungen gibt es online unter dorfverein-loebnitz.de

































