Renate Lehmann, Mitglied des Kreisvorstandes Leipzig des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen e. V., testet die Tast- und Hörstation. Foto: SGM

In diesem Jahr erhielt das Stadtgeschichtliche Museum Fördermittel aus dem Investitionsprogramm Barrierefreies Bauen 2018 „Lieblingsplätze für alle“, das mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes mitfinanziert wurde.

Mithilfe dieser Fördermittel entstand in der Ständigen Ausstellung des Alten Rathauses eine Tast- und Hörstation für blinde und sehbehinderte Besucher. Im Ausstellungsteil Luther im Disput, Leipzig und die Folgen sind ab sofort der Trauring der Ehefrau Luthers, Katharina von Bora, und das bekannte Porträt des Reformators Martin Luther von Lucas Cranach dem Jüngeren erleb- und ertastbar.

Der Ring wurde im 3D-Verfahren in einer 14-fachen Vergrößerung gedruckt und kann so das Geheimnis des Originals lüften: 12 Bibelsymbole, die am äußeren Schmuckreif angeordnet sind und die Leidensgeschichte Christi erzählen, sind sowohl anschaulich als auch taktil zu erschließen. Dies trifft auch auf das Tastgemälde von Martin Luther zu, das in Acryl gegossen und mit 30 x 40 cm etwa halb so groß wie das Original ist.
Taktile Elemente weisen auf die Hörtexte hin, die sowohl den Ausstellungsteil zur Reformation mit einzelnen wichtigen Objekten als auch die Tastmodelle ausführlich bildhaft beschreiben und erläutern.

Mit der Berliner Inkl. Design Agentur für Gestaltung fand das Museum einen hochspezialisierten Partner auf dem Gebiet, Angebote für Blinde und Sehbehinderte in Ausstellungen und Museen zu realisieren und ganzheitlich von der Planung bis zur Umsetzung aller Details zu denken.

Die Station ist zugleich ein Pilotprojekt für die weitere Planung der Neugestaltung der Ausstellung im Alten Rathaus. Die Überarbeitung der nächsten Räume ist für 2018/19 vorgesehen und kann dann mit ähnlichen Stationen ausgestattet werden. Das Projekt schließt zudem an das Stadtmodell von 1823 im Festsaal mit vier taktilen Karten an, das im Jahr 2016 mit Unterstützung vom Förderverein des Museums realisiert werden konnte. Es ist somit ein weiterer Schritt zur Ausweitung inklusiver Angebote im Alten Rathaus. Bereits angeboten werden außerdem ein Kurzführer in Braille-Schrift sowie ein Ausstellungsführer in leicht verständlicher Sprache. PM

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