Teamarbeit mit Werkzeug: Für den Zaun wird gesägt, gebohrt und präzise gearbeitet. Foto: privat
Teamarbeit mit Werkzeug: Für den Zaun wird gesägt, gebohrt und präzise gearbeitet. Foto: privat

Für das aktuelle Projekt der „Regenbogengruppe Behlitz“ war vor allem eines entscheidend: die Zeit. Innerhalb von drei Monaten musste alles umgesetzt werden – sonst wäre es zu spät gewesen. Entsprechend galt es, Gestrüpp zu entfernen, Erde auszuheben, Steine zu schleppen, Sand aufzuschütten und Wurzelwerk anzuordnen.

Insgesamt verteilten die Kinder und Jugendlichen rund 35 Tonnen recyceltes Material auf einer Fläche von 16 Metern Länge und 6 Metern Breite. Bei Wind und Wetter wurde gehackt, gegraben, gesägt, gebohrt und geschnitten – und das für Lebewesen, die zu den ältesten der Erde zählen: die Reptilien. Daher trägt das Projekt auch den augenzwinkernden Namen „Godzilla-Projekt“.

Blick auf das Kleine richten

Angst soll der Name allerdings nicht machen, auch wenn „Godzilla“ für ein fiktives, amphibisches Reptilienmonster steht. „Er soll vielmehr den Blick auf die kleinen Lebewesen lenken. Denn gäbe es das Kleine in der Natur nicht, gäbe es auch das Große nicht“, betont Hubertus Schmuck, Leiter der Behlitzer Naturschutzjugend.

Nur wenige Meter neben der großen Bienenburg ist so ein neues Zuhause für Zauneidechse, Blindschleiche, Ringelnatter und Co. entstanden. „Der Sandbereich reicht bis zu 60 Zentimeter in die Tiefe – hier legen die Eidechsen ihre Eier ab“, erklärt Schmuck. Dies geschieht in den Monaten Mai bis Juni. Danach ist die Aufgabe der Elterntiere erfüllt, die Jungtiere schlüpfen selbstständig zwischen Juli und August. „Zauneidechsen sind tagaktiv und haben ein großes Wärmebedürfnis.

Genau dafür entstand das Projekt: Zauneidechsen sollen sich demnächst auf den neu aufgeschichteten Steinen sonnen – der perfekte Platz zum Aufwärmen. Foto: freepik.com
Genau dafür entstand das Projekt: Zauneidechsen sollen sich demnächst auf den neu aufgeschichteten Steinen sonnen – der perfekte Platz zum Aufwärmen. Foto: freepik.com

Zum Aufwärmen suchen sie sonnige Plätze.“ Dafür bieten sich die Steininseln ideal an. „Hier ist immer Sonne.“ Wird es jedoch zu heiß oder droht Gefahr, dienen Sandflächen und Wurzeln als Versteck. „Ich bin stolz auf meine Gruppe. Sie hat fleißig und hart gearbeitet, sodass die Anlage Anfang Mai fertiggestellt werden konnte. Nun greifen wir nicht mehr ein, sondern beobachten gespannt, was sich im August und September hier entwickelt“, so Schmuck.

Danke für tatkräftige Unterstützung

Möglich wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung der Naturstiftung David. „Bereits zum vierten Mal wurde unser Projekt unter Hunderten ausgewählt“, freut sich der Gruppenleiter – ein Zeichen dafür, dass die Naturschutzjugend immer wieder Besonderes auf die Beine stellt. Mit Technik und Material unterstützten zudem das Gut Zschettgau sowie Felix Zehrfeld. „Allein hätten wir diese Mengen nicht transportieren können.“ Auch der Stadt Eilenburg gilt sein Dank: Sie stellte kurzfristig die Fläche für das Projekt zur Verfügung. „Und natürlich dem NABU Delitzsch. Veronika Leißner unterstützt uns bei all unseren Vorhaben und hilft bei bürokratischen Fragen.“

Artenvielfalt sichtbar machen

„Bei all den Dingen, die wir hier in Behlitz entstehen lassen, ist es uns wichtig, dass jeder unsere Arbeit sehen und beobachten kann. Egal wer hier lang spaziert, wird über das Projekt, sein Ziel und die Arten, die es bewohnen aufgeklärt“, sagt Hubertus Schmuck. Dafür sorgen kleine Infotafel, die noch sukzessive aufgestellt werden.

Zugleich zeigt das Projekt eindrücklich die Vielfalt der Arten. „Wir haben einige Pflanzenarten gezielt angesiedelt, etwa Schachtelhalm oder Silberdistel. Andere, wie Brennnesseln oder Farne, sind von selbst gekommen. Diese Pflanzen ziehen wiederum Tiere an – etwa Schmetterlinge, Spinnen oder Käfer, da sie ihnen als Nahrungsquelle dienen. Und diese locken wiederum größere Tiere wie Igel, Mäuse oder Vögel an“, erklärt Schmuck. So werde die Nahrungskette vom Kleinen zum Großen sichtbar – und wie eng in der Natur alles zusammenhängt. „Das gehört zur Natur: fressen und gefressen werden.“ Aber auch: „Jede Veränderung, die wir hier vornehmen, bringt neue Pflanzen- und Tierarten zurück.“

Nächstes Projekt schon im Blick

Der Feldweg in Behlitz bietet bereits Raum für ein weiteres Vorhaben, das Hubertus Schmuck als Nächstes angehen möchte. „Entlang des Grabens wollen wir mit Sand und Kies eine Art Trockenrasen als Biotop für Insekten, Reptilien und Vögel schaffen. Ein Highlight soll ein Insekten-Tower werden, den die Kinder bunt gestalten“, blickt der Naturschützer voraus. „Wer uns dabei mit Technik, Material oder Spenden unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.“ Nannette Hoffmann

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