Die Abteilung Radtouristik des TV Blau Gelb 90 Bad ­Düben
Die Abteilung Radtouristik des TV Blau Gelb 90 Bad ­Düben unternimmt Ausfahrten in der Region und Mitteldeutschland. Foto: privat

Im Mai, sagt Stefan Eichelkraut, riecht es auf dem Rad „ein bisschen nach Aufbruch“. Die Bäume schlagen aus, überall grünt und blüht es – und irgendwo zwischen Goitzsche, Gröberner See und Dübener Heide tritt sich der 74-Jährige mit seiner Radtouristik-Gruppe den Winter aus den Knochen. Seit 15 Jahren gibt es die Abteilung beim TV Blau-Gelb 90 Bad Düben, entstanden ist sie fast nebenbei: „Das hat sich damals so ergeben.“

Damals trafen sich die Radler noch samstags, heute starten die Touren immer am letzten Mittwoch im Monat. Was gleich geblieben ist: das Unterwegssein in der Natur – und das Gefühl, gemeinsam mehr zu erleben als allein.

Gemeinsam gesucht – und gefunden

Rund 20 Männer und Frauen hatten sich damals gesucht und gefunden, wie es so schön heißt. Menschen, die sich einerseits sportlich betätigen und andererseits in der Gemeinschaft etwas unternehmen wollten. 50 bis 60 Kilometer lang waren damals die Touren. „Und am Fahrtag haben wir dann auch gleich die nächste Tour abgesprochen“, erinnert sich Eichelkraut.

Heute sind die meisten von ihnen im Ruhestand, und die Gruppe ist kleiner geworden. „Mancher kann gesundheitlich nicht mehr, aber zehn sind bei den Ausfahrten immer noch dabei“, sagt Stefan Eichelkraut. Zur gemeinsamen Jahresabschlussfeier erstellt die Gruppe ihren Plan für das kommende Jahr. „Wir unternehmen Radtouren von März bis Oktober.“ Das sind die Monate, in denen es nicht zu kalt ist und die Straßenverhältnisse in der Regel gut sind.

Mittwochs durch Goitzsche, Heide und mehr

Immer am letzten Mittwoch im Monat trifft sich die Gruppe und nimmt die Region unter die Lupe. 40 bis 50 Kilometer stehen dann auf dem Plan. So ging es zum Beispiel schon einmal rund um die Goitzsche, den Seelhausener oder den Gröberner See. „Wir sind aber auch schon nach Eilenburg gefahren, durch die Dübener Heide oder nach Bad Schmiedeberg.“ Auch darüber hinaus werden Strecken in Mitteldeutschland herausgesucht. „Dann fahren wir zu unserem Startpunkt mit dem Auto und von da aus zu unseren Zielen – wie zum Beispiel nach Grimma oder in den Wörlitzer Park“, erzählt Eichelkraut. Die Touren mit dem Auto werden jeweils von einem anderen Mitglied der Gruppe organisiert. „Da sind auch immer so einige Überraschungen dabei.“

Wichtig ist bei allen Touren das Erlebnis. ‚Bei gutem und nicht so gutem Wetter durch die Natur zu fahren und unterwegs immer wieder Neues zu entdecken‘, sagt der 74-Jährige. Mal sind es Kuh- und Schafherden oder Wild am Feldrand, mal eine unerwartete Aussicht oder ein altes Denkmal am Weg.

Gemeinsam durchs Jahr auf zwei Rädern

Sein Lieblingsmonat zum Radfahren ist der Mai. „Da erwacht die Natur, überall grünt und blüht es. Da macht das Radfahren gleich doppelt Spaß.“ Im Sommer enden viele Touren mit einem Sprung ins kühle Nass, im Herbst leuchtet die Laubfärbung entlang der Wege. Jede Jahreszeit hat für die Gruppe ihren eigenen Reiz.

Dabei geht es nicht um Wettfahrten. „Wir sind entspannt unterwegs, machen auch Pausen und suchen uns vorab immer eine Einkehr zum Mittagessen raus“, betont Eichelkraut. Außerdem steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. „Soziale Kontakte sind wichtig, gerade im Alter“, sagt er. Viele in der Gruppe leben inzwischen allein. „Da hilft es, zu wissen, dass es Menschen gibt, mit denen man Zeit verbringen kann.“ Auf dem Rad heißt das für sie: lieber gemeinsam unterwegs als einsam zu Hause.

Schlüssel, Lacher und kleine Pannen

Stefan Eichelkraut erinnert sich an viele lustige Episoden während der Ausfahrten. „Als wir noch so viele waren, haben wir nach dem Mittagessen schon Leute vergessen.“ Er schmunzelt. „Und einmal, auch nach dem Mittagessen, stellte ein Radfahrer fest, dass sein Schlüssel, um das Schloss zu öffnen, weg war. Dann mussten wir das Schloss mit einem Bolzenschneider mühevoll aufbrechen. Dabei kam der Radfahrer ziemlich ins Schwitzen, zog seine Jacke aus – und beim Herunterbeugen baumelte der Schlüssel an einem Band um seinen Hals.“

Ein Leben in Bewegung

Für Stefan Eichelkraut ist Radfahren wie Laufen mit bequemem Sitzen. „Und das kann man auch bis ins hohe Alter.“ Sport war für ihn schon immer Bedürfnis statt Pflicht. „Ich war schon immer ein Mensch, der sich bewegt hat, weil ich es brauchte.“ Bis heute. „Lange stillsitzen, das kann ich nicht.“ Neben dem Sport probiert er gern Neues aus – kocht, werkelt oder bemalt kleine Figuren. „Müßiggang gibt es bei mir nicht. Denn wenn ich nichts zu tun habe, werde ich unleidig“, sagt er lächelnd.

Stefan Eichelkraut ist leidenschaftlicher Radrennfahrer. Mit 14 hat er diesen Sport für sich entdeckt, sich ein Diamant-Rennrad gekauft – „die Hälfte zum Bike hat damals die BSG Lok Saalfeld dazu gegeben“ – und los ging es. Zu Hochzeiten hatte er sieben Rennräder.

Bis heute fährt Stefan Eichelkraut Radrennen und sucht sich viele Strecken selbst zusammen. Er läuft noch Halbmarathon, macht Walking und ist Stammgast beim Bitterfelder Friedenslauf. Vor zwei Jahren begleitete er dort als Radfahrer die Etappe vom Bitterfelder Bogen bis nach Monaco – knapp 1000 Kilometer. Wer so unterwegs ist, für den sind 40 oder 50 Kilometer mit der Radtouristik-Gruppe eher ein Vergnügen als eine Herausforderung.

Solange die Beine mitmachen, sagt er, bleibt das Rad sein bequemster Platz in Bewegung – und mit ihm rollt auch die kleine Radtouristik-Abteilung des TV Blau-Gelb 90 Bad Düben weiter durch die Region. Nannette Hoffmann

Wer Interesse hat, bei der ­Radtouristik mitzufahren, meldet sich bei Stefan Eichelkraut unter Telefon 01573 5189266.

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