Dieter Richter ist das dienstälteste Mitglied im Leipziger Kabarett Pfeffermühle. Foto: André Kempner
Dieter Richter ist das dienstälteste Mitglied im Leipziger Kabarett Pfeffermühle. Foto: André Kempner

Tischlern – das war seine Leidenschaft. Schon vom ersten Tag seiner Lehre an hat Dieter Richter gewusst, dass er den richtigen Beruf gewählt hatte. Und noch heute denkt er gern daran, wie stolz er war, als unter seinen Händen die erste Fußbank, die erste Kinderwiege und sein Gesellenstück ein Kleiderschrank entstand …

Sein Meister lobte ihn über den grünen Klee. Ebenso die Kunden, zu denen er vom Meister geschickt wurde. Zur Möbel-Reparatur. Selbst im Hotel Astoria nahm er ab 1969 zwei Jahre lang kaputte Tische, Stühle und Betten unter seine Fittiche. Und im Leipziger Lehrertheater baute er Kulissen und schaute nach getaner Arbeit stumm und staunend den Schauspielern bei ihren Proben zu. Den jungen Mann, der da auf einem Stuhl am Rande der Bühne saß, nannte man schnell „den stillen Gast“.

Mehr als ein „Stiller Gast“

Tja, bis dieser „stille Gast“ mal von Theaterchef Werner Rost angesprochen wurde – mit einer klaren Ansage: „Du spielst im nächsten Programm den braven Schüler Ottokar Domma der es faustdick hinter den Ohren hat, weiß, wie man Muskeln und Grips bekommt. Und die Regie übernimmt der bekannte Leipziger Schauspieler Manfred Zetzsche.“

Ein Mann und sein Ensemble: Dieter Richter (ganz hinten) feiert im Kreis seiner Pfeffermüllerinnen und -müller den 75. Geburtstag. Foto: Hagen Wolf
Ein Mann und sein Ensemble: Dieter Richter (ganz hinten) feiert im Kreis seiner Pfeffermüllerinnen und -müller den 75. Geburtstag. Foto: Hagen Wolf

Verwundert habe Dieter Richter den Theatermann angeschaut und sich für den Witz bedankt. Doch Werner Rost meinte es ernst und erklärte dem Tischlergesellen, er habe das Gefühl, dass dieser genau der Richtige für diese Rolle ist: „Du kannst das!“ Der Angesprochene bedankte sich schüchtern für das Kompliment, sagte schließlich zu und so wurde aus dem Möbeltischler der Ottokar, den Schriftsteller Otto Häuser erfunden hatte. Weit über ein Jahr stand er in dieser Rolle im Leipziger Lehrertheater – höchst erfolgreich. Die vielen Lacher und der Beifall des begeisterten Publikums ging runter wie Öl.

Studium an der Leipziger Theaterhochschule „Hans Otto“

Allerdings ist Dieter Richter dafür bekannt, keine halbe Sachen zu machen: Her mit dem Studium an der Leipziger Theaterhochschule „Hans Otto“ und mittenrein ins zweiten Leben als Künstler. Das erste Engagement brachte ihn ans Elbe-Elster-Theater in Wittenberg, dort spielte er den Lehrjungen Christopher in Nestroys „Ein Jux will er sich machen“, oder den Sänger Freddy in „May fair Lady“ … ach ja, er machte mehrfach Abstecher in den Brettl-Keller, eine zweite Spielstätte im Wittenberg Schloss und stand dort in zwei Programmen als Kabarettist auf der Bühne.

Und bald merkte er im Laufe der Karriere gerade auch als Sänger, dass ihm die Parodie, die Polemik, der Spott, die Satire besonders am Herzen lag: „Die Zuschauer zum Lachen bringen – das ist es, was ich will.“ So bewarb er sich im Frühjahr 1980 als Kabarettist, Schauspieler und Sänger an verschiedenen Kabarettbühnen.

Das „Fettnäppchen“ in Gera, die „Kiebitzensteiner“ in Halle, die „Distel“ in Berlin, die Leipziger Pfeffermühle – alle wollten ihn haben. Der geborene Leipziger entschied sich – na klar! – für die Pfeffermühle. Eine perfekte Entscheidung: Hier bestimmten solche bekannten Namen wie Helga Hahnemann, Edgar Külow, Eberhard Esche, Ellen Tiedtke, Manfred Uhlig, Ingeborg Krappe, Ursula Schmitter, Manfred Stephan, Hanskarl Hoerning, Heiderose Seifert, Hans-Jürgen Silbermann das Profil des Kabaretts bestimmten.

Auftritt aller DDR-Kabaretts im Berliner Metropoltheater

Dieter Richter reihte sich da sofort ein – er war er dabei beim Auftritt aller DDR-Kabaretts im Berliner Metropoltheater am 13. November 1989. Und schon 1990 war er sieben Wochen mit dem Programm „Warten auf die Demo“ durch die alten Bundesländer bis nach Wien unterwegs: „Es war eine aufregende Zeit, an die ich mich sehr gern erinnere. An die vielen Programmhöhepunkte, bei dem uns das Publikum zu Füssen lag.

Ans Programm „Drei Engel für Deutschland“ mit 550 Vorstellungen und natürlich an „da capo“, dass ich mit Burkhard Damrau seit 18 Jahren mit großem Erfolg spiele.“ Bis heute findet sich letzteres Programm regelmäßig aktualisiert im Spielplan der Pfeffermühle: Inzwischen hat es fast 1700 Vorstellungen erlebt. Weltrekord.

Richter ist dienstältester Kabarettist in der Pfeffermühle

Längst ist Dieter Richter mit seiner 46 -jährigen Zugehörigkeit zum Leipziger Traditionshaus mit Abstand der dienstälteste Kabarettist in der Pfeffermühle. Und weil er seit 23 Jahren auch Geschäftsführer ist, konnte er auch seinen Traum von Auslandsgastspielen umsetzen. Mit großem Erfolg, wie er betont. Das Ensemble der Leipziger Pfeffermühle war unterwegs in deutschen Clubs, Goethe-Instituten, deutschen Schulen, Botschaften; in Kanada und in den USA, auf den Philippinen, in Portugal, Frankreich, Dänemark, Schweiz und Österreich. Das kurioseste Erlebnis hatten sie in Los Angeles.

Dort flatterte auf dem Campus der Universität von L.A. die DDR-Fahne mit Hammer und Zirkel im Wind – die Studierenden waren der festen Überzeugung, dies sei die Fahne des wiedervereinigten Deutschlands.

Erfolgreiche Aufführungen im Ausland

„Die vielen Erlebnisse und erfolgreichen Aufführungen im Ausland haben unser Ensemble zunehmend zusammengeschweißt. Wir wurden allerorts mit offenen Armen empfangen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir den Namen Leipzig würdig vertreten haben. Noch heute erinnern wir uns gern an die großartigen Reiseerlebnisse, das gute Miteinander. Genau das ist es, was uns bei der Arbeit zugutekommt“, erklärt er und verrät, dass er inzwischen Kontakt nach Finnland und Schweden hergestellt hat und die Pfeffermühle im Herbst 2026 oder Frühjahr 2027 in Skandinavien auftreten wird.

Ein Prosit auf die gelungene Premiere: Dieter Richter, Annemarie Schmidt, Thorsten Wolf, Sabine Kühne-Londa, Sven Reese, Hartmut Schwarze und Ingmar Volkmer (v.l.) stoßen darauf nur zu gern an. Foto: Traudel Thalheim
Ein Prosit auf die gelungene Premiere: Dieter Richter, Annemarie Schmidt, Thorsten Wolf, Sabine Kühne-Londa, Sven Reese, Hartmut Schwarze und Ingmar Volkmer (v.l.) stoßen darauf nur zu gern an. Foto: Traudel Thalheim

Und in Leipzig ist er jetzt weiter dran mit seinem Team an den aktuellen Tagesthemen – oder am Loriot-Programm „Das Ei hängt schief“, das Dieter Richter gemeinsam mit dem Schauspieler und Kabarettisten Thorsten Wolf auf die Bühne gebracht hat.

Und zwar passend zum 75. Geburtstag – den feierte der Pfeffermühlenchef am 3. April mit seiner ganzen Sippe. Mit den vier Kindern, sieben Enkeln, Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen sowie vielen Ehemaligen: Alle saßen sie tagsüber beieinander und schauten um 20 Uhr die Vorstellung „Durch die Mühle gedreht“, bei der das Geburtstagskind natürlich auf der Bühne stand. Und vom Publikum ordentlich gefeiert wurde.

„Wir brauchen Sonne, Sonne, Sonne!“

Wichtigste Person ist seine Frau Ines, die auch in der Pfeffermühle mit an seiner Seite arbeitet. Dazu kommt sein Sohn Stephan. „Ohne die Beiden würde ich die Strapazen nicht durchhalten können“ sagt er mit Stolz in der Stimme. „Nun fahren wir erst einmal im April mit der ganzen Familie in den Urlaub. Wir brauchen Sonne, Sonne, Sonne! Fuerteventura. Dort feiern wir auch den 40. Geburtstag meiner Tochter. Und um fit zu bleiben, muss ich mich von meinen Enkelkindern über die Strände jagen lassen. Darauf freut sich schon lange die ganze Rasselbande.“

Angeblich wollen sie nur, dass der Opa immer schön fit bleibt: „Ja, mein Knochenklappern soll mich jung halten! Was tut man nicht alles für sich die Kleinen lieben Quälgeister? Ja ja, Humor muss man haben, auch wenn’s manchmal weh tut.“

Was sagt Dieter Richter zum Thema Rente? Na ja. das hat noch Zeit … „das ist ein Lebenselixier und solange mir die Mühle noch Spaß macht mit dem tollen Team und meine Kräfte nicht versagen … jetzt, wo die Alten ohnehin länger arbeiten sollen: Ich bleibe an Bord.“ Übrigens: Auch das Tischlern kann er nicht lassen. Selbst ist der Mann. Nach dieser Devise repariert er in der Mühle und zu Hause. Traudel Thalheim

Infos: www.kabarett-leipziger-pfeffermuehle.de

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