Auch das Pflaster in der Leipziger Petersstraße kann eine Menge Geschichten erzählen – diese möch- te man nun im Projekt „Leipziger Pflastergeschichte(n)“ sammeln. Foto: André Kempner
Auch das Pflaster in der Leipziger Petersstraße kann eine Menge Geschichten erzählen – diese möch- te man nun im Projekt „Leipziger Pflastergeschichte(n)“ sammeln. Foto: André Kempner

Unter dem Pflaster liegt manchmal der Strand – sagt zumindest ein Spruch aus dem Jahr 1968. Aber auf jeden Fall findet man da jede Menge (persönlicher) Geschichten und diese sollen nunmehr ans Tageslicht gebracht werden. Das hat sich das Projekt „Leipziger Pflastergeschichte/n“ vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) vorgenommen – und lädt nun alle dazu ein, eben diese Erinnerungen rund um Straßenbeläge, Gehwege und Gangarten zu teilen.

Jede Stadt hat ihr Pflaster: Ob Granitplatten, Waschbetonfliesen, Schlackensteine oder Kopfsteinpflaster – jeder Gehweg, jede Straße hat ihren eigenen Charakter. Auf jedem Pflaster geht und fährt es sich anders. In jedem Pflaster steckt viel Geschichte, aber auch viele persönliche Geschichten. Mehr noch: Der Bodenbelag unter den Füßen berichtet auch ganz viel von den Umbrüchen einer Stadt. Einer ganz bestimmten Stadt. Von Leipzig.

Waschbeton und Granit

Ist ja eine Stadt mit einem echt spannenden Pflaster. Hier Bordsteine aus den Lausitzer Granitsteinbrüchen, dort Waschbeton vor dem Plattenbau, hier das „Revolutionspflaster“ auf dem Nikolaihof, dort Mosaikpflaster (zum Steinewerfen?). Einmal präzise verlegtes Klinkermosaik, andernorts Zigarettenkippen auf Asphalt, hier Notenspur-Intarsien, dort Bierkapseln auf der Schluppe zu Aldi, manchmal sauber verlegte Platten, anderswo aufgesprungenes Unwegsam, hier Bomben-Spuren aus dem Zweiten Weltkrieg, dort Löwenzahn. Und so weiter und so fort.

Nun möchte man es in diesem Projekt genau wissen: Was haben die Leipzigerinnen und Leipziger für Erfahrungen und Erinnerungen zu Pflaster & Co.? „Wer achtet schon darauf, auf was wir täglich quasi mit unseren Füßen treten? Dabei finden sich auf dem Boden so viele spannende Spuren, die Aufschluss über die Geschichte einer Region wie auch seine Bewohnerinnen und Bewohner geben“, überlegt Dr. Stephanie Weismann. Sie leitet das Projekt „Leipziger Pflastergeschichte/n“, das nun zum Mitmachen und vor allem Miterzählen einlädt.

Das geht ganz einfach: Auf einem digitalen Fragebogen findet man alle Infos, die man zum Miterzählen benötigt. Grundsätzlich interessiert wirklich alles – von der ganz persönlichen Pflastererfahrung etwa vom Rollschuhfahren oder der einen Kante, an der man immer hängenbleibt, über die „Pflaster-Perspektiven“ von Menschen, die selbst gepflastert haben oder im Straßenbau tätig sind, bis hin zu den Erinnerungsspuren, die im Stein verblieben sind – an die DDR zum Beispiel. Oder an einzelne Jahreszeiten.

Am Ende soll eine Ausstellung stehen

Das Ziel: Aus diesem Kanon der Erzählungen soll am Ende eine Ausstellung werden – zu sehen sein wird diese dann ab 14. Juni 2027 als Teil der Wanderausstellung „Transformationen und Umbrüche“. Zudem finden die Geschichten Eingang in das digitale Archiv der Leipziger Pflastergeschichte und auch thematische Pflaster-Spaziergänge sind ab Herbst geplant. red./jw

Hier gibt es mehr Infos zum Projekt.

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