Wer bei
Wer bei "Selben glüht" vorbeischaut, wird nicht nur herzlich empfangen, sondern kann sich mit Glühwein erwärmen und allerlei Köstlichkeiten naschen. Foto: Verein

Als vor einigen Jahren die vom Einsturz bedrohte Dorfkirche Selben mit Hilfe engagierter Bürgerinnen und Bürger sowie Fördermitteln gerettet und seither Schritt für Schritt saniert wird, wuchs im Ort mehr als nur neues Mauerwerk – es entstand auch der Wunsch, das dörfliche Leben weiter aktiv zu gestalten.

Die treibende Kraft im Ort heißt Patrick Fölsch. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass ein Kirchenförderkreis nichts selbst beantragen kann oder auch keine Spenden einsammeln darf“, erklärt Patrick Fölsch. Also überlegte er, einen eigenen Verein zu gründen – mit allen Vorteilen, die damit verbunden sind.

„Schöner Leben Selben“ wurde 2025 gegründet

Im Juni 2024 gab es ein erstes Treffen. Zusammen mit weiteren Interessierten und Engagierten, die schnell gefunden waren, besprach man das weitere Vorgehen. „Am Ende standen nur zwei Fragen im Raum“, sagt Patrick Fölsch: „Wollen wir das wirklich? Finden wir genügend Mitstreiter für diese Idee?“ Die Antwort auf beide lautete: „Ja!“

Pilzsachverständige Claudia Dietrich hat bei einer Veranstaltung in Selben Interessierte über Pilze aufgeklärt und mitgebrachte Pilze bestimmt. Foto: Verein
Pilzsachverständige Claudia Dietrich hat bei einer Veranstaltung in Selben Interessierte über Pilze aufgeklärt und mitgebrachte Pilze bestimmt. Foto: Verein

Dann ging alles schnell: Im Januar wurde eine Vereinssatzung aufgesetzt, Positionen verteilt und der Termin beim Notar gemacht. Am 13. März 2025 wurde der Verein „Schöner Leben Selben“ ins Vereinsregister eingetragen.

Gemeinsam das Dorfleben verbessern

Patrick Fölsch ist Urselbener, seine Familie lebt schon lange in dem Delitzscher Ortsteil. Sein Anspruch an den Verein: „Ich möchte meinem Dorf beweisen, dass es möglich ist, zusammenzufinden und gemeinsam das Dorfleben zu verbessern“, sagt der Vereinsvorsitzende. Dem pflichtet Lisa Schüttler, erste Stellvertreterin, bei. Sie zog vor einigen Jahren nach Selben und kennt die enge Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern aus ihrem früheren Wohnort. „In Selben war das irgendwie anders, jeder machte größtenteils seins“, erinnert sie sich.

Aktionen bringen Menschen zusammen

Die ersten Ideen setzte der Verein bereits um, als dieser noch in den Kinderschuhen steckte. „Das war unsere Probe aufs Exempel“, sagt Lisa Schüttler. Man wollte spüren, ob der Weg als Verein der richtige ist – und ob sich noch mehr Menschen für diese Idee begeistern lassen.

„Zum Beispiel haben wir zu einem gemeinsamen Spaziergang rund um den Werbeliner See eingeladen“, berichtet ­Patrick Fölsch. Dabei konnten die Teilnehmenden nicht nur draußen aktiv sein, sondern auch spannende Infos mitnehmen und sich in entspannter Atmosphäre austauschen und kennenlernen. „Das kam richtig gut an – viele waren dabei und haben die Runde gemeinsam gemacht“, sagt er.

20 Nistkästen bunt gestaltet

Mit Kindern wurden außerdem 20 Nistkästen bunt gestaltet und an verschiedenen Stellen im Dorf aufgehängt. „Unser Ziel dabei ist es, auch für Kinder etwas anzubieten, bei dem sie etwas lernen und langfristig dranbleiben können“, sagt Lisa Schüttler. Seitdem können die Kinder beobachten, wie und von wem die Nistkästen angenommen werden. „Diese Aktion wollen wir in einen eigenen Naturlehrpfad einbinden, der einmal durch das Dorf führen soll“, ergänzt Patrick Fölsch.

Mithilfe einer Hebebühne konnten die Kinder 20 Nistkästen selbst an Bäumen anbringen. Foto: Verein
Mithilfe einer Hebebühne konnten die Kinder 20 Nistkästen selbst an Bäumen anbringen. Foto: Verein

Eine Pilzsprechstunde, eine Putzaktion an der Kirche, die Beteiligung am traditionellen Martinsumzug, ein adventliches „Selben glüht“ sowie eine ­„Ältern-Weihnacht“ rundeten das Jahr 2025 ab. „Durch all diese Veranstaltungen haben wir gesehen, dass das Dorf genau das brauchte. Die Leute kommen und feiern gemeinsam, lernen sich kennen und wertschätzen“, freut sich Lisa Schüttler. „Zudem konnten wir so neue Mitstreiter gewinnen. Mit Stolz können wir nach einem Jahr ‚Schöner Leben Selben‘ sagen: Wir haben nun 54 Mitglieder, die unsere Idee mittragen“, ergänzt Patrick Fölsch.

Neue Ideen schaffen neue Erlebnisse

Dass der Verein weiterwachsen wird, steht für Patrick Fölsch außer Frage. „Mit neuen Mitstreitern kommen auch neue Ideen, wie wir Selben voranbringen können.“ Eine Mitstreiterin hat zum Beispiel in diesem Jahr den Spielnachmittag ins Leben gerufen. Kamen anfangs nur sechs Leute, sind es inzwischen schon 20.

Auch die Kirche soll, wenn die Sanierung abgeschlossen ist, ein kultureller Mittelpunkt werden. „Wir stellen uns Konzerte, Lesungen und Feierlichkeiten wie Erntedank vor“, sagt der Vereinsvorsitzende. Die kleine Tanne neben der Kirche strahlt seit vergangenem Jahr: „Hier haben die Anwohner Stück für Stück Kugeln und Figuren angehängt – ein kleiner Hingucker für die Adventszeit“, so der Vereinsvorsitzende.

Osterfeuer oder Martinsumzug

An Traditionen wie Osterfeuer oder Martinsumzug möchte der Verein festhalten, aber mit neuen Impulsen – etwa der „Ältern-Weihnacht“ oder „Selben glüht“ – weitere Erlebnisse schaffen. Der Naturlehrpfad, der sukzessive entwickelt wird, soll um Bänke zum Rasten und Schauen sowie um eine Blühwiese und ein Insektenhotel ergänzt werden. Hier hat der Verein Unterstützung durch Fördermittel vom Verein Delitzscher Land.

Für die Gründungsmitglieder steht fest: Der Verein sorgt für neue Impulse im Dorfleben. „Dadurch ist Selben lebendiger geworden.“ Woran sie das merken? „Wir sehen bei all den Veranstaltungen immer wieder neue Gesichter. Wir sehen, dass die Menschen ins Gespräch kommen, dass sie sich vernetzen, zu einer Gemeinschaft werden. Für uns der größte Erfolg“, betont Patrick Fölsch. Nannette Hoffmann

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