
Der Jahreswechsel ist oftmals von guten Vorsätzen flankiert. Bei vielen steht „mehr Sport treiben“ an erster Stelle. Wie es um Angebote zur körperlichen Ertüchtigung im Landkreis Nordsachsen bestellt ist, ergründete der SachsenSonntag im Gespräch mit Sven Kaminski, dem Chef des Kreissportbundes.
SachsenSonntag: Wie hat sich der Breitensport in den Vereinen in Nordsachsen entwickelt, war 2025 ein erfolgreiches Jahr?
Sven Kaminski: Unter dem Strich war es sehr erfolgreich. Gegenüber dem Vorjahr haben die 251 Sportvereine im Kreis knapp 1500 Mitglieder hinzugewonnen. Auch bei den Kindern und Jugendlichen kamen noch einmal 700 in der Alterskategorie bis 18 Jahren hinzu. Die Gruppe der über 50-Jährigen hat ein leichtes Plus erfahren.
Hat der Vereinssportbereich damit den Corona-Einbruch wieder wettgemacht?
Was die Mitgliederzahlen von circa 34 700 angeht, hatten wir diese im vergangenen Jahr schon erreicht. Generell muss man aber festhalten, dass die Bedeutung des Sports heutzutage eine andere ist als noch zu DDR-Zeiten oder auch vor dem Aufkommen des Smartphone-Zeitalters. Wenn man früher einen Ball in eine Gruppe Kinder oder Jugendlicher reinwarf, sprangen 18 von 20 Kids sofort los. Heute sind es vielleicht noch fünf – überspitzt gesagt.
Dabei wird vergessen, wie wichtig der Sport gerade für die Entwicklung der jungen Menschen ist. Es geht um Körperentwicklung und motorische Fähigkeiten, aber auch die Sprachentwicklung, soziale Kompetenzen und Tugenden wie Fleiß und Disziplin.
Wie kann der Kreissportbund dazu beitragen, wieder mehr Menschen zu körperlicher Aktivität im Verein zu gewinnen?
In erster Linie durch die Vielzahl unserer Angebote an Vereine, Kitas und Schulen, aber auch an öffentlich wirksamen Veranstaltungen wie dem Inklusionstag in Oschatz. Wir gehen in die Regionen, wollen die Kinder und Senioren motivieren und anspornen, etwas aus dem riesigen Repertoire verschiedener Sportarten einmal auszuprobieren.
Mit Fähigkeitstest und dem Sächsischen Flizzy-Sportabzeichen bei den Veranstaltungen zeigen wir auch gleich ein paar Übungen und Bewegungen, die wir zusammen vor Ort durchführen. Sport macht Spaß, man fühlt sich gut und er gibt einem Selbstvertrauen. Das alles wollen wir vermitteln.
Was hält die Kids heutzutage von mehr körperlicher Betätigung ab?
Das sind natürlich verschiedene Faktoren. Zum einen sind unsere Kinder schon sehr früh in der Schule mit viel Lernstoff teilweise überfrachtet. Wenn nach der Schule noch Hausaufgaben und Lernen für drei oder vier Klassenarbeiten die Woche dazukommt, bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes. Dann ist zur Entspannung der Griff zum Smartphone oft einfacher, als sich aufzuraffen und noch zum Sport zu gehen.
Ich halte auch nicht viel von E-Sport-Aktivitäten. Am Ende kann es aber nur die Gesellschaft als Ganzes schaffen, dem Sport gerade bei den Kids wieder zu größerer Bedeutung zu verhelfen. Die Eltern müssen motivieren und überzeugen, schon in den Kitas sollten viele Körperübungen mit Spiel und Spaß den Alltag prägen.
Die Schule muss lehrerunabhängig für genügend verpflichtende Sportangebote sorgen und die Politik muss für all das die finanziellen Voraussetzungen schaffen, zum Beispiel durch attraktive Sportstätten oder auch mehr Anreize für ehrenamtlich Tätige.
Der Bund stellt in ganz Deutschland eine Milliarde Euro extra für den Sportbereich zur Verfügung. Reicht das nicht aus?
Das klingt erst mal viel, heruntergebrochen auf die Länder und die einzelnen Kreise ist es wiederum nur ein Tropfen auf den heißen Stein des Investitionsrückstaus bei unseren Sportstätten. Wir haben im Landkreis Nordsachsen an den Sportstätten mindestens einen Sanierungsbedarf von 100 Millionen Euro. Wenn man die Förderung in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Kultur sieht – die ich unterstütze, so stellt man doch fest, dass relativ zu den Nutzern sehr viel weniger Geld in den Breitensport investiert wird.
Aber es geht auch um die Würdigung des Ehrenamts, ohne den im Breitensportbereich gar nichts gehen würde. Zum Beispiel könnte man für jahrelanges Engagement auch Rentenpunkte vergeben. Die Gesellschaft bekommt für jeden investierten Euro im Sportbereich diesen Euro auch mehrfach zurück, so die Aussage unseres Staatsministers Armin Schuster. Volkswirtschaftlich könnte man hier das Ehrenamtssystem also deutlich stärker fördern. Ohne Übungsleiter und Trainer keine Angebote, ohne Vereinsführung keinen Verein, ohne Vereine in kleineren Gemeinden oft überhaupt kein soziales Leben mehr – all das stemmen unsere Ehrenamtlichen.
Was sind die Pläne und Wünsche für 2026?
In unserem neuen Sportkalender 2026, der in unserer Geschäftsstelle mitgenommen werden kann und im Netz auf www.ksb-nordsachsen.de abrufbar ist, stehen unsere Angebote für Tagesveranstaltungen, Seminare, Ausbildungstermine und vieles mehr drin. Wir werden weiterhin in der Fläche sichtbar und spürbar bleiben und sind dankbar für die verlässliche Förderung auch des Freistaates und unseres Landkreises, nebst allen unseren Förderern.
Das ist wichtig, denn auch bei uns steigen die Kosten jedes Jahr an. Betriebskosten für die Geschäftsstelle, aber auch Medaillenanschaffungen oder Busfahrten zu Veranstaltungen – da ist eine planbare finanzielle Unterstützung immens wichtig.
Nächstes Jahr sind die Olympischen Spiele in Mailand/Cortina, da wünsche ich mir persönlich natürlich ein sehr gutes Abschneiden unserer deutschen Sportler und auch eine Sogwirkung für unseren Breitensport hier. Und das Wichtigste: Gesundheit für uns alle, und der Sport kann hier einen großen Teil dazu beitragen.
Interview: Jochen Reitstätter































