Blick in die Kurt-Masur-Ausstellung. Foto: Tom Schulze

Das Internationale Kurt-Masur-Institut hat im November 2017 im Mendelssohn-Haus, Goldschmidtstraße 12, seine Räume bezogen. Dem Ehrenbürger der Stadt Leipzig, Kurt Masur, wurde damit ein Ort gewidmet, an dem sein musikalisches wie gesellschaftliches Vermächtnis für die Bürger und Besucher der Stadt sowie für künftige Generationen lebendig gehalten wird.

In den Ausstellungsräumen ist eine multimediale Dauerausstellung mit zahlreichen Fotos und Textdokumente zu sehen, die wichtige Arbeits- und Lebensstationen von Kurt Masur dokumentiert. Eine Audio-/Videostation sowie Objekte aus dem Besitz der Familie Masur ergänzen die Präsentation. Zu sehen sind auch persönliche Gegenstände sowie ausgewählte Ehrungen und Auszeichnungen, die Kurt Masur für seine künstlerischen Leistungen und für seinen Einsatz für humanistische Werte weltweit erhielt.

Die Ausstellung ist im Rahmen der Öffnungszeiten des Mendelssohn-Hauses täglich von 10 bis 18 Uhr für Besucher zugänglich. Künftig wird jeweils am eintrittsfreien Donnerstag des Mendelssohn-Hauses um 17 Uhr eine kostenfreie Führung durch die Ausstellung stattfinden. So am 12. Juli und am 9. August. PM

1 KOMMENTAR

  1. Leider werden in der Leipziger Kurt-Masur-Ausstellung wichtige Teile eines gesellschaftspolitisch ambivalenten Lebens verschwiegen. So wird beispielsweise nicht darüber informiert, dass der Maestro im Jahr 1970 neben Walter Ulbricht & Co. Ehrenwächter am aufgebahrten Leichnam des gefürchteten SED-Bezirksdiktators Paul Fröhlich war, der in Leipzig den Schießbefehl vom 17. Juni 1953 mit mehfacher Todesfolge und auch die barbarische Sprengung der Paulinerkirche (1968) zu verantworten hatte. Auch wird verschwiegen, dass Kurt Masur noch am 7. Mai 1989 zur Wahl des Leipziger Stadtparlamentes für die „Nationale [SED-]Front“ kandidiert und damit die SED-Diktatur noch kurz vor dem DDR-Zusammenbruch (ohne persönliche Not) als Demokratie getarnt hat.
    Den jüngeren Lesern muss an dieser Stelle mitgeteilt werden: Jeder auf einem Wahlzettel aufgedruckte Kandidat war in der DDR nach der Wahl gewählt; Kurt Masur danach Stadtverordneter von Leipzig. Unter vorgehaltener Hand wurden in der DDR (gefährlich und deshalb heimlich) die Parlamente „Abstimmungsmaschinen“, die Abgeordneten „Stimmvieh“ und der Wahlvorgang „Zettel falten“ genannt. Das Ausstreichen einzelner Namen oder die Aufschrift „Gegenstimme“ – wie auf einem ehemals von der Staatssicherheit erfassten und heute von der Stasi-Unterlagenbehörde aufbewahrten Wahlzettel mit den Namen Kurt Masur (veröffentlicht von l-iz.de) – genügte nicht für eine „Nein-Stimme“. Alle einzelnen Namen mussten zu diesem Zweck mit Lineal durchgestrichen werden, was aber nur sehr wenige Wähler wussten. Alles andere als Falten und Einurnen führte zur ungültigen Stimmabgabe. Das verkündete Kommunalwahlergebnis vom 07.05.1989 war nachweislich gefälscht (wie vermutlich alle Wahlen in der DDR).
    „Wehret den gefährlichen Anfängen!“ – das ist auch heute wieder eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit. Dieser Aufruf kann aber nur dann wirkungsvoll werden, wenn wir uns alle (auch persönlich) ohne Geschichtsklitterung bekennen zur Wahrheit über Vergangenheit der Zukunft zuliebe.
    Roland Mey; Leipzig, Februar 2019
    PS:
    Mehr zum Thema kann kostenfrei in einem eBook nachgelesen werden, wenn in das Googlesuchfeld eingegeben wird „Kurt Masur entzaubert – Yumpu“.

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