Beate Rindert und Designer Oliver Viehweg kümmern sich liebevoll auch um Weißnäschen, eine von insgesamt 45 tierischen Mitbewohnern des Katzenhauses in Liebertwolkwitz. Foto: Regina Katzer

Während „Mondgesicht“ schon ein gemütliches Heim im Leipziger Süden gefunden hat, suchen die Kätzchen Weißnäschen, Sascha und Knicköhrchen liebe Menschen, die sie ins Herz schließen. Willkommen im Miezenhaus der IG Katzenschutz Leipzig und in Katzers Kolumne!

Es ist Sonntag früh, und wer mich kennt, sieht mich morgens selten hinterm Lenkrad oder auf dem Fahrrad sitzen. Für die Vierbeiner mache ich eine Ausnahme! Ich bin auf dem Weg nach Liebertwolkwitz in die Muldentalstraße. Kurz hinterm Ortseingangsschild biege ich rechts ab, wie mir Vereinschefin Beate Rindert am Telefon erklärt hat. Fast zeitgleich treffen drei ehrenamtliche Helfer ein, die sich einen halben Tag lang um die 45 Tiere kümmern werden.

Die junge Frau und die beiden Männer wuseln zwischen Stein- und Holzhaus hin und her: Sie bringen leere, schmutzige Futternäpfe zur Spüle, schleppen frisches Fressen zu den hungrigen Samtpfötchen, die auf acht Zimmern verteilt leben, putzen die Klos und reinigen die Außengehege. „Unsere Tiere wurden ausgesetzt, gefunden oder haben keinen mehr, der sich um sie kümmern kann“, erzählt die 71-jährige Vorstandsvorsitzende. „Unser Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden. Zu stemmen sind Kosten für Miete, Energie und den Tierarzt.“ Derzeit kümmern sich 35 Mitglieder und freiwillige Helfer wie Oliver Viehweg um die tierischen Hausbewohner, damit sie ein würdiges Dasein führen können.

Eigentlich wollte der Leipziger vor einem Vierteljahr nur die restlichen Futter- und Streuvorräte seiner verstorbenen Katze bei Beate Rindert abgeben. Spontan entscheidet er sich, als Ehrenamtlicher mitzuhelfen. Zum Aufpäppeln nimmt er das zierliche „Mondgesicht“ mit nach Hause. „Nachdem ich feststellte, wie sich das Kätzchen in seinem Wesen veränderte, wollte ich ihm einfach was Gutes tun“, erzählt der Modedesigner.

Aktuell sucht die Katzenchefin jede Hand, die hilft, und jeden Kopf, der mitdenkt. Während ich zum Frühstücken nach Hause fahre, sind die Helfer noch bis 13 Uhr fleißig zugange. Wer gerne anpacken oder sich als Pate mit einer Monatsspende von zehn Euro beteiligen möchte, meldet sich bitte bei Beate Rindert unter Telefon 0179 5939190.

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Auch Mischlingshund Bolle lebte bis 2014 in einem Tierheim – als Manuela Luther das Hündchen in Groitzsch erspäht, ist es um die beiden geschehen. Seitdem lebt der Vierbeiner in Markkleeberg und genießt jeden Tag. Mit einem Haustier muss der Arbeitsalltag neu organisiert werden, weiß Manu. Von Montag bis Freitag begleitet die niedliche Fellnase mit den langen Wimpern sein Frauchen ins Büro. Abfahrt ist täglich Punkt 9 Uhr.

Vom frühen Aufstehen hält der kleine Kerl nicht viel: „Wenn ich mir die Schuhe anziehe, fällt ihm plötzlich ein, noch frühstücken zu wollen“, plaudert die Agenturchefin mit einem Zwinkern. Bolle bringt nichts aus der Ruhe – auf den letzten Pfiff geht es zur ersten Gassi-Runde ins Grüne. Kurze Zeit später betritt der kleine Strolch leicht tänzelnd und immer gut gelaunt das Gemeinschaftsbüro und holt sich erste Streicheleinheiten von Agenturkollegin Susi sowie den Zwillingen Marcus und Sebastian, die im Nachbarzimmer ihr Quartier aufgeschlagen haben.

Eigentlich verbringt er seine Zeit damit, sich von einem ins andere Körbchen zu bewegen, um dann irgendwann einzuschlafen. Und manchmal schnarcht Bolle so laut, dass Frauchen, die am Rechner Pläne schmiedet, laut lachen muss. Am Nachmittag steht eine große Runde im Clara-Zetkin-Park an. „Ermittler Bolle interessiert alles – jeder Strauch und jeder Baum. Neugierig schnüffelt er durchs Gelände und kann sich kaum sattriechen“, erzählt die quirlige Geschäftsfrau. Nur, wenn er am späten Nachmittag großen Hunger bekommt, fängt er an zu drängeln und will nach Hause. Bis zum nächsten Morgen …

Regina Katzer

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