Johann Friedrich Röpke an der Orgel der Brüderkirche, in der er zu Gottesdiensten coronabedingt derzeit leider nur allein singen darf – ohne seine Gemeinde. Für ihn ein schmerzlicher Einschnitt. Foto: Ralf Miehle

Altenburg. „Die Gemeinde zum Singen zu bringen, das ist ja mein Beruf“, sagt Johann Friedrich Röpke, der neue Stadtkantor der Kirchgemeinde Altenburg, der sein Amt gerade erst angetreten hat. Frisch vom Studium kommend, mit einem Höchstmaß an jugendlichem Elan. Um so mehr bedauert der junge Mann, dass eben dieses gemeinsame Singen derzeit – und schon seit Langem – pandemiebedingt nicht möglich ist und das gesamte kirchenmusikalische Leben nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist. Einzig er selbst darf momentan zu den sonntäglichen Gottesdiensten, während er Orgel spielt, stellvertretend für alle anderen in der Kirche Anwesenden singen. Das erfreut zum einen, weil damit erlebbar wird, dass noch ein wenig an gemeinsamem Erleben möglich ist, es schmerzt aber vor allem gleichermaßen, weil die Defizite und ein hohes Maß an Verzicht stets aufs Neue deutlich werden. So also bleibt zu hoffen, dass der „Neue“, Kirchenmusiker Johann Friedrich Röpke, der hier sehnlichst erwartet wurde, bald wieder in einer deutlich breiteren öffentlichkeitswirksamen Form als derzeit in Erscheinung treten darf, er sich damit überhaupt erst einmal bekannt machen kann in einem größeren Umfeld in der Stadt und dass die Musikfreunde der Region sich wieder an musikalischen Darbietungen und Konzerten beteiligen und/oder erfreuen können.

Johann Friedrich Röpke hat die Stelle des A-Kirchenmusikers in der Kirchgemeinde der Stadt Altenburg am 15. Februar angetreten, nur wenige Tage, nachdem er sein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte. Der Kreiskirchenrat des Kirchenkreises Altenburger Land hatte die A-Kantorenstelle im Frühjahr 2020 neu ausgeschrieben. Insgesamt 13 Interessensbekundungen aus dem In- und Ausland gingen darauf ein, und drei potenzielle Kandidaten wurden schließlich von der Bewerbungskommission ausgewählt, sich der Öffentlichkeit und den Chören zu präsentieren. Dies waren unser heutiger Frühstücksgast Johann Friedrich Röpke, der damals in Halle (Saale) studierte, Julius Mauersberger aus Pasewalk und Christoph Hagemann aus Berlin.

Am 2. September des vergangenen Jahres war Johann Friedrich Röpke dann zu Gast in dieser Stadt, die ihm nunmehr zu einer neuen Heimat werden soll, um sich vorzustellen. Er leitete unter anderem eine (kleine) Chorprobe. „Es waren nur 16 Sängerinnen und Sänger zugelassen, die einen großen Abstand zueinander wahren mussten“, erinnert er sich an diesen Tag. „Und für sie alle war es die erste Chorprobe seit März, also nach einem halben Jahr, da das gemeinsame Singen schon seit dem ersten Lockdown unmöglich geworden war.“ Der Kirchenmusiker präsentierte sich zugleich bei einem Orgelvorspiel, er leitete eine Kinderchorprobe und eine mit dem Posaunenchor und er sang im Rahmen eines Gottesdienstes mit der Gemeinde. Zudem stellte er sich in einem ausführlichen Gespräch vor. Dann hieß es für den jungen Mann abzuwarten. Die letztlich entscheidende Wahl der Verantwortlichen entfiel gemäß den Vorschlägen der Bewerbungskommission dann auf Johann Friedrich Röpke, Ende September erhielt er die freudige Nachricht, dass sich die Altenburger für ihn entschieden hatten. Seine Arbeitsschwerpunkte werden unter anderem die Leitung der Chöre der Stadtkirchengemeinde Altenburg sein, gleichermaßen die Zusammenarbeit mit dem Christlichen Spalatin-Gymnasium Altenburg, inklusive der gesamten Planung und Koordination für die einzelnen Ensembles und das gesamte kirchenmusikalische Leben der Stadt.

„Wir sind glücklich, einen so hochtalentierten Kirchenmusiker in unseren Reihen zu haben und freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit“, sagte Superintendentin Dr. Kristin Jahn nach besagter Entscheidung im Frühherbst des vergangenen Jahres. Und auch Johann Friedrich Röpke zeigte sich überglücklich: „Ich freue mich außerordentlich über den Ruf nach Altenburg und bin gespannt auf viele intensive Begegnungen und eine breit gefächerte musikalische Arbeit mit Menschen unterschiedlichster Altersgruppen. Dabei liegt mir die Chorarbeit sehr am Herzen, gleichzeitig freue ich mich sehr auf die besondere Orgellandschaft und den großen Posaunenchor in Altenburg. Als Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde möchte ich einen Beitrag zur Altenburger Kulturlandschaft geben, der weit über die Gemeindegrenzen hinaus wirken kann. Ich freue mich darauf, in der Gemeinde und in Altenburg mit seiner schönen Umgebung ein neues Zuhause zu finden“, so sein erstes Statement nach der Wahl zum neuen Stadtkantor für die Kirchgemeinde Altenburg.

Johann Friedrich Röpke wurde 1994 in Magdeburg geboren und wuchs dort in einem musikalischen Umfeld auf. Maßgeblich geprägt wurde er von seinem Großvater, Kirchenmusikdirektor Jürgen Irmscher. Er erteilte ihm mit fünf Jahren erstmals Klavierunterricht und unterrichtete den Heranwachsenden seit dem Jahr 2007, also seit dessen 13. Lebensjahr ebenso im Orgelspiel. Nach dem Abitur lebte und arbeitete Johann Friedrich Röpke für ein Jahr im englischen Cambridge. „Das war so eine Art freiwilliges soziales Jahr im Rahmen des europäischen Freiwilligendienstes“, erzählt unser Gesprächspartner. „Ich habe dort im sozialen Bereich der Kirchgemeinde Cambridge gearbeitet, unter anderem mit Menschen mit Behinderung“. Seine Entscheidung bereut hat er nicht, im Gegenteil. „Diese Zeit hat mir sehr gut getan – aus dem bis dahin mein Leben bestimmenden schulischen Umfeld herauszukommen in einen Alltag, in dem ganz andere Sachen eine Bedeutung gewinnen und ich andere, neue Erfahrungen sammeln konnte.“

Sein Lebensziel, Kirchenmusiker werden zu wollen, das er schon seit seiner Jugend stark präsent stets im Hinterkopf hatte, verlor Johann Friedrich Röpke aber auch in jenen zwölf Monaten in England nicht aus den Augen. Noch von Cambridge aus bewarb er sich an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale), bestand die entsprechenden Aufnahmeprüfungen und studierte dort nun seit dem Wintersemester 2014/15 Kirchenmusik. Nach der erfolgreichen Bachelorprüfung im Jahr 2018 schloss er unmittelbar den Masterstudiengang Kirchenmusik an, der mit der sogenannten „A-Prüfung“ Anfang Februar dieses Jahres ebenso erfolgreich seinen Abschluss fand.

Auch während seines Studiums hatte Johann Friedrich Röpke während des letzten Jahres die Corona-Auswirkungen zu spüren bekommen: „Eigentlich wäre ich planmäßig bereits im vergangenen Jahr fertig geworden, aber gerade in meinem Fall ist es schwierig gewesen, alle notwendigen Exerzitien auf digitale Lehre umzustellen. Und ein Orgelstudium beispielsweise kann man nun mal nicht von zu Hause aus am Rechner sitzend absolvieren“, fügt er mit einem Schmunzeln an.

Doch nun also ist das Studium Geschichte, und auch der eigentlich bereits für die Februarferien geplante Umzug in die Skatstadt, dem damals den Schneemassen einen Strich durch die Rechnung machten, ist inzwischen abgeschlossen. Johann Friedrich Röpke ist angekommen in Altenburg, hat mittlerweile die Stadt ein wenig kennengelernt, vor allem aber jene Partner, mit denen er künftig aufs engste zusammenarbeiten wird. Doch die meisten Menschen, mit denen er perspektivisch zu einem engen Miteinander finden soll und möchte, die sind ihm situationsbedingt bislang leider noch nicht begegnet. Denn Proben und Zusammenkünfte sind nach wie vor nicht möglich. Die Altenburger Kantorei zählt rund 55 Mitglieder, zur Kurrende gehören etwa 20 Mädchen und Jungen, zum Posaunenchor ebenso circa 20 aktive Mitstreiter. Hinzu kommen die Chöre des Spalatingymnasiums. Für sie alle liegt die musikalische Arbeit seit Monaten brach.

„Es ist derzeit unmöglich einzuschätzen, was nach dieser langen Zeit passiert, was übrig geblieben ist. Daher kann ich vorerst auch keine konkreten, größeren Pläne schmieden, was ich jetzt eigentlich notwendigerweise tun würde, vor allem auf längere Sicht, mit einem Vorlauf, der rund zwei Jahre betragen würde. Momentan kann ich noch schwer überschauen, was mit den einzelnen Ensembles möglich sein wird. Zunächst wird es wichtig und vordergründig sein, dass wir uns gegenseitig erst einmal richtig kennen lernen“, umreißt der Kantor die Situation.

Wenn man wieder gemeinsam singen und musizieren darf, werde man schauen müssen, wie der Stand ist. Und vermutlich Arbeit und Zeit investieren müssen, den Leistungsstand auszutesten und nach und nach im Niveau wieder zu steigern, um künftig – so wie vor der Pandemie – wieder größere Projekte angehen zu können. „Das geht derzeit allen meinen Kollegen landauf, landab so, niemand weiß, wohin die Reise in den nächsten Monaten gehen wird. Aber ich ermutige immer wieder zu Geduld – und sobald es irgend geht, werden wir wieder anfangen, zu musizieren. Und dann wird die Freude bei allen Beteiligten riesig sein.“

So bleiben momentan nur die wöchentlichen Gottesdienste unter akribischer Beachtung der Corona-Hygiene- und Sicherheitsregeln und in auf 45 Minuten begrenztem Format. „Aber hier versuchen wir jede Woche neu ein ausgewogenes Gesamtbild von Wort und Musik zu finden“, formuliert Johann Friedrich Röpke den Anspruch der Beteiligten.

Kraft und Mut tanken wird der neue Stadtkantor für Altenburg einstweilen weiterhin im Zusammensein mit seiner Lebensgefährtin, die sich im Rahmen eines Referendariats gerade auf ihren künftigen Berufsalltag als Grundschullehrerin vorbereitet – und bei seinen Hobbys, die neben der Musik in vielerlei Facetten vor allem darin bestehen, „viel draußen an der frischen Luft zu sein und Fahrrad zu fahren. Und ich koche sehr gerne und bewirte Leute, habe gerne Gäste“, aber auch dies ist derzeit ja leider nur in eingeschränktem Maße möglich. Außerdem, so gesteht der Musiker, sei er ein sehr technikaffiner Mensch, sei gerne als Heimwerker tätig und widmet sich ebenso mit Leidenschaft dem Orgelbau. „Aber das gehört ja schon wieder zum Beruf.“ Herzlich willkommen dann also in Altenburg! Ralf Miehle

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here