Marie Dietrich-Streubel (l.) und Kathleen Bölke wagen in Döbeln einen neuen Anlauf für das Ein-Eltern-Netzwerk. Foto: Andreas Neustadt

Döbeln. Ein berühmtes afrikanisches Sprichwort besagt: „Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Doch dieses sprichwörtlich für eine große Familie stehende Dorf, das bei der Kindererziehung hilft, stehe Eltern immer weniger zur Verfügung, weiß Kathleen Bölke aus eigener Erfahrung – als Vollzeit-Mama, Arzthelferin, die derzeit ganz nebenbei auch noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert. Haushalt, Hund und Katze wollen natürlich auch noch gepflegt werden.

„Vor allem Alleinerziehende stoßen im täglichen Leben immer wieder an ihre Grenzen und sind auch im öffentlichen Leben oftmals außen vor. Wenn man dann noch berufstätig ist, hetzt man von einem Termin zum anderen“, sagt die alleinerziehende Mutter von drei Söhnen im Alter von elf, acht und zwei Jahren: „Man fühlt sich im Alltag ziemlich allein gelassen.“ Ihr fehle dabei der Austausch mit anderen Alleinerziehenden, sagt Kathleen Bölke, die in diesem Zusammenhang lieber von Ein-Eltern-Familien spricht. Um das nachhaltig zu verändern, möchte sie in Kooperation mit der AWO Familienbildung in Döbeln ein Netzwerk ins Leben rufen – ein sogenanntes Ein-Eltern-Netzwerk „Mitein(h)ander“

Mit dieser Idee hat die engagierte Arzthelferin bei Marie Dietrich-Streubel von der AWO Familienbildung offene Türen eingerannt. Gemeinsam die Idee eines Netzwerkes in dem Ein-Eltern auch mal eine Weiterbildung bzw Infoveranstaltung zu Themen bezüglich Familie oder Gesundheit besuchen können, zu realistischen Zeiten – und das mit den Kindern. „Das Problem unserer bisherigen Angebote und Themenabende ist, dass diese meist von den Ein-Eltern nicht wahrgenommen werden können, weil es entweder zu spät oder sie niemanden für die Kinderbetreuung haben. Mit den regelmäßigen Treffen, bei denen auch eine Kinderbetreuung garantiert ist, wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, solche Angebote wahrzunehmen“, erklärt Marie Dietrich-Streubel und ergänzt dazu: „Unsere große Vision ist, dass sich die Muttis oder Vatis über diese monatlichen Treffen kennenlernen und so ein Netzwerk aufbauen, um sich dann auch über die Treffen hinaus immer wieder gegenseitig helfen zu können.“

Jeden ersten Montag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr soll das Treffen im AWO Familienzentrum in Döbeln (Nordstraße 2) eine Plattform für Ein-Eltern-Familien sein. Los geht’s am 5. Oktober. Bereits vor einem Jahr hatte Kathleen Bölke eine solche Gruppe in Döbeln ins Leben gerufen. Diese lief anfangs ganz gut, sei dann aber nach und nach eingeschlafen. Mit der AWO Familienbildung „im Boot“ wolle sie nun neu durchstarten. Die ehrenamtliche Initiatorin ist optimistisch, dass die Gruppe und das daraus resultierende Netzwerk diesmal nachhaltig ist – und das gutem Grund: „Jetzt ist einfach der Bedarf größer, weil es mehr Ein-Eltern-Familien gibt. Wir sind sehr optimistisch, dass wir den Menschen an der einen oder anderen Stelle Hilfestellungen geben können.“

Auch Marie Dietrich-Streubel sieht in ihrer täglichen Arbeit als Sozialpädagogin und aufsuchende Familienbegleitung, dass der Bedarf an den unterschiedlichen Angeboten der AWO Familienbildung in den vergangenen Jahren auch in der Region deutlich gestiegen ist.

„Das ist aus meiner Sicht auch ein echtes gesellschaftliches Problem in dieser doch sehr schnelllebigen Zeit. Die Zahl der Trennungen nimmt zu, weil der Mut und die Notwendigkeit, auch mal schlechte Zeiten gemeinsam durchzustehen, in vielen Familien sinkt. Heutzutage scheint es einfach normal, dass man sich verändert, wenn es in einer Beziehung nicht optimal läuft. Die Möglichkeiten, einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu finden, sind heutzutage deutlich größer als noch vor ein paar Jahren.“ Damit steigt auch die Zahl der Ein-Eltern-Familien.

Interessenten, die beim regelmäßigen Ein-Eltern-Treffen in Döbeln dabei sein wollen, können sich bei Marie Dietrich-Streubel per E-Mail (familienbegleitung@awo-familienzentrum.org), über Facebook (EinEltern-Familien in Döbeln) und telefonisch (0163 1620137) anmelden. Andreas Neustadt

Übrigens: Am 26. September findet ab 9.30 Uhr im Natur- und Freizeitzentrum Töpelwinkel ein offenes Treffen von Ein-Eltern-Familien mit Kindern statt. Wer dabei sein will, kann sich ebenfalls anmelden.

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