Die Sächsische Bläserphilharmonie spielt auf der Seebühne am Biedermeierstrand – mit Sonnenuntergangskulisse. Foto: Maximilian Zwiener
Sommerklassik am See: Die Sächsische Bläserphilharmonie spielt auf der Seebühne am Biedermeierstrand – mit Sonnenuntergangskulisse. Foto: Maximilian Zwiener

Zwischen Nieselregen, dichten Wolken und den rosa-weißen Blüten der Zierkirschen begrüßte Christoph Zwiener kürzlich Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie Vertreterinnen und Vertreter der ­Medien zur traditionellen Saisoneröffnung am Biedermeierstrand. Dabei präsentierte der Projektmanager des Haynaer Strandvereins zugleich eine sichtbare Neuheit an Deutschlands größter überdachter Seebühne.

Um das Publikum bei den vielfältigen Veranstaltungen künftig noch besser vor Wind und Regen zu schützen, wurden die Ränge rundherum mit Lamellen aus gekantetem Aluminiumblech verkleidet – auf einer Länge von 860 Metern und einer Höhe von 2,40 Metern. Insgesamt 20 überlappende Lamellenreihen mit kleinen Zwischenräumen sorgen dafür, dass Wind draußen bleibt, die Luft jedoch weiterhin zirkulieren kann. „Damit steht den diesjährigen Biedermeierfestspielen auch bei schlechtem Wetter nichts mehr im Wege“, sagt Christoph ­Zwiener.

Mehr Komfort, bessere Technik

Überzeugen konnten sich die Gäste gleich vor Ort im Innenraum der Seebühne. „Es ist gleich angenehmer, stimmt’s?“, fragt Zwiener in die Reihen – zustimmendes Nicken inklusive. Eine Investition, die sich sichtbar gelohnt hat.

Deutschlands größte überdachte Seebühne am Biedermeierstrand: Hier starten die Biedermeierfestspiele in die neue Saison. Foto: Nannette Hoffmann
Deutschlands größte überdachte Seebühne am Biedermeierstrand: Hier starten die Biedermeierfestspiele in die neue Saison. Foto: Nannette Hoffmann

Zugleich hat der Verein in neue Licht- und Tontechnik investiert. „Bislang haben wir uns die Technik mit dem Musik- und Theaterförderverein Priester geteilt und mussten sie immer wieder abbauen. Nun können wir sie dauerhaft installiert lassen und den Künstlerinnen und Künstlern durchgehend zur Verfügung stellen“, erklärt Zwiener.

Humorvolle Töne zur Eröffnung

Rayk Bergner, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Schkeuditz, und Steffen Schwalbe, Bürgermeister der Gemeinde Rackwitz, betreten mit einem breiten Lächeln die Bühne. „Nun fehlen ja nur noch Sitzkissen für die Bankreihen“, scherzt Bergner. Wer diese Investition übernehmen soll, bleibt nach einer augenzwinkernden, nicht ganz ernst gemeinten Debatte offen – vertagt also.

„Nein, Spaß beiseite“, ergänzt Bergner. Jahr für Jahr sei er begeistert von dieser besonderen Kulturspielstätte. Sie immer wieder mit Leben zu füllen, sei ein Kraftakt – möglich nur dank des großen ehrenamtlichen Engagements. Ein Blick ins Programmheft zeige zudem: Auch in diesem Jahr dürften wieder zahlreiche Gäste an den Strand strömen.

Auch Steffen Schwalbe blickt erwartungsvoll auf die kommende Saison und weiß, wie gern die Menschen aus der Region das kulturelle Angebot am See nutzen.

Starke Nachfrage, breite Strahlkraft

Das bestätigt Brit von Ryssel aus dem Ticketing: „Im Jahr 2025 haben wir mehr als 10.000 Tickets verkauft. Ein Drittel davon ging an Gäste aus Leipzig und der Region.“ Insgesamt kamen Besucherinnen und Besucher aus 272 Orten in ganz Deutschland. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Biedermeierstrand zudem ein Besucherplus von 33 Prozent im Vergleich zu 2024. Ob sich das noch steigern lässt? „Warum nicht?“, fragt Iris Zwiener. „Die diesjährigen Biedermeierfestspiele bieten mit 39 Programmpunkten erneut Vielfalt und hochkarätige Künstlerinnen und Künstler. Viele von ihnen kommen so gern hierher, dass sie immer wieder zurückkehren.“

Weil Lachen gesund ist

Eröffnet wird die Saison mit dem beliebten Comedy-Format „NightWash“ (29. Mai), das seit 2001 Nachwuchstalenten eine Bühne bietet und im Rahmen seiner Open-Air-Tour auch am Biedermeierstrand Station macht.

Zeitreise im Takt der Musik: Der Historische Tanzball bringt Glamour vergangener Epochen auf die Seebühne am Schladitzer See. Foto: Maximilian Zwiener
Zeitreise im Takt der Musik: Der Historische Tanzball bringt Glamour vergangener Epochen auf die Seebühne am Schladitzer See. Foto: Maximilian Zwiener

Das Kabarett Leipziger ­Pfeffermühle bringt mit seinem Loriot-Programm „Das Ei hängt schief!“ (26. Juni) humorvolle Klassiker auf die Bühne, während die Distel Berlin mit „SchMERZtherapie“ (4. September) die Politik satirisch unter die Lupe nimmt. David Leubner verbindet in seinem Improvisationstheater (18. September) Stand-up, Kabarett und Schauspiel – und lässt das Publikum den Verlauf der Show mitbestimmen.

Musik aller Genres

Auch musikalisch zeigt sich das Programm vielseitig: „Piano Man“ (30. Mai) kehrt zurück, wenn Thomas Bötig die Songs von Billy Joel interpretiert. Corvus Corax (6. Juni) entführt mit kraftvollen Klängen in eine Welt zwischen Mittelalter und Mystik. Silly (11. Juli) bringt erstmals ihr elektroAKUSTIK-Set nach Hayna.

Die Dragonflies (11. September) liefern Balkan-Rhythmen voller Energie, während der Chor Arion Glesien mit „Spuk unterm Schaufelrad“ (23. August) mystische Klangwelten erschafft. Der Liederabend „Kann denn Liebe Sünde sein?“ (12. September) verbindet Geschichten, Sehnsucht und Musik der Goldenen Zwanziger.

Mit „Lieder am Strand“ (27. August) feiert zudem ein neues Festival Premiere. Drei Bands und 14 Musiker bringen Chanson, Folk, Blues und Pop an den See. Den Abschluss bildet ein Tribute an Frank Sinatra von Roger Pabst (19. September).

Klassik am See

Auch die Klassik hat ihren festen Platz: Das Leipziger Symphonieorchester eröffnet mit „Songs of my Life“ (12. Juni), imRahmen ihrer Reihe „Klangwellen am Strand“ ihren musikalischen Reigen, gefolgt von „Sounds of ­Cinema“ (13. Juni).

So soll die Seebühne aussehen: Iris Zwiener (li.) und Brit von Ryssel präsentieren den Fassadenentwurf, der die Anmutung eines Theaters des 19. Jahrhunderts an den Biedermeierstrand holt. Foto: Nannette Hoffmann
So soll die Seebühne aussehen: Iris Zwiener (li.) und Brit von Ryssel präsentieren den Fassadenentwurf, der die Anmutung eines Theaters des 19. Jahrhunderts an den Biedermeierstrand holt. Foto: Nannette Hoffmann

Die Sächsische Bläserphilharmonie präsentiert „Arena dell’Opera“ (19. Juni), bevor ­Ethel Merhaut am Folgetag mit jüdischen Chansons der 1920er- Jahre begeistert. Erstmals ist die Staatskapelle Halle mit zwei Programmen vertreten – darunter ein Mitmachkonzert für Familien („Unter Wasser“, 2. Juli) und ein musikalischer Abend rund um das Thema Glück (3. Juli).

Ein besonderes Highlight: ­Mozarts „Zauberflöte“ (10. Juli) in einer kompakten, familienfreundlichen Fassung.

Traditionen am Strand

Höhepunkt bleibt das Familienmusical „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (ab 8. August). An sieben Abenden erleben Besucherinnen und Besucher ein fantasievolles Bühnenabenteuer mit Musik, Choreografie und aufwendigen Kostümen.

Der historische Tanzball (4. Juli) widmet sich in diesem Jahr Carl Maria von Weber. Das Biedermeierstrandfest (25./26. Juli) lockt mit Bühnenprogramm, Mitmachaktionen und regionalem Markt. Den festlichen Höhepunkt bildet die Musikgala am Samstagabend.

Mit Erntedankfest und Vereinstag (27. September), Halloween (31. Oktober) und dem Viktorianischen Weihnachtsmarkt (5. Dezember) klingt die Saison stimmungsvoll aus.

Zwei Neuerungen zum Schluss

Doch damit nicht genug: Zwei weitere Neuerungen runden das Angebot ab. Künftig kann am Biedermeierstrand auch geheiratet werden. „Ein schöneres Ambiente für das Ja-Wort kann man sich kaum vorstellen“, sagt Bergner.

Außerdem erhält die Seebühne ein neues Gesicht. Bühnenbildnerin Daniela Hussel verwandelt die bisherige Industriefassade in ein Kulturtheater des 19. Jahrhunderts. Die Arbeiten beginnen im Juni – und schon im August dürfte die Bühne zum echten Blickfang werden, der neugierig macht und Lust auf Kultur weckt. Nannette Hoffmann

Weitere Informationen und das komplette Programm gibt es hier

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