
Der Tierschutzverein Grimma als Betreiber des Grimmaer Tierheims im Ortsteil Schkortitz bezeichnet das ablaufende Jahr 2025 als ein schwieriges. Vereinsvorsitzende und Tierheimleiterin Ricarda Höfer resümiert dass sie und ihren vielen fleißigen Helferinnen und Helfer sehr viele Katzen in einem miserablen Gesundheitszustand aufnehmen mussten.
„Deren Behandlungen sind immer sehr kostenintensiv und häufig haben wir den Kampf um deren Überleben verloren. „Allein für drei Katzen“, so Höfer, „mussten wir 8000 Euro investieren. Und genau diese Kosten sind irgendwann für viele Eigentümer nicht mehr zu stemmen und dann landen ihre Vierbeiner hier bei uns“.
Steigende Kosten sind ein Problem
Doch auch das Tierheim selbst hat mit den steigenden Kosten zu kämpfen: Allein schon für Tierarzt und Futter zum Beispiel. „Erschwerend kommt hinzu“, so die Tierheimleiterin, „dass auch die Futter- und Geldspenden fürs Tierheim in diesem Jahr massiv zurückgegangen sind“. Und da sind ja auch noch die Personal- und Betriebskosten, die bewältigt werden müssen.

„Deshalb müssen wir immer kreativer werden, um über die Runden zu kommen. Wir vom Vereinsvorstand können nicht dankbar genug sein, dass uns so viele ehrenamtliche Helfer und organisatorische Unterstützer im Alltagsgeschäft und bei größeren Veranstaltungen zur Seite stehen.“ Sie meint damit zum einen die Tage der offenen Tür im April und Oktober, aber auch das Grimmaer Stadtfest und den Weihnachtsmarkt.
Große Unterschriftenaktion für das Tierheim
Darüber hinaus war die große Unterschriftenaktion wichtig, damit das Tierheim auch wieder in den Genuss von Fördermitteln kommt. „Doch jegliche finanzielle Förderung ist auch immer an Eigenanteile vom Verein gebunden“, schränkt Höfer aufkommenden Optimismus ein. Die derzeit 70 aktiven Mitglieder und 20 zusätzlichen „Gassi-Geher“ müssen also kreativ werden, um Geld für die Vereinskasse zu generieren.
So werden derzeit auf allen Social-Media-Plattformen mehr oder weniger nützliche Geschenkartikel mit Tiermotiven zum Verkauf angeboten. Es gibt sogar extra eine Facebookgruppe mit dem Namen „Aktion fürs Tierheim Schkortitz, wo viele Artikel für den guten Zweck, also zugunsten der Tierbetreuung, versteigert werden.
Weihnachtszeit mit gemischten Gefühlen
Derzeit sehen die Tierschützer der Weihnachtszeit mit gemischten Gefühlen entgegen. „Tiere, also pflegebedürftige Lebewesen, sind nie ein gutes Geschenk“, sagen die Tierheimbetreiber ganz klar. Das betrifft nicht nur Weihnachten, sondern auch Ostern oder Geburtstage. Denn wen die erste Euphorie verflogen ist, die Tierkinder groß werden und erste größere Kosten ins Haus stehen, ist es mit der Tierliebe häufig vorbei. „Nötige Impfungen oder Kastrationen, das Entwurmen oder kleinere Unfälle sind unabdingbar, aber alles das ist nicht billig“, wissen die Fachleute nur zu gut.

Und so verzeichnet Schkortitz in den letzten zwei Jahre eine spürbare Zunahme an Abgabeanfragen, selbst von noch jungen Hunden. Und dann gibt es auch Beißvorfälle, so dass der einst geliebte Vierbeiner zur Belastung in einer Familie werden kann. „Doch wir Tierheime können dieser erhöhten Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Nicht nur aus finanzieller Sicht, auch aus Platz- und Personalgründen“, betont Tierheimchefin Höfer.
Kontakt mit anderen Tierheimen
Und das, obwohl man mit anderen Tierheimen in Kontakt steht, sich gegenseitig aushilft und auch in Fragen Tiervermittlung deutschlandweit gut vernetzt ist. Aktuell hat das Grimmaer Tierheim 17 Hunde und etwa 40 Katzen in ihren Boxen. Gerade mit den Schmuse-Tigern sei das ein unhaltbarer Zustand.
Der Tierschutz sei am Limit. „Wir brauchen in Sachsen endlich eine landesweite Katzenverordnung und eine beständige Förderung von Kastrationsprojekten“, fordert Ricarda Höfer. Es gilt das Straßenkatzenleid zu verringern, damit mehr Wildtierschutz zu erreichen und auch Gemeinden finanziell zu entlasten und die Tier-Mensch-Infektionen zu verringern.
Registrierungspflicht für freilaufende Katzen
Deshalb rufen Tierschutzvereine in Sachsen seit vielen Jahren nach einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Katzen. Nur so kann das unkontrollierte Vermehren gestoppt und weniger Tierleid erreicht werden. Bisher zählt der Freistaat zu den wenigen Bundesländern, die eine solche Verordnung nicht umgesetzt haben.
Auch im Tierheim Schkortitz gibt es bereits vorgedruckte Postkarten an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die um eine landesweite Regelung bezüglich der Freigängerkatzen bitten. „Nur wenn wir hier einen ebenso großen Zusammenhalt demonstrieren, wie bei der geplanten Halbierung unserer Fördermittel in 2025, werden wir uns Gehör verschaffen“, ist sich die Grimmaer Tierheimleiterin sicher. Thomas Kube


































