Arbeit am und mit dem Athleten: Sven Lang korrigiert die Haltung bei Diskus-Jugendmeister Max-Louis Emmrich. Foto: Lars Preußer
Arbeit am und mit dem Athleten: Sven Lang korrigiert die Haltung bei Diskus-Jugendmeister Max-Louis Emmrich. Foto: Lars Preußer

Das ist unbestritten und trotzdem irgendwie eine überraschende Erkenntnis: Sven Lang (63) ist der erfolgreichste Trainer, der im Leipziger Vorort Markleeberg als Einwohner gemeldet ist. Seit 2021 ist er der verantwortliche Bundestrainer für den Bereich Wurf/Stoß, der beim Deutschen Leichtathletikverband (DLV) die Disziplinen Diskuswerfen, Hammerwerfen, Kugelstoßen und Speerwerfen beinhaltet. Ach ja: Die Laufbahn als Trainer hatte er schon im Alter von 20 Jahren mit der Aufnahme des Sportstudiums an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig begonnen.

Sven Lang ist einer, der gönnen kann. Den eigenen Anteil am Erfolg seiner Athleten will er nicht über Gebühr transparent bewertet wissen. Er sagt viel mehr: „Ach, das ist mir nicht so wichtig. Ich bin keiner, der die Medaillen zählt. Ich kann wirklich nicht sagen, wie viele es in den Jahren geworden sind. Der Athlet bringt die Leistung, da muss ich doch da nicht mit vorn dran stehen.“

Dabei gab und gibt es so viel, was man an Erfolgen aufzählen kann – zuletzt besonders gut unterwegs aus der Lang-Gruppe der Wurf- und Stoß-Athleten sind die 27-jährige Yemisi Ogunleye und der 24-jährige Hammerwerfer Merlin Hummel. Die eine wurde im Jahr 2024 mit der Weite von genau 20 Metern Olympiasiegerin im Kugelstoßen in Paris; der andere holte sich der bei der WM im vergangenen Jahr mit der Weite von 82,77 Metern die Silbermedaille.

Athlet Lang: Zeitiges Karriere-Ende als Zehn- kämpfer

Sven Lang schaut auf die eigene Historie als Athlet zurück und verrät: „Im Nachwuchsbereich war ich bis zur U19 Zehnkämpfer. Ich musste diese Laufbahn aber wegen Verletzungen sehr zeitig beenden. So habe ich mit dem Studium das Trainerdasein in Angriff genommen.“

Es wurde eines mit Titeln, Titeln und Titeln. Mit Medaillen der Kategorien Gold, Silber und Bronze. Diese Zahl gibt es exklusiv für den Erfolgstrainer: Als Auswahl- und Vereinstrainer waren es zum Beispiel 63 Medaillen, die allein seine Kugelstoß-Asse Christina Schwanitz und David Storl im Ring in national und international einsammelten.

Administratives gehört dazu: Sven Lang koordiniert mit Handy am Ohr und Laptop vor sich in der Trainingshalle Termine. Foto: Lars Preußer

Administratives gehört dazu: Sven Lang koordiniert mit Handy am Ohr und Laptop vor sich in der Trainingshalle Termine.
Foto: Lars Preußer

Und jedes Mal stand lediglich der Athlet auf dem Podest. Auch diese Art der Ehrung vermisst Lang nicht. Er stellt klar: „Das ist in der Individual-Sportart nun einmal so. Damit habe ich kein Problem. Außerdem arbeiten mit einem Athleten mehrere Trainer. Es ist der im Heimatverein, es ist der für die jeweilige Disziplin zuständige Bundestrainer, und ich bin es auch.“

Globetrotter Lang: Knapp ein halbes Jahr auf Reisen

Lang ist der Chef. Er ist einer mit jeder Menge Beschäftigung, der diesen spannenden Einblick gibt: „Ich bin im Jahr rund 25 Wochen unterwegs. Die Geschäftsstelle des DLV in Darmstadt ist ein Zielpunkt. Es gibt Trainingslager, es gibt Wettkämpfe, es gibt Personalgespräche, wir führen Leistungsdiagnostik durch. Ich schreibe Monatsberichte. All das ergibt für mich einen riesigen Berg an administrativen Aufgaben.“

Klingt nach Bürokratie. Es ist Bürokratie, die selbstverständlich auch im deutschen Höchstleistungssport in höchstem Maße bedient werden will. Lang gesteht trotzdem aus vollem Herzen: „Ich bekomme den Spagat hin, dass ich immer noch am und mit den Athleten arbeiten kann. Das ist mir sehr wichtig. Ich bin habe Lust, ich bin motiviert, ich habe einen gültigen Vertrag bis 2028.“ Sven Lang verrät dabei: „Den erfülle ich auf jeden Fall. Ob ich danach einen weiteren Olympia-Zyklus mit einem Zeitraum von vier Jahren anschließen kann und will, das weiß ich heute nicht. Ich weiß aber, dass ich bereits jetzt mit Anfragen zu einer Verlängerung meines Vertrages konfrontiert wurde und werde.“

Ehemann Lang: Der Dank geht an seine Frau Catrin

Lang, der sich als Trainer „durchaus streng, Marke alte Schule“ sieht, kann aber auch die leisen und liebenswerten Töne. Er sagt: „Meine Frau Catrin ist in all diesen intensiven Jahren eine verständnisvolle Partnerin. Wir sind über 28 Jahre verheiratet, ohne so ein Miteinander wäre das alles nicht möglich.“

Weil Lang diesen häuslichen Rück- und Zusammenhalt immens schätzt und als Unterstützung weiß, kann er die Überzeugung leben, „dass ich mich dieser bestimmt nicht familienfreundlichen Arbeit mit Leib und Seele verschreibe, dass ich, dass wir auch bereit sind, die nötigen Opfer dafür zu bringen.“

Derartig konsequent gelebte und kreativ gestaltete Auffassungen zu Beruf, zu Engagement findet in der heutigen Zeit immer seltener. Lang muss das genauso registrieren, wenn er an den Trainer-Nachwuchs denkt. Er beschreibt die Situation so: „Es ist tatsächlich sehr schwierig, Trainer zu finden, die so einen Job machen wollen. Der ist nun einmal nicht in 35 Stunden, 40 Stunden erledigt. Wenn viele solche Fakten und Zahlen hören, war es das dann mit dem Personalgespräch, obgleich die Bezahlung recht ordentlich ist.“

Die Kader-Athleten des DLV, mit denen Lang arbeitet, wissen für das Wettkampf-Jahr 2026 zwei Höhepunkte im Kalender: Die Hallen-Weltmeisterschaft im polnischen Torun (20. März bis 22. Marz) sowie die Europameisterschaft in Birmingham (England), die es vom 10. August bis 16. August gibt.

Rechner Lang: Endkampf-Teilnahme bestimmt Förderung

Die Ergebnisse solcher Wettkämpfe sind wichtige Bestandteile für die Bestimmung der Höhe der Fördermittel, die das Bundesministerium des Inneren für die Athleten freigibt. Lang begründet, warum es eben nicht allein um Medaillen-Plätze geht: „Sogenannte Nationenpunkte sind wichtig, die für die Plätze eins bis acht vergeben werden. Es muss also unser Ziel sein, dass wir mit unseren Athleten im Endkampf stehen und dort die optimal mögliche Leistung bringen können.“

Übrigens: Im Jahr 2024 investierte das BMI insgesamt 300 Millionen Euro in den deutschen Leistungssport. Nein, diese Summer verdient keine Anerkennung, wenn man diese Relation kennt: Die Universität Austin im US-Bundesstaat Texas gibt exakt diese Summe (umgerechnet in Euro) für seine Athleten aus. Einer davon ist der Zehnkämpfer Leo Neugebauer (25), der im vergangenen Jahr in Tokio Weltmeister wurde. Ein Jahr zuvor gewann er bei den olympischen Spielen in Paris die Silbermedaille. Lars Preußer

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