Ein Engel und ein Teufel in Personalunion: Die Sängerin und Entertainerin Katharina Boger will jetzt ihr „DAngel“-Konzept auf die Live-Bühne bringen und zwar möglichst weltweit. Foto: André Kempner
Ein Engel und ein Teufel in Personalunion: Die Sängerin und Entertainerin Katharina Boger will jetzt ihr „DAngel“-Konzept auf die Live-Bühne bringen und zwar möglichst weltweit. Foto: André Kempner

Eine Show soll es sein und zwar eine, die man so schnell nicht vergisst. Ja, hohe Ziele sind für Katharina Boger irgendwie eine Selbstverständlichkeit. „Nein, ich habe keinen Plan B“, sagt sie mit einem Lächeln und ergänzt: „Eigentlich gibt es immer nur Alternativen auf meinem Weg in der Musikbranche.“ Auf der ganz großen Bühne stehen und Menschen über alle Grenzen hinweg zu unterhalten und zu begeistern: Das ist der Lebenstraum der Singer/Songwriterin. Und sie setzt alles daran, diesen Traum Realität werden zu lassen.

Von L.E. nach L.A. – genau diesen Schritt ist Katharina Boger gegangen und dies schon gleich nach der ersten EP „Bad Girl“, die im Jahr 2017 erschienen ist. „Ich möchte mich ständig verbessern, ständig steigern“, überlegt sie und ergänzt: „Genau aus diesem Grund bin ich auch nach Los Angeles gegangen – diese Stadt hat mich schon als Kind gereizt.“ Und dann lockten da diese Möglichkeiten, die sich in der kalifornischen Metropole bieten, die man eben nicht findet in Leipzig, Hamburg oder Berlin. Nicht mal in London, wusste sie aus eigener Erfahrung: Dort hatte sie schließlich die Songs ihrer Debüt-EP aufgenommen.

Sieht sich nach wie vor als Leip- zigerin: Katharina Boger er- zählt von den Geräuschen und Gerüchen ihrer Heimatstadt. Foto: André Kempner
Sieht sich nach wie vor als Leip-
zigerin: Katharina Boger er-
zählt von den Geräuschen und
Gerüchen ihrer Heimatstadt. Foto: André Kempner

„Ich liebe nun mal diese freche, manchmal auch übertriebene Art der Amerikaner: Das entspricht irgendwie auch genau meinem Wesen“, meint Katharina Boger mit einem Lächeln. Da ist man dann auch ganz schnell bei der „DAngel“-Idee, die sich seit der zweiten EP „Angels & Devils“ wie ein roter Faden durch ihre Karriere zieht. Klar, auf der einen Seite ein Engel, auf der anderen eine Teufelin. Gut und böse – wobei sie schnell energisch eines feststellt: „Es geht mir absolut nicht um böse Dinge: Ich lehne Böses generell ab. Bei mir ist es ein frecher Teufel. Und genau diese beiden Dinge möchte ich gern auf die Bühne bringen.“

Gefahr des Scheiterns

Klar, da geht es um Inszenierung, um Show und damit auch um Fantasie. Um jene Vorstellungskraft, die sie auf keinen Fall missen möchte. „Ist doch auch etwas richtig Schönes. Und etwas, dass die Kreativität weckt“, und deshalb lässt Katharina Boger auch gern alle möglichen Ideen zu, auch auf die Gefahr des Scheiterns hin. Denn eines ist klar für sie: Selbst aus dem Weg in eine Sackgasse kann man lernen – was sich dann wieder gut mit dem fehlenden Plan B in Übereinstimmung bringen lässt.

Entzündet wurde diese Lust auf Musik, auf die Bühne und auf Kreativität schon in der Schule. In Leipzig, wohlgemerkt – ihre Eltern machten sich auf den Weg aus Kasachstan nach Sachsen, da war Katharina Boger zarte vier Jahre alt. In der neuen Heimat fiel ihre Stimme schnell auf und die Begeisterung steckte schnell an. „Irgendwann hat mir mal eine Lehrerin gesagt, ich solle unbedingt zu einer Castingshow gehen“, erzählt sie. Doch sie wählt einen anderen Weg, singt im Schulchor und geht an die Musikschule „Johann Sebastian Bach“.

Übungsstunden am Piano

„Irgendwann habe ich gemerkt, dass da noch etwas fehlt“, blickt sie zurück. Es folgen Übungsstunden am Piano und Auftritte im Chor. Diese gefühlte Leerstelle blieb, dafür kam eine ganz andere Erkenntnis: „Ich möchte nicht nur einfach auf der Bühne stehen und singen. Und dann Lieder, die andere Menschen geschrieben haben.“ Eigentlich wollte sie ja etwas ganz anderes: Als Katharina Boger auftreten – mit eigenen Liedern, in denen eben auch ihre Persönlichkeit drinsteckt. Erkennbar und sichtbar.

Inzwischen ist sie auf dem Weg zu eben diesen Ziel ein gutes Stück vorangekommen. Weil sich beispielsweise dieses Risiko Los Angeles gelohnt hat – auch wenn dieser Schritt wirklich „nicht ohne“ war, wie sie nachdenklich erzählt. Doch L.A. als „Schmelztiegel der ganzen Welt“ erwies sich als Volltreffer: Inzwischen arbeitet Katharina Boger mit gestandenen Leuten wie dem Produzenten Nicholas Turpin (der schon für Produktionen von David Guetta und Justin Bieber verantwortlich zeichnete) und Gesangscoach Stevie Mackey (der seinerseits bereits Namen wie Jennifer Lopez im Portfolio hat) zusammen.

Selbstreflexion als ganz wichtiger Punkt

Wow! Wie geht das eigentlich? Eine Frage, die sofort auf der Zunge liegt – was Katharina Boger mit einem herzlichen Lächeln quittiert. „Ich hatte nie Probleme, die wichtigen Türen zu finden und zu öffnen“, sagt sie selbstbewusst – und legt umgehend mit einem bemerkenswerten Satz nach: „Andererseits muss man aber auch genau wissen, welche Türen man zu welchem Zeitpunkt öffnet. Denn wenn diese Tür erst einmal offen ist, dann muss man eben auch etwas anbieten können.“

Klar, diese Selbstreflexion und -kritik ist enorm wichtig. Gerade auch im Musikbusiness. Und gerade auch in einer Stadt der Möglichkeiten wie Los Angeles. „Man sieht so viele Leute, die wirklich zu den Besten gehören. Aber die Konkurrenz habe ich stets als Herausforderung gesehen“, gibt sie zu Protokoll: „Ich bin ja eine Perfektionistin. Und dieser Druck, den ich mir auch selbst auflaste, sehe ich eher positiv.

Und wenn ich nicht selbstkritisch bin, geht es auch wieder rückwärts.“ Auch die Schattenseiten des Business hat sie stets im Auge: „Man muss schon sehr gut aufpassen, mit wem man zusammenarbeitet – beispielsweise. Andererseits entwickelt man auch schnell die entsprechende Menschenkenntnis.“ Stets besser werden, ständig steigern – diesen Anspruch an sich selbst formuliert Katharina Boger oft und gern. Die Selbstverständlichkeit der hohen Ziele eben.

„Ein Album ist wichtig, wenn man sich als Persönlichkeit etabliert hat.“

Diese hohen Ziele weiß sie auch zu definieren und dies ziemlich genau. Deshalb liegt aktuell der Fokus eben nicht auf einem Albumdebüt, sondern auf einer steten Abfolge von neuen Songs – passend zum Puls der Musikbranche, der inzwischen eher im Streaming-Takt schlägt. „Ein Album ist wichtig, wenn man sich als Persönlichkeit etabliert hat“, ist sich Katharina Boger sicher. Und diese Persönlichkeit möchte sie als „DAngel“ vor allem auf der Bühne prägen.

„Genau genommen war es einst Christina Aguilera, die mich als Kind sehr beeindruckt hat – weil ihre Auftritte immer richtiges Entertainment waren“, erinnert sie sich und ergänzt: „Bis heute interessieren mich vor allem jene Menschen, denen man auch wirklich zuhört. Doch so eine Persönlichkeit muss man entwickeln – gerade auch bei den Live-Shows. Mein Ziel ist klar: Ich möchte mich selbst in meiner ganzen Vielseitigkeit präsentieren und dies auf eine einzigartige Art und Weise. Denn genau um diese Einzigartigkeit geht es. Um eine Sache, die man so schnell nicht vergisst.“

Boger ist Perfektionistin

Ja, da ist er dann, dieser Perfektionismus, dem sich Katharina Boger verpflichtet fühlt. Oder wie man es manchmal in der englischen Sprache sagt: The Sky’s the limit. Mit diesem Selbstbewusstsein, mit dieser Leidenschaft hat sie es auch geschafft, die (schwierigen) Jahre der Corona-Pandemie zu überstehen. Die auch etwas mit Los Angeles gemacht haben, „auch wenn so langsam aber sicher wieder die Normalität zurückkehrt – mit den Leuten, die in Corona-Zeiten aus der Stadt weggegangen sind“. In der Zwischenzeit hat Katharina Boger in Berlin und in Wilhelmshaven neue Videos gedreht, auch in der Heimatstadt Leipzig ist sie gern zu Gast.

Weil sie – das sagt sie mit voller Überzeugung – nach wie vor Leipzigerin ist, „auch wenn ich L.A. liebe“. „Es sind die Gerüche, die Klänge, die Geräusche, die einem mit jenem Ort verbinden, an dem man aufgewachsen ist“, überlegt sie. Und zollt der Heimatstadt hohen Tribut: „Mensch, es ist doch bemerkenswert, wie sich Leipzig entwickelt hat – und vor allem wie schnell! Das bekommt man ja so richtig mit, wenn man nach ein paar Monaten wieder herkommt und feststellt, dass da schon wieder ein neues Haus steht.“

Überraschungen sind noch zu erwarten

Zuhause fühlt sich die Sängerin und Entertainerin allerdings in der ganzen Welt – was auch erklärt, warum sie eben nicht in der deutschen oder russischen Sprache singt. Was angesichts der eigenen Wurzeln doch naheliegen würde? „Ich möchte mit meinen Songs, mit meiner Show ja möglichst viele Menschen erreichen – überall auf der Welt. Und die Sprache von Urban Pop ist nun einmal Englisch.“ Und nach einer Pause ergänzt sie: „Alles, was Menschen auseinanderbringt, ist schlecht – finde ich.“ Das wird auch der Maßstab neuer Musik sein, der neuen Show, die am besten zu einer großen, umfassenden Party animieren soll. Und die ein oder andere Überraschung hat Katharina Boger auch noch in petto – vielleicht sogar ein wenig mehr Rock’n’Roll im modernen R’n’B-Trap-Sound: „Außerdem arbeiten wir im Moment an Unplugged-Versionen meiner Songs.“

Weitere Infos unter: www.katharinaboger.com

Jens Wagner

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