Ansicht vom Grundstück des ehemaligen KZ-Außenlager Hasag in der Kamenzer Straße 12 in Leipzig. Foto: André Kempner
Ansicht vom Grundstück des ehemaligen KZ-Außenlager Hasag in der Kamenzer Straße 12 in Leipzig. Foto: André Kempner

Das Gebäude des ehemaligen KZ-Außenlagers „HASAG Leipzig“ in der Kamenzer Straße 12 wird unter Denkmalschutz gestellt. Das gab die Stadt Leipzig in der vergangenen Woche bekannt. Der Denkmalschutz wird nach einer „erneuten bauhistorischen Prüfung des Objektes Kamenzer Straße 12“ erteilt. Diese Prüfung hatte der Stadtrat 2024 beschlossen und zwar auf Initiative der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (GfZL).

Es ist nur schwer vorstellbar, aber Realität: Ein ehemaliges KZ-Gebäude, in dem mehr als 5000 Frauen zu Zwangsarbeit gezwungen wurden, wird von Neonazis genutzt. Ein Zustand, den die GfZL nicht mehr hinnehmen mochte und mehr als 1500 weitere Menschen ebenfalls nicht. Die hatten 2022 eine Petition unterzeichnet, in der die Übernahme des Gebäudes in die öffentliche Hand sowie die Erhaltung und denkmalpflegerische Untersuchung der historischen Bausubstanz gefordert wurde.

Ein Etappenziel scheint schon mal in Sicht

Letzteres Etappenziel scheint in Sicht: In einem neuen Gutachten wird dem Gebäude in der Kamenzer Straße 12 bescheinigt, ein „Zeugnis von nationalem und internationalem Rang mit hoher Bedeutung für Sachsen und Leipzig“ zu sein. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen hat daraufhin entschieden, das Gebäude nun doch unter Denkmalschutz zu stellen – zunächst hatte es die Denkmalwürdigkeit nicht feststellen können.

Erstes Aufatmen bei den GfZL-Initiatorinnen und -Initiatoren. „Auch wenn es bedauerlich ist, dass es bisher nicht gelang, das Gebäude in öffentliche Hand zu überführen, ist der Denkmalschutz ein wichtiger Meilenstein“, stellt die GfZL-Mitarbeiterin Anne Friebel fest und ergänzt: „Dadurch wird die Bedeutung des Objekts anerkannt und sicher gestellt, dass die historische Bausubstanz erhalten bleibt.“

Dies ist der historische Hintergrund

Der historische Hintergrund: Zwischen Juni 1944 und April 1945 befand sich hier das KZ-Außenlager „HASAG Leipzig“. Mit mehr als 5000 weiblichen KZ-Gefangenen war es das größte Frauenaußenlager des KZ Buchenwald. Zudem wurde im Herbst 1944 ein Lager für 700 männliche KZ-Gefangene eingerichtet. Die hier inhaftierten Frauen und Männer wurden gezwungen, für den größten sächsischen Rüstungskonzern HASAG (Hugo Schneider AG) Waffen und Munition herzustellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Werksgelände der HASAG von der Sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Die Baracken des Außenlagers wurden demontiert, die Fabrikhallen geräumt und die meisten Gebäude gesprengt – doch das Gebäude in der Kamenzer Straße 12 blieb erhalten. In der DDR nutzte der VEB ABUS Förderanlagen Leipzig das Gelände.

Das Gebäude in der Kamenzer Straße 12 ist das einzige heute noch erhaltene bauliche Relikt eines KZ-Außenlagers in Leipzig und damit ein Ort von herausragender historischer Bedeutung. Seit 2007 ist das Gelände in Privatbesitz und fiel wiederholt durch neonazistische Aktivitäten wie Rechtsrock-Konzerte oder rechtsradikal motivierte Kampfsporttrainings auf. red./jw

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