
Der Mühlenverein Nordsachsen setzt auf lebendiges Lernen – doch die Nachfrage bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück. Mit drei außergewöhnlichen Projekten möchte der Verein Schulklassen der 4. bis 6. Klassenstufen für Geschichte, Theater und gemeinsames Erleben begeistern.
Im Zentrum steht die historische Bockwindmühle in Hohenroda, die nicht nur als Denkmal, sondern als außerschulischer Lernort genutzt wird. Hier verbindet der Verein pädagogische Inhalte mit kreativen Methoden – und trifft damit eigentlich genau den Nerv moderner Bildung.
Rätseln, spielen, Geschichte begreifen
Ein Highlight ist die „Rätselmühle“, ein interaktives Abenteuerspiel im Escape-Room-Format. Schülerinnen und Schüler lösen dabei in kleinen Gruppen Rätsel rund um die Mühle, öffnen verschlossene Kisten und arbeiten sich Schritt für Schritt zum finalen Ziel vor. Gefragt sind logisches Denken, Teamarbeit und Kommunikation. Gleichzeitig wird Geschichte greifbar: Die Teilnehmenden erkunden das historische Bauwerk und setzen sich spielerisch mit vergangenen Lebenswelten auseinander. Der rund vierstündige Projekttag richtet sich unter anderem an 5. und 6. Klassen und wird von ausgebildeten Theaterpädagoginnen begleitet.
Wenn die Mühle ins Klassenzimmer kommt
Einen anderen Zugang wählt die „Geschichtenmühle“, ein mobiles Angebot, das direkt in die Schulen kommt. Über ein oder zwei Projekttage hinweg tauchen die Schülerinnen und Schüler in die Welt des Müllers ein – zwischen historischen Fakten, Mythen und eigener Fantasie. Am ersten Tag entwickeln sie eigene Geschichten, am zweiten setzen sie diese in kleinen Theaterszenen um. Dabei werden Kreativität, Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit gefördert. Das Angebot eignet sich sowohl für Grundschulen als auch für weiterführende Schulen.
Lernen mit allen Sinnen im Jahr 1790
Mit der „Akustikmühle – Reise ins Jahr 1790“ wird Geschichte schließlich hörbar. In der Mühle von Hohenroda gestalten Schülerinnen und Schüler eigene Klangwelten, nehmen Geräusche und Dialoge auf und entwickeln so kleine Hörspielsequenzen. Unterstützt von Theaterpädagogen entstehen kreative Ergebnisse, die am Ende in einer akustischen Ausstellung präsentiert werden. Neben dem historischen Lernen spielt hier auch der musische Aspekt eine wichtige Rolle.
Großes Angebot – zu wenig Nachfrage
Trotz dieser vielfältigen Angebote zeigt sich Vereinsvorsitzende Andrea Heyn überrascht über die bislang geringe Resonanz: „Es ist schade, dass sich so wenige Schulen für unsere Angebote erwärmen. Dabei bieten wir eine super Qualität mit gut ausgebildeten Pädagogen und fächerübergreifenden Inhalten. Klassen, die zu uns kommen, loben immer wieder unsere außerschulischen Lernangebote.“

Gerade in Zeiten knapper personeller und finanzieller Ressourcen könnten solche Projekttage eine wertvolle Entlastung für Schulen darstellen. Sie verbinden mehrere Fächer, fördern soziale Kompetenzen und ermöglichen Lernen außerhalb des Klassenzimmers – ein Aspekt, der im zunehmend digitalen Schulalltag oft zu kurz kommt.
Fahrt zur Mühle lohnt sich
Warum sich die Fahrt zur Mühle oder ein Projekttag in der Schule trotzdem lohnt, erklärt Andrea Heyn so: „Das Lernen außerhalb des Schulgebäudes ermöglicht es den Kindern, sich noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise zu begegnen und zu erfahren, dass das Lernen durch praktische Tätigkeiten ergänzt, viel Freude bereiten kann und nachhaltiger ist. Diese Tätigkeiten bleiben viel länger in Erinnerung“, so die Geschäftsführerin. In unserer digitalen Welt seien solche Angebote wichtiger denn je.
Auch soziale Kompetenzen werden unterwegs in anderen, neuen Räumen viel intensiver entwickelt. „Unsere Angebote sind immer fächerübergreifend. Mit der Verknüpfung der einzelnen Wissensgebiete untereinander können Zusammenhänge viel besser erfasst und erkannt werden. Gerade wenn es um Geschichte geht, wird es doch besonders anschaulich, wie komplex unser Leben wirklich ist und alles miteinander zusammenhängt.
Unsere bestens ausgebildeten und sehr engagierten Museums- und Theaterpädagogen spielen dabei natürlich eine herausragende Rolle. Weil auch hier zum Teil ganz andere Methoden der Wissensvermittlung an und in einer Mühle möglich werden. Ich bin davon überzeugt, dass nicht trotz – sondern gerade wegen knapper Zeit und Kassen – solche außerschulischen Lernorte für eine fundierte Bildung unserer nachfolgenden Generationen ganz wichtig sind.“
Die Angebote des Mühlenvereins zeigen: Außerschulisches Lernen kann praxisnah, kreativ und nachhaltig sein. Nun bleibt zu hoffen, dass künftig mehr Schulen den Weg nach Hohenroda finden – oder sich die Mühle direkt ins Klassenzimmer holen. Nannette Hoffmann



































