Venezuelanischer Geflüchteter und Wurzenerin werden zum Dreamteam

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Der gebürtige Venezolaner Eduardo und die 67-jährige Ute Töpler aus Wurzen haben eine Art Enkel-Oma-Beziehung. Foto: Diakonie Leipziger Land
Der gebürtige Venezolaner Eduardo und die 67-jährige Ute Töpler aus Wurzen haben eine Art Enkel-Oma-Beziehung. Foto: Diakonie Leipziger Land

Rein äußerlich sind sie ein ungleiches Gespann: Eduardo, 26 Jahre jung, gebürtiger Venezolaner, mit dunklen Walle-Locken, und die 67-jährige Ute Töpler aus Wurzen, das weiße Haar sommerlich kurz geschnitten. Aber im Herzen harmonieren die beiden wunderbar, wie in bester Oma-Enkel-Beziehung. Ihre Freundschaft entspringt einer Wahlverwandtschaft, die vor etwa eineinhalb Jahren begann.

Ute Töpler benötigte wegen ihres gebrochenen Beins dringend Unterstützung, weshalb sie einen Hilferuf an die Pflegeberatung der Diakonie Leipziger Land schickte. Als ihr Mann im Sterben gelegen hatte, waren ihr die Kolleginnen eine wichtige Stütze gewesen. Jetzt stellten diese den Kontakt zum Besuchs- und Begleitdienst des Engagement-Zentrums her, das Ute Töpler mit Eduardo bekannt machte.

Aus dessen Heimatland Venezuela sind nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe rund acht Millionen Menschen – rund ein Viertel der Bevölkerung – wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs mit massiver Armut und Hyperinflation, einer der weltweit höchsten Kriminalitätsraten und politischer Repression geflohen.

Eduardo wollte sich nützlich machen

Noch neu in Deutschland suchte Eduardo Gesellschaft, wollte sich nützlich machen und – zusätzlich zu seinem Halbtags-Sprachkurs – seine Sprachkenntnisse verbessern. Nach dem ersten Kennenlernen war Ute Töpler überzeugt: „Den nehme ich.“ Neben seinem Ehrenamt in der Oschatzer Bibliothek hat er seitdem ein weiteres bei der Diakonie übernommen. Fast täglich verbringen die beiden Zeit miteinander, erzählt Ute Töpler.

„Diese Dankbarkeit, Bescheidenheit und Aufmerksamkeit sind beeindruckend, ich lerne
so viel von ihm.“

Es werde „viel gelacht und gequatscht“. Eduardo könne sogar schon ein bisschen Sächsisch und über seine Wortschöpfungen amüsiere sie sich königlich: Einen Menschen, der Dinge schnell erledigt, „Unschnecke“ zu nennen – darauf muss man als Nicht-Muttersprachler erstmal kommen.

Spiele, Radtouren und etwas Gartenarbeit

Spiele, Radtouren und etwas Gartenarbeit stehen genauso auf dem Plan wie Ausflüge in den Spreewald, nach Hamburg, München oder Berlin. Eduardo bereitet begeistert Gerichte aus seiner Heimat zu, etwa Hallacas – in Bananenblättern gekochtes Fleisch mit Maismehl – oder Empanadas und riesige Sandwiches. Ute Töpler, deren Mann als Fleischer früher meist das Kochen übernommen hatte, probiert diese ebenso begeistert aus: „Es schmeckt immer und ist wie eine andere Welt.“

In ihrem Bekanntenkreis ist die Offenheit dafür allerdings eher durchwachsen. Und auch Eduardo musste schon „Ausländer-raus“-Rufe auf Volksfesten hören. Sein Glaube an das Gute im Menschen ist trotz manch negativer Erfahrungen unverwüstlich. „Diese Dankbarkeit, Bescheidenheit und Aufmerksamkeit sind beeindruckend, ich lerne so viel von ihm“, erklärt Ute Töpler.

Ehrenamt ist ein Türenöffner

Und Auch für Eduardo ist sein Ehrenamt ein Türenöffner und großer Gewinn, der das Heimweh und die Einsamkeit in einer komplett anderen, in vielerlei Hinsicht kühleren Welt lindert. Seine Mutter lebt noch immer in Lateinamerika und Eduardo freut sich, dass seine „beiden Mamas“ inzwischen via Messenger in Verbindung sind.

Der Besuchs- und Begleitdienst vermittelt geschulte Freiwillige an Menschen mit Behinderung oder Erkrankung sowie an Seniorinnen und Senioren zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Der Dienst ist kostenfrei und deckt keine Haushalts- oder Pflegearbeiten ab.

Neue Ehrenamtliche werden in Pegau, Grimma, Naunhof, Lossatal, Threna, Rötha und Borna gesucht. In Machern, Colditz, Geithain, Kitzen und Bennewitz wiederum stehen Freiwillige bereit: Hier können sich Interessierte melden, die den Dienst kostenfrei in Anspruch nehmen möchten. Das Engagement-Zentrum begleitet beim Erstkontakt, bietet Beratung, Unterstützung und Schulungen an.

Weitere Informationen: Diakonie Leipziger Land, Engagement-Zentrum, Tel. 03437 701622, ez@diakonie-leipziger-land.de, www.selbsthilfe-ehrenamt.de

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