Kurse, Musik und Büfett – so läuft der historische Tanzball am Biedermeierstrand

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Für den Historischen Tanzball am Biederstrand am 4. Juli probt der Historische Tanzkreis gerade ganz fleißig. Denn gemeinsam mit dem Publikum werden dann historische Tänze unter Anleitung getanzt. Foto: Maximilian Zwiener
Für den Historischen Tanzball am Biederstrand am 4. Juli probt der Historische Tanzkreis gerade ganz fleißig. Denn gemeinsam mit dem Publikum werden dann historische Tänze unter Anleitung getanzt. Foto: Maximilian Zwiener

Kennen Sie Chassé, Grand Chaîne, Dos-à-Dos, ­Ronde oder Pas de Basque? Nein? Kein Problem. Iris Zwiener kann darüber aufklären: „Das sind alles Tanzschritte ­historischer Tänze.“ Woher sie das weiß? Iris Zwiener hat sich schon seit Langem der Biedermeierzeit verschrieben – entwirft historische Kostüme für die Modenschau am Biedermeierstrand und unterrichtet auch historische Tänze. Dabei kann sie aus einer nahezu ­unerschöpflichen Vielfalt an Tänzen schöpfen.

Erste Schritte ohne Musik

Immer montags aller zwei Wochen treffen sich Tanzbegeisterte jeden Alters im Theatersaal Biesen zur Probe. So auch am 1. Juni. Was die Tänzerinnen und Tänzer schon in ihrer allerersten Stunde gelernt haben: Die Dame steht immer rechts. Je nach Tanz stellt man sich im Kreis, im Viereck oder in einer Reihe auf und wechselt immer wieder Position und häufig auch den Partner. Die Tanzschritte und -figuren haben häufig französische Namen. Verwirrung ist in den Gesichtern daher keine zu erkennen, wenn Chassé, Grand Chaîne oder Dos-à-Dos angesagt werden.

Für den Historischen Tanzball am Biederstrand am 4. Juli probt der Historische Tanzkreis gerade ganz fleißig. Denn gemeinsam mit dem Publikum werden dann historische Tänze unter Anleitung getanzt. Foto: Maximilian Zwiener
Für den Historischen Tanzball am Biederstrand am 4. Juli probt der Historische Tanzkreis gerade ganz fleißig. Denn gemeinsam mit dem Publikum werden dann historische Tänze unter Anleitung getanzt. Foto: Maximilian Zwiener

Als Erstes wird ein Carrétanz geprobt – die Quadrille Nummer 1 von L. Länger aus dem Jahr 1821. Die einzelnen Schritte sagt Iris Zwiener an, die Tänzerinnen und Tänzer führen sie zunächst ohne Musik aus. „Diese Quadrille ist ziemlich flott, ihr müsst alle Figuren in 4 bis 16 Schritten erledigt haben“, betont sie.

Wenn die Musik einsetzt

Zwei „Trockendurchgänge“ reichen, dann kommt die Musik dazu. Was für Außenstehende anfangs noch etwas abgehackt wirkt, entwickelt sich mit der Musik zu einem flüssigen, eleganten Tanz. „Das erinnert an die Jane-Austen-Filme“, sagt André treffend – und tatsächlich fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Zum Abschluss gibt Iris Zwiener noch einen Hinweis: „Denkt bitte daran: Es ist ein Tanzball. Das heißt, die Füße bleiben nah am Boden. Wenn ihr auf Zehenspitzen geht, wirkt es, als würdet ihr schweben.“

Das zweite Übungsstück hat Iris Zwiener selbst kreiert – mit historischen Elementen und choreografiert auf die Filmmusik aus „Herr der Ringe“, denn gelegentlich verlässt der Tanzkreis auch mal das Biedermeier und widmet sich anderen Epochen oder Volkstänzen. Unbeschwert und leicht gleiten die Tanzwilligen über das Parkett. Es wird geklatscht und gelacht – der Spaß kommt beim Tanzen nicht zu kurz.

Tanzen mit Leidenschaft

„Das ist schon eine tolle Gruppe“, findet André. Vor zwei ­Jahren hat er Iris Zwiener beim Wave-Gotik-Treffen kennen-gelernt. Als sie ihm vom Tanzkreis erzählte, wollte er sofort mitmachen. „Ich tanze gern, querbeet alles. Aber der historische Tanz hat noch einmal ­seinen ganz eigenen Reiz.“ Iris als Tanzmeisterin findet er „super“: „Sie gestaltet die ­Proben professionell und sehr abwechslungsreich.“

Gemeinschaft und Bewegung

Claudia ist mit ihrem Mann eng mit dem Musicaldorf e.V. verbunden, der in diesem Sommer erneut das Stück „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ auf die Seebühne bringt. „Unsere Kinder haben schon bei verschiedenen Stücken mitgewirkt, und wir unterstützen, wo wir können“ sagt sie.

Den Tanzkreis besuchen die beiden nur für sich selbst – „damit halten wir uns fit“, sagt sie lächelnd. Denn man komme beim Tanzen durchaus auch ­einmal außer Atem. „Aber vor allem macht es uns einfach Spaß. Und was toll ist: Die Tänze sind für ­Anfänger und Fortgeschrittene sowie für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. Da kann jeder mitmachen.“

Vom Programmpunkt zur Tradition

„Unsere Gruppe gibt es sicher schon seit zehn Jahren“, sagt Iris Zwiener. Entstanden sei sie aus der Idee, beim Biedermeierstrandfest den Programmpunkt „Tanzen wie im Biedermeier“ anzubieten. Schnell fanden sich Interessierte, und so kommen seit jeher rund 20 Menschen ­zusammen, die Tänze aus vergangener Zeit wieder aufleben lassen – natürlich stilecht in entsprechender Kleidung. „Doch wir fanden es schade, uns nur kurz vor dem Strandfest zu treffen und nur ein wenig zu üben. Wir wollten das gern ausbauen.“

Aus dem einzelnen Programmpunkt wurde aufgrund der großen Nachfrage schließlich ein ganzer Abend. „Seit sieben Jahren laden wir nun schon zu einem Historischen Tanzball ein“, erzählt die Tanzmeisterin. Ein Abend, an dem die Tänze nicht vorgeführt werden, sondern das Publikum ausdrücklich selbst tanzen soll. „Diese Idee kommt sehr gut an. Wir zeigen die Schritte vor, und dann wird gemeinsam zur Musik getanzt.“

Ein Ball zum Mitmachen

Am 4. Juli ist es wieder so weit: Dann werden am Biedermeierstrand ab 19 Uhr deutsche Gruppentänze aus der Zeit zwischen 1780 und 1830 von den Tanzmeistern Birte Hoffmann-Cabenda und Roy Cabenda ­angeleitet. Für die passende ­Atmosphäre sorgt Live-Musik von Les Louisettes. „Um den Gästen vorab die Möglichkeit zu geben, Schritte zu erlernen, bieten wir von 14 bis 16 Uhr einen Vorbereitungskurs vor Ort an.“

Der Ballabend selbst ist in zwei Tanzblöcke gegliedert, in denen jeweils mehrere Tänze einstudiert werden. Dazwischen wird ein Abendessen in Buffetform serviert. Zudem ist der Abend stets einer Persönlichkeit der Biedermeierzeit gewidmet – in diesem Jahr Carl Maria von Weber (1786–1826).

Wer also selbst einmal in die Welt des Biedermeier eintauchen möchte, hat am 4. Juli die Gelegenheit dazu – Schritt für Schritt und ganz im Takt vergangener Zeiten. Nannette Hoffmann

Datum: Samstag, 4. Juli 2026, Vorbereitungskurs: 14 bis 16 Uhr (Einlass ab 13.30 Uhr), Ball: 19 bis 22.30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr), Dresscode: Historische Abendkleidung (ca. 1780–1830) oder moderne Abendgarderobe im entsprechenden Stil, Eintritt: 80 Euro inklusive Büfett, Getränke: à la carte

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