Sie glüht für ihr Handwerk: Schmiedin Marika Widdermann.

Manche mögen’s heiß. Schmiedin Marika Widdermann (36) aus Hohenprießnitz beherrscht das Feuer. Dabei bewegt sie sich zwischen Tradition und Moderne. Sie kann Herzen zum Glühen bringen. Geschickt verwandelt Marika Widdermann schwere schmucklose Kugeln aus italienischem Baustahl in dekorative Feuerkugeln, aus denen Flammen züngeln.

„Ich ärgerte mich immer über die vielen Kerzenreste, die meistens im Müll landen“, erzählt die Schmiedin. Deshalb kam sie auf die nachhaltige Idee, Feuerkugeln für Wachsreste zu entwickeln. Besonders gern wird der helle Hingucker für draußen in der dunklen Jahreszeit aufgestellt. Jeder ist ein Unikat, denn Marika gestaltet ihn (kugelsicher) per Hand in der Schmiede. Die große Werkstatt ist nichts für zarte Gemüter. Doch Marika mag diesen Platz zwischen ewig loderndem, über 1000 Grad heißem Schmiedefeuer und Ambosshammer. Geschickt und sicher kann sie mit ihm umgehen, denn sie lernte das Handwerk von der Pike auf. „Da mein Vater die Schmiede gleich hinter dem Haus betreibt, bin ich praktisch mit ihr aufgewachsen“, erinnert sich die Tochter.

Vater Roger ist mächtig stolz auf sie, denn sie behauptet sich in der Männerdomäne. „In der Lehre war ich die einzige Frau“, denkt Marika schmunzelnd zurück. Schnell bewies sie, dass sie genau so viel Kraft und technisches Verständnis aufbringen kann wie die männlichen Lehrlinge. Nach der Ausbildung in der Großstadt zog die Sächsin in ihr 900-Seelen-Örtchen Hohenprießnitz in der Dübener Heide zurück. „Ich mag das Leben auf dem Dorf“, bekennt die Mutter eines elfjährigen Jungen. „Hier habe ich die Ruhe und den Platz, um kreativ sein zu können.“ Denn Marika kehrte mit vielen neuen Ideen in die angestammte Dorfschmiede zurück.

Natürlich werden hier noch immer Alltagsgegenstände wie Zäune, Tore und Werkzeuge hergestellt und restauriert. Aber inzwischen machen sich die Widdermanns vor allem mit Kunsthandwerk einen Namen. So entstehen Figuren, Kerzenständer und Kleinmöbel, die sie auch gern auf Märkten und Volksfesten vorstellen. Dort geben Vater und Tochter mit einer mobilen Schau-Schmiede gern Einblicke in das traditionsreiche Handwerk.

Um einen Ausgleich zur schweren körperlichen Arbeit zu haben, spezialisierte sich Marika mittlerweile auch auf filigranen Schmuck aus Silber, Bronze oder Kupfer. Apropos Ausgleich. Den findet die Handwerkerin ebenfalls auf der Bühne. Denn die Leidenschaft zum Feuer brachte die Schmiedin dazu, mit brennenden Feuerbällen an Ketten und Stäben zu jonglieren. Nun ist Marika zusammen mit ihrem Bühnenpartner Stan vorrangig an Wochenenden in ganz Deutschland unterwegs und präsentiert eine atemberaubende Feuershow, bei der sie tanzend und jonglierend mit Feuerfiguren am nächtlichen Himmel verschmilzt.

Thomas Gillmeister

Tipp: Die Schmiedekunst von Marika Widdermann kann man beim romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Hohenprießnitz erleben (7.12., 8.12., 14.12., 15.12.).

Mehr Infos unter www.widdermann.com

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