Pfarrhof Nöbdenitz, die 1000-jährige Eiche und die Kirche Nöbdenitz im Winter. Foto: Wolfgang Göthe
Pfarrhof Nöbdenitz, die 1000-jährige Eiche und die Kirche Nöbdenitz im Winter. Foto: Wolfgang Göthe

Im Museum Burg Posterstein ist eine neue Ausstellung eröffnet worden. Die Sonderschau trägt den Titel „Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche – Über den Umgang mit faszinierenden Baumdenkmalen“. Ausgehend von der einzigartigen Nöbdenitzer Eiche, die Kulturdenkmal und Naturdenkmal gleichermaßen ist, stellt sie beeindruckende Uralteichen aus ganz Europa vor.

Die Exposition ist Teil des „Thümmel-Jahres 2024“ im Altenburger Land, das an den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) erinnert. Seine Grabstätte befindet sich in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche von Nöbdenitz. Noch bis zum 1. Mai haben Interessierte die Gelegenheit, die Präsentation in Augenschein zu nehmen.

Nöbdenitzer Eiche ist einzigartig

Ganz gleich, ob sie nun tatsächlich 1000 Jahre alt ist oder noch nicht ganz, die Nöbdenitzer Eiche, mit dem Grab eines Ministers in ihren Wurzeln, gilt als einzigartig. Die jetzt gezeigte Sonderschau stellt den Minister Hans Wilhelm von Thümmel und sein Grab vor. Darüber hinaus geht es um die Frage: Was braucht es, damit Bäume heute noch so alt werden können?

Eine Bildergalerie erzählt die Geschichten von 39 beeindruckenden Eichen aus ganz Europa – darunter Frankreich, England, Dänemark, Schweden, Polen und Tschechien. „Dafür stellten uns über 40 engagierte Baum-Liebhaber Fotos und Informationen zur Verfügung, darunter Forstwissenschaftler, Künstler, Vereine, Museumskollegen, Touristiker und Fotografen“, heißt es von Seiten des Museums. Auf Grund der Internationalität der Eichen und der Kooperationspartner ist die Ausstellung zweisprachig gehalten, auf Deutsch und Englisch.

Ausgangspunkt ist Nöbdenitz

Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt im nahe Posterstein gelegenen Ort Nöbdenitz, stellt dann aber mächtige und alte Eichen aus ganz Europa vor. Ganz unterschiedlich gehen Menschen mit diesen Bäumen um, aber fast überall begegnet man ihnen mit Ehrfurcht und Faszination.

Darüber hinaus geht es um die Eiche als Naturdenkmal und als Lebensraum. Welche Bedingungen braucht sie, um so alt zu werden wie die Nöbdenitzer Eiche? Welche Eichen im Landkreis Altenburger Land haben das Potenzial dazu, so alt zu werden, wenn ihnen der Raum dafür gelassen wird?

Manche der vorgestellten Eichen sind Kultur- und Naturdenkmal in einem. Genauso ist es bei der Nöbdenitzer Eiche, aber auch bei der zu einer Kapelle umgebauten Eiche im französischen Allouville, der Körnereiche im tschechischen Karlsbad oder der Chrobry-Eiche im polnischen Piotrowice, deren Eicheln der Papst segnete. Die Eichengeschichten sind vielfältig.

Ein außergewöhnliches Grab

Die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz ist nicht nur ein beeindruckendes Naturdenkmal, sondern der einzige bekannte Baum Deutschlands, in dem sich eine Grabstätte befindet. Seit 1824 birgt sie die letzte Ruhestätte Hans Wilhelm von Thümmels. Seit mehr als hundert Jahren heißt sie im Volksmund „Die Tausendjährige“. Die Schätzungen über das Alter des Baumes gehen weit auseinander und reichen von 600 bis 1200 Jahren.

Die Nöbdenitzer Eiche ist eine Stieleiche (Quercus robur) und steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pfarrhof und Kirche, direkt an der Dorfstraße. Sie ist zwölf bis vierzehn Meter hoch und besitzt, direkt auf Bodenhöhe bemessen, einen Umfang von über zwölf Metern. Damit zählt sie zu den mächtigsten Eichen Deutschlands.

Jungstamm bringt Eicheln hervor

Wegen des Befalls durch einen Pilz ist der Stamm vollkommen hohl. Schon bei einem Gewittersturm 1819 verlor sie ihre Hauptkrone. Seither bilden zwei untere Äste eine Nebenkrone. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Baum einen Adventivstamm, einen Jungstamm, gebildet. Noch immer treibt sie jedes Jahr neues Laub und bringt viele Eicheln hervor. Schon Jahre vor seinem Tod kaufte Hans Wilhelm von Thümmel die uralte Eiche von Nöbdenitz als zukünftige Grabstätte von der Kirchgemeinde. 1824 dann wurde er tatsächlich in einer gemauerten Gruft in den Wurzeln des Baumes mit behördlicher Genehmigung beigesetzt. Zu Lebzeiten ließ Thümmel bereits erste Eisenringe anbringen, um den Baum möglichst lange Zeit zu bewahren. Seither sind weitere Stützsysteme hinzugekommen.

Zur aktuellen Ausstellung erscheint eine aktualisierte Neuauflage der vergriffenen Thümmel-Biografie von 2016. Ralf Miehle

Die Sonderschau begleitet eine digitale Ausstellung, die zu finden ist unter: www.burg-posterstein.de/

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here