Immer ganz nah dran an den Artisten: Hier gratuliert Urs Jäckle (M.) den beiden Ikarierern Sasha und Vlad aus der Ukraine nach dem Erfolg bei der Newcomershow. Foto: Sandrino Donnhauser
Immer ganz nah dran an den Artisten: Hier gratuliert Urs Jäckle (M.) den beiden Ikarierern Sasha und Vlad aus der Ukraine nach dem Erfolg bei der Newcomershow. Foto: Sandrino Donnhauser

Rot steht für Liebe, Leidenschaft und Gefühle. Diese Farbe ist ein Symbol für Lebendigkeit. Mehr noch: Rot erfreut das Auge und erwärmt das Herz. Genau das ist`s, was „Rouge“ bietet: Noch bis zum 14. März läuft die Variete-Revue im Leipziger Krystallpalast – in Szene gesetzt von Regisseur und künstlerischem Leiter Urs Jäckle.

Ah, was für eine Pracht! Außergewöhnliche Künstlerinnen und Künstler in wunderschönen, leuchtend roten Kostümen entführen das Publikum in das legendäre Pariser Viertel Montmartre – und die Besucherinnen und Besucher staunen über außergewöhnliche Tanz-Artistik-Musikdarbietungen. Das ist „Rouge“, inszeniert von Urs Jäckle, dem Regisseur und künstlerischen Leiter. Jener Mann, der schon als Steppke leidenschaftlich jonglierte, in Zirkusarenen sein Können zeigte und eines schönen Tages hörte, wie ein Bayer leidenschaftlich von Leipzig schwärmte.

Von der Aushilfe zum künstlerischen Leiter

Der Beginn einer bemerkenswerten Beziehung: Denn der junge Mann verließ umgehend seine Heimat in Freiburg bei Breisgau und machte sich auf den Weg in die Messestadt. Dort unterzeichnete er im Jahr 2000 schließlich im Krystallpalast einen Vertrag über drei Monate – als Aushilfe, wohlgemerkt. Bemerkenswert dabei: Nur ein Jahr später, anno 2001 übernahm Urs Jäckle die künstlerische Leitung. Seither präsentierte er mit seinem Team an die 140 Shows. Sehr zur Freude des Publikums.

Ist inzwischen eine Leipziger aus Leidenschaft: Urs Jäckle, künstlerischer Leiter vom Krystallpalast Variete. Foto: Sandrino

Ist inzwischen eine Leipziger aus Leidenschaft: Urs Jäckle, künstlerischer Leiter vom Krystallpalast Variete.
Foto: Sandrino Donnhauser

„Und zur eigenen Freude“, wie er betont. Dafür lohnt sich dann schon die Investition – rund zwei Jahre dauere es schon, bis eine neue Show publikumsreif sei. „Und dazwischen hat man auch schon wieder die neue Show im Kopf“, sagt der Macher mit einem Lächeln. Deshalb ist es für ihn sehr wichtig, im Alltag bei Proben und bei Gesprächen auch immer schon den Blick über den Tellerrand zu heben.

Die große Lust, auf menschen zu treffen

Ohnehin, die Gespräche, die Anregungen. Urs Jäckle hat stets große Lust, Leute zu treffen, ihnen zuzuhören und sich inspirieren zu lassen. Dazu reist er auch gern mal in die anderen Variete-Theater in Deutschland und besonders schön sei es, wenn ihn der Weg bis nach Paris führe: Am besten zu einem der größten Zirkus-Festival der Welt, zum Festival Mondial du Cirque Demain wie erst vor kurzem wieder. Denn hier gibt’s eigentlich immer beeindruckende Begegnungen – hier traf er einst Raymund Raymondson, den französischen Comedian, der Zauberei auf eine sehr ausgefallene Weise mit Humor mischt.

Eine Begegnung mit nachhaltiger Wirkung: Im Jahr 2021 engagierte Urs Jäckle den Franzosen zum ersten Mal und jetzt in der aktuellen Variete-Revue „Rogue“ begeistert er wieder das Publikum. Und mit den Jahren hat sich längst eine Freundschaft entwickelt – kein Einzelfall, sagt der künstlerische Leiter: „Das trifft auch auf viele andere Darsteller zu.“

Und er erzählt von dem Schweizer Kris Kremo, den König der Jongleure, der immer wieder in Las Vegas auftritt, aber noch nie in Leipzig war. Anfangs habe er ihm geschrieben, dann kamen verschiedene Besuche hinzu, nur geklappt hat es mit dem Leipzig-Engagement bisher noch nicht. Doch Urs Jäckle bleibt optmistisch; immerhin gehört der Schweizer inzwischen auch zu seinem Freundeskreis.

Das Variete: Eine aufregende Welt

Die Variete-Welt ist reich an beeindruckenden Dingen. Und doch gebe auch manchmal weniger Schönes. Aber das sei ganz normal. Deshalb denkt Urs Jäckle heute noch oft zurück an das die Show „Mortale: Ein Zirkusmärchen“: Damals, vor nicht ganz 14 Jahren stand ihm der amerikanische Schauspieler Luke Wilson zur Seite. der beinahe schon im Sterben lag und dem Stück dennoch seine ganze Kraft einhauchte.

„Solche menschlichen Dinge berühren mich sehr. Dagegen gibt’s auch Dinge, die nicht erfreulich sind. In einer Show hatten wir nur Artistinnen und Artisten verpflichtet, die auch ein Musikinstrument beherrschen. Einer behauptete zwar Gitarre spielen zu können, aber das war mehr als mager.

Studium der Kulturwissenschaft und Theaterregie

Also mussten wir die Show umbauen.“ Vorteilhaft sei, dass alle Künstler während ihres Leipzig-Aufenthaltes im Haus des Krystallpalastes wohnen. Das fördere das Miteinander sehr, betont Urs Jäckle, der übrigens selbst spanisch, englisch, französisch und russisch spricht, in Leipzig Kulturwissenschaft und in Paris Theaterregie studierte.

„Solche menschlichen Dinge berühren mich sehr.“

Sein sicherlich nachhaltigstes Konzept ist die alljährliche Newcomershow. Diese bietet Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Artistik, Zauberkunst, Clownerie eine Bühne – ganz egal, von aus aller Welt sie kommen. Und egal, wie alt sie sind. Einziges Kriterium: Sie dürfen noch nie auf einer Leipziger Bühne gestanden haben.

Jurypreis wird vergeben

Jährlich am ersten Juliwochenende findet das Festival an vier Tagen statt und längst hat es einen guten Ruf: Agentinnen und Agenten, Direktorinnen und Direktoren, künstlerische Leiterinnen und Leiter namhafter Varietes Deutschlands geben sich zu gern die Klinke in die Hand – und dies nicht nur, weil sie dabei Preise verleihen können …

Ach ja – vergeben wird bei dieser Gelegenheit auch ein Jurypreis, vergeben vom Leipziger Krystallpalast selbst. Der ist begehrt, denn ist er doch mit einem dreimonatigen Engagement in Leipzig verbunden. Und auch das Publikum ist gefragt und zwar nach den jeweiligen Lieblingen – hier gewinnt jene Artistin oder jener Artist mit den meisten Stimmen.

Den Nerv der Zeit voll getroffen

Die Idee zur Newcomershow kam ihm aus eigener Erfahrung – und traf damit offenbar einen Nerv der Zeit: So schrieb er Briefe an die Variete-Theater in aller Welt, warb für „seine“ Newcomershow und staunte nicht schlecht über die Bewerbungen, die da eintrafen. Bereits das erste internationale Festival wurde ein Erfolg, viele weitere folgen: In diesem Jahr findet es vom 2. bis 5. Juli statt – dann wird ein Jubiläum gefeiert, denn es ist das 25. Festival.

Gern denkt er zurück an die vielen, mitunter sensationellen Auftritte bei dieser Show. Und an die Dankbarkeit junger Varieteprofis – zum Beispiel der von zwei Trapezkünstler aus Kanada, die zum allerersten Mal hier in Leipzig auf der Bühne standen und jetzt ein Goldmedaille besitzen. Der Kontakt wird übrigens weiter gepflegt: „Im Moment bemühe ich mich, die Beiden wieder in eine neue Show zu holen.“

Newcomershow ist einmalig in Deutschland

Tatsache ist, dass diese Newcomershow noch heute in Deutschland und eigentlich auch weltweit einmalig ist. Eine Menge Ruhm, der Urs Jäckle fast ein wenig verschämt abwinken lässt: „Sicher hatte ich die Idee, habe ich viel dafür getan, aber dazu gehört ein Team. Und das habe ich hier, ein fantastisches Team“, erklärt er, der unermüdliche „Brückenbauer.“

Seine Kraft schöpfe er, so verrät er, auch bei seiner täglichen Runde mit dem Fahrrad unterwegs sei. Manchmal geht es bin hinaus zum Cospudener See und zwar egal, ob es schneit, regnet, glatt ist oder die Sonne scheint. Auch da gibt es beeindruckende Begegnungen: Einmal galoppierte neben ihn eine ganze Weile ein Wildschwein und dies sehr zur Freude aller Beteiligten, wie er amüsiert erzählt: „Ich liebe die Natur und ich spüre, wie das meiner Seele gut tut.“

Spaziergänge in die Innenstadt

Zu seinen Ritualen gehöre auch das regelmäßige Treffen mit Freundinnen und Freunden, zumeist im Clara Zetkin Park. Und die Spaziergänge in der Innenstadt: „Wunderbar, die kurzen Wege“. Überhaupt sei Leipzig für ihn einmalig. Diese vielen kulturellen Angebote! Ach ja – auch das Kochen gehöre bei ihm unbedingt dazu. Leidenschaftlich gern bereite er Pizza, Suppen, ach, sogar ganze Menüs … Und was steht zum Sonntagsfrühstück auf dem Tisch? „Müsli mit frischem Obst, frisches Brot, ein halbgekochtes Ei und Kaffee aus Kolumbien.“

Übrigens: Ab 20. März gibt es wieder eine neue Show im Leipziger Krystallpalast. „Schwerelos“ erzählt vom Wunsch zu fliegen. Und vom Mut, Grenzen zu sprengen … So etwas habe man noch nie gesehen, verspricht Urs Jäckle. Man darf sich überraschen lassen … Traudel Thalheim

Infos: www.krystallpalast.de

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