
Manchmal muss man einfach zur richtigen Zeit die richtige Idee mit einem gewissen – nun ja – Nachdruck verfolgen. Zum Beispiel jene Idee, sich dem Werk des Herrn Vicco von Bülow – viel viel besser bekannt unter dem Namen Loriot – in Form einer Theaterstück-gewordenen Hommage zu nähern. Und weil es eben genau die richtige Zeit war, kommt am 31. März eben jenes Stück „Loriot – Das Ei hängt schief“ auf die Pfeffermühlen-Bühne – in Szene gesetzt von Thorsten Wolf.
Denn die Fachfrau und der Fachmann wundert sich: „Das Ei hängt schief“? Das ist aber kein echter Loriot! Doch dieser Stück-Titel zeigt schon eins sehr deutlich: Ne, auf ein – ähem – „klassisches“ Loriot-Stück hatte Regisseur Thorsten Wolf so gar keine Lust. Die gibt’s ja auch schon in stattlicher Zahl mit den wohlbekannten und vielleicht auch weniger geläufigen Sketchen.
Leben und Humor von Vicco von Bülow
Denn eigentlich gibt es ja noch so viel zu erzählen über Vicco von Bülow, über sein Leben und seinen Humor, über seine Sicht auf das Leben und die Gesellschaft – die manchmal der Zeit weit voraus war und genau deshalb bis heute die Relevanz nicht verloren hat. All dies – die Sketche, der Blick auf den Menschen Loriot – sollte sich wiederfinden in einer Hommage, aus der man klüger rausgeht, als man reingegangen ist. Und obendrein derart angefixt, „das man vielleicht sogar Lust hat, sich das Ganze ein zweites Mal anzuschauen“, sagt er mit einem Lächeln.
„Vielmehr nimmt man das Publikum mit auf eine Reise.“
Es ist die richtige Idee zur richtigen Zeit – denn die (gestrengen) Hüterinnen des Loriot’schen Erbes sind begeistert, nicken den Titel ebenso ab wie das Hommage-Konzept und geben damit die Bühne frei.
Die allerdings noch gefüllt werden muss mit Ideen, unbedingt einem fertig verfassten (Dreh-)Buch und einem Ensemble. Im Oktober 2025 wird es ernst mit der Angelegenheit: Thorsten Wolf vertieft sich in die Recherche, Pfeffermühlen-Chef Dieter Richter steigt als kongenialer Partner ein und auch Sabine Kühne-Londa lässt sich nicht lange bitten. Die Dinge gedeihen …
Leipziger Sven Reese und Ben Turecek aus Wien
Und dies ausgezeichnet: Spätestens, als man mit dem Leipziger Sven Reese und Ben Turecek aus Wien die Riege der Darsteller auf die Trio-Stärke aufgefüllt hat, nimmt die Sache Fahrt auf. Weil das Grundvertrauen da ist in den Regisseur und die Lust auf das Avisierte riesengroß. „Du machst ja nicht einfach ein Best-of“, überlegt Ben Turecek und ergänzt: „Vielmehr nimmt man das Publikum mit auf eine Reise.“
Bei der Musik eine herausragende Rolle spielt: Hartmut Schwarze und Erik Heimannsberg sind nicht einfach nur dabei – nein, die Beiden sind mittendrin und kreativ höchst gefragt. Mal mit einem schicken Solo in der Pause, mal mit einem schmissigen Boogie.
Nur drei Leute auf der Bühne
Ganz schöne Herausforderungen, denen sich Thorsten Wolf gern stellt: „Dies geht bei der kleinen Besetzung mit nur drei Leuten auf der Bühne los. Die obendrein Altersunterschiede mitbringen, die sich ja auch wiederfinden müssen.“ Doch beim Vor-Ort-Termin beim Proben – nur eine Hand voll Wochen vor der Premiere – ist die Lust, die gute Laune und das Miteinander des Teams geradezu mit den Händen zu greifen. Prognose: Da geht richtig was.
„In der Truppe steckt jede Menge Harmonie“
„In der Truppe steckt jede Menge Harmonie“, ist Thorsten Wolf zufrieden. Was wiederum dem Gewicht der Loriot’schen Ausgangsvorlage – hier geht es immerhin um ein Stück humoristisches Kulturgut! – ebenso gerecht wird wie dem eigenen Anspruch ans Inszenieren. Wobei „Das Ei hängt schief“ schon noch mal etwas Besonderes ist und zwar der Wolf’sche Abschied von der Bühne – noch eine Regiearbeit steht (aktuell) auf keinen Fall mehr auf der To-do-Liste.
Und mit welcher Hoffnung schaut er auf diese – nun ja – Finissage? „Klar, das Stück sollte schon gut besucht sein“, überlegt er und ergänzt: „Fein wäre es, wenn man mit dieser Loriot-Hommage auch noch einmal Leute anspricht, die normalerweise nicht ins Kabarett gehen. Vielleicht sogar ein jüngeres Publikum …“ Jens Wagner
„Das Ei hängt schief“ feiert am 31. März die (ausverkaufte) Premiere in der Leipziger Pfeffermühle; eine Vorpremiere gibt es bereits am 30. März; weitere Termine stehen beispielsweise am 4. und 5. April an. Los geht es jeweils 20 Uhr; Infos unter www.kabarett-leipziger-pfeffermuehle.de
































