Landfrau Karin Nadler
Karin ­Nadler lädt jeden ­letzten ­Mittwoch im Monat zu ­geselligen Runden ein. Foto: Manuel Niemann

Es ist schon etwas Besonderes oder um es mit den Worten von Karin ­Nadler zu sagen: „Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass es das Schenkenberger Lesestübchen nun schon seit zehn Jahren gibt“. Organisiert mit viel Liebe und Leidenschaft durch die stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen Schenkenberg, hat es sich zu einer monatlichen Tradition entwickelt, die seither ­regelmäßig mehr als 40 Interessierte aus Schenkenberg, ­Delitzsch und Umgebung anzieht.

Landfrauenkuchen begeistert

Die Jubiläumsveranstaltung fand am 26. November im ­Vereinshaus „Zur Schule“ statt. „Wir beginnen mit der Lesung immer um 16 Uhr. Vorab laden wir zu Kaffee und Kuchen ein“, erzählt Karin Nadler. Dafür backen die Landfrauen immer vier „wahrlich legendäre Kuchen“, betont die Organisatorin. So konnten sich die Gäste des Lesestübchens über die zehn Jahre hinweg schon mehr als 450 Kuchen schmecken lassen.

An der Jubiläumlesung, die gleichzeitig die 85. war, kamen auch wieder 40 Zuhörerinnen und Zuhörer, Lesebegeisterte, Gratulanten und Liebhaber ­dieser Tradition. „Darunter viele bekannte Gesichter, aber auch einige neue“, freut sich Karin Nadler. Das sei für sie nach zehn Jahren immer wieder be­merkenswert, dass sich der Kreis erweitert. Einige der Gäste kommen aus Schenkenberg, die Mehrheit jedoch aus Delitzsch und den umliegenden Ort­schaften.

Band überrascht zum Jubiläum

Am 26. November erwartete die Gäste zudem eine kleine ­Überraschung. Neben der Lesung hatte Karin Nadler die Band „Vargsang“ eingeladen, die mit Nyckelharpa, Bass, Gitarre und einer irischen Rahmentrommel (Bodhran) eine Reise durch die skandinavische Folkmusik unternahm.

Die Band Vargsang
Zum Jubiläum am 26. November
überraschte die Band Vargsang mit
nordischer Folkmusik. Foto: privat

„Das kam richtig gut an. Die Gäste lobten die ­einzigartige Klangkombination und die Band die anheimelnde Atmosphäre“, beschreibt die Landfrau. Für sie eine besondere Würdigung des Jahrestages.

Die Liebe zu den Büchern

Geboren ist die Idee des Lesestübchens im Zusammenhang mit der Gründung der örtlichen Landfrauen und einer eigenen Dorfbücherei. „Wir wollten für die Frauen im Dorf etwas bieten, ihnen eine Heimat für Gespräche und gesellige Runden geben“, erinnert sich Karin Nadler. Zugleich liebt die ehemalige Deutschlehrerin Bücher und ­hatte die Idee, anderen damit einen „schönen Nachmittag zu bereiten“.

Bücher hat sie übrigens schon als Lehrerin gesammelt. „Dank vieler Spenden sind so bis heute weit mehr als 1000 Stück ­zusammengekommen.“ Damit diese nicht irgendwo im Keller verstauben, sondern sich daran auch andere erfreuen können, hat sie die Dorfbücherei auf­gebaut, die nun unter dem Dach ihrer ehemaligen Schule im ­Gebäudekomplex der drei alten Schulen von Schenkenberg eine Heimat gefunden hat.

Wachsende Zahl an Lesebegeisterten

Im November 2015 wurde die Schenkenberger Dorfbücherei dann der Öffentlichkeit zu­gängig gemacht. „Und an ­diesem Tag habe ich zu einer ersten Lesung eingeladen. Ich habe aus dem Buch ‚Nie war ich so wertvoll wie heute‛ von Regina ­Rosenkranz Botschaften vor­gelesen, die einfach guttun“, erzählt die heute 72-Jährige.

Da Karin Nadler zu dieser Zeit noch voll im Berufsleben stand, konnte sie die Lesungen nur alle zwei Monate durchführen. Mit Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand ein Jahr später wurde das Lesestübchen dann jeden Monat abgehalten.

Blick auf die Besucher des Lesestübchens
Das Lesestübchen Schenkenberg feiert Geburtstag: Seit 10 Jahren gibt es diese Veranstaltungsreihe. Foto: privat

Kamen am Anfang nur wenige Zuhörerinnen und Zuhörer, erhöhte sich die Zahl kontinuierlich. „Bei uns im Vereinshaus sind wir begrenzt und sind mit den 40 Gästen mehr als zufrieden.“ Sie erinnert sich aber auch daran, dass durch den Umbau des Schulkomplexes das Lesestübchen „ausgelagert“ werden musste. „Ich bin da unserem Pfarrer Matthias Taatz und dem Scheunenverein sehr dankbar, dass sie uns in dieser Zeit die Pfarrscheune kostenfrei zur Verfügung gestellt haben.“ Dort seien dann bis zu 80 Zuhörerinnen und Zuhörer ge­kommen.

Lesungen bieten Unterhaltung

Karin Nadler liest aus Büchern, die ihr selbst gefallen – und damit trifft sie den Nerv der Lesestübchen-Gäste. In den Büchern geht es um das Nachdenken über sich selbst und das Leben oder um Dinge, die die Fantasie beflügeln.

Das Bemerkenswerte bei den Lesungen ist aber, dass Karin Nadler nicht nur liest, sondern auch „spielt“. „Das kommt daher, dass ich als Lehrerin auch lange mit meinen Kindern Theater gespielt habe.“ Das lockere die Nachmittage einfach aus und sorge für ein bisschen Entertainment.

30 Gäste präsentieren ihre Werke

Doch nicht nur Karin Nadler liest, sie lädt auch regelmäßig Gäste ein, die ihre Werke präsentieren. So hat zum Beispiel Sigmund Zschipping aus seinen „Lausbubengeschichten“ gelesen, die ehemalige LVZ-Redakteurin Edith Dorothea Klisa über die Schenkenberger Chronik gesprochen, ihr Ehemann Wolfgang über seine Friedensläufe von Bitterfeld nach Rom und zurück erzählt, Katrin Huß ihr Buch „Die traut sich was“ exklusiv in Schenkenberg vorgestellt oder Matthias Taatz schon dreimal aus seinem Leben als Pfarrer berichtet. „Da die Berichte des Pfarrers so gut ankamen, hat er daraus eine eigene Lesereise etabliert und ist in seinem Pfarrbereich damit regelmäßig unterwegs“, freut sich Karin Nadler, andere mit ihrer Idee angesteckt zu haben.

Aber auch Schriftstellern und Musikern aus der Region gibt sie im Lesestübchen eine Bühne. So waren bereits Heike Wolf, ­Bianca Dittmann, Sylke Tannhäuser, Christina ­Auerswald oder Janine Frey und Johann Kutschbach eingeladen.

100. Lesung schon im Kopf

Dass es das Lesestübchen mal zehn Jahre geben wird, hätte Karin Nadler nicht gedacht. Aber es gab für sie schon den Moment, an dem sie aufhören wollte. Schließlich gäbe es keine wirk­liche Pause.

„Ist die eine Lesung zu Ende, muss ich schon das nächste Buch lesen, Stellen markieren und recherchieren“, berichtet sie. Das sei einfach Arbeit. Wenn sie dann am Ende des Lesestübchens in die glücklichen Gesichter der Anwesenden schaut, sie sagen, wie viel Spaß sie hatten, dann kann Karin ­Nadler nicht anders als weitermachen. „Die 100. Lesung wird es definitiv noch geben“, sagt sie. Und dann? „Das wird sich zeigen.“

Zeit, Danke zu sagen

Danken möchte Karin Nadler den Landfrauen, ohne deren Unterstützung es das Lesestübchen nicht gäbe, der Firma ­Sandmann, die die Veran­staltungsreihe zu Weihnachten mit einer Spende bedenkt, der Diakonie, die die Räumlich­keiten zur Verfügung stellt, und dem Verein „Gemeinsam in Schenkenberg“, der die Ideen der Landfrauen mitträgt. ­„Daran sieht man, dass solch eine Veranstaltung am Ende ­immer ein Gemeinschafts­projekt ist.“ Nannette Hoffmann

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