Sechs Jahre für 3000 Archiv-Seiten: Willfried Arnold hat nach der Historie des Fuchshainer SV die des Grimmaer Fußballverbandes aufgearbeitet. Foto: Roger Dietze

GRIMMA. Es ist vollbracht! Willfried Arnold hat in sechsjähriger Kleinarbeit seine Archivarbeiten zum Grimmaer Fußballverband abgeschlossen.

Alles nahm vor acht Jahren seinen Anfang mit dem 90. Gründungsjubiläum des Fuchshainer SV. Für diesen erarbeitete Willfried Arnold, der vor seinem Umzug nach Grimma einige Jahre im Naunhofer Ortsteil gelebt hatte, eine Ausstellung samt Broschüre. Auf beide wurde Rainer Hertle, damaliger Präsident des Fußballverbandes Leipzig und leidenschaftlicher Chronist, aufmerksam. „Er meinte, dass Ähnliches doch auch auf der Kreisebene machbar sein sollte“, erinnert sich Willfried Arnold an die Anfänge seiner Archivarstätigkeit. „Nach einiger Zeit hatte ich Harald Sather, den Präsidenten des Fußballverbandes Muldental-Leipziger Land, unter der Bedingung von dem Vorhaben überzeugt, dass ich mich der Sache annehmen sollte“, so der einstige Lehrer in Fuchshain und später Grimma.
Willfried Arnold sagte zu, ohne zu wissen, auf was er sich einließ. Denn schnell wurde klar, dass kaum noch Dokumente existierten. Der Grimmaer Hobby-Archivar vermutet, dass die meisten in der Zeit seit dem Mauerfall sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich bei diversen Räumaktionen in den Müll wanderten und der verbliebene mehr oder weniger kleine Rest vom 2002er-Hochwasser geholt wurde, das auch in die Räumlichkeiten des FC Grimma und denen des Fußballverbandes eindrang. „Jeder Kleingartenverein hat eine Chronik, aber der Fußball im Kreis Grimma war zu diesem Zeitpunkt quasi geschichtslos, sodass wir bei null anfangen mussten“, so Arnold, der in dem einstigen Kreisverbands-Funktionär Ulrich Mews einen kongenialen Mitstreiter fand, darüber. Mitstreiter an einem Projekt, zu dessen Gelingen selbst ehemalige Funktionäre und Schiedsrichter wenig bis nichts beizutragen vermochten. „Uns wurde schnell klar, dass wir die Tippel-Tappel-Tour durch die Vereine beziehungsweise Fußball-Abteilungen würden antreten müssen, um an die entsprechenden Informationen heranzukommen“, so Willfried Arnold, der in den 70er- und 80er-Jahren Vorsitzender des Kreisfachausschusses Fußball war und nach dieser Zeit in de´r Wettbewerbskommission mitwirkte.
Diese Tippel-Tappel-Tour, in deren Verlauf der Wahl-Grimmaer weit über 100 Gespräche führte, gestaltete sich mal einfacher und ein anderes Mal weniger einfach. Denn während einige Vereine aus eigenem Antrieb ihre Geschichte pflegten und pflegen, legen andere wiederum weniger Wert auf die Tradition. Ganz zu schweigen von jenen Vereinen, die mittlerweile von der Bildfläche verschwunden sind, die in das Archiv des Fußballverbandes Grimma aufzunehmen Willfried Arnold jedoch ein großes Bedürfnis waren. „Ich habe viel Unterstützung von einer Seite erhalten, von der ich sie nicht unbedingt erwartet hätte, nämlich von den Heimatvereinen“, berichtet der ehemalige Fuchshainer, der die Zahl der „Freunde des Fußballs“ und der Heimatvereins-Akteure, die ihn unterstützt haben, mit 135 benennt. Nicht selten sei Glück mit im Spiel gewesen. „In Großbardau etwa kam ich beim Fotografieren des ehemaligen Sportplatzes mit einem Mann ins Gespräch, der mir ein Buch mit Fußballdokumenten zur Verfügung stellte“, berichtet der End-Siebziger, der sich auch von Rückschlägen wie einer irreparabel beschädigten Festplatte nicht von seinem einmal eingeschlagenen Weg abbringen ließ.
Ein Weg, an dessen Ende 20 mit Dokumenten aus knapp 80 Jahren regionaler Fußballgeschichte gespickte A4-Ordner mit 3000 Seiten stehen. Diese wiederum, kündigt Fußballverbandes-Präsident Harald Sather an, werde man nach dem Umzug in den derzeit entstehenden neuen Sportkomplex auf dem ehemaligen Kasernengelände all jenen zugänglich machen, die sich für die regionale Fußballhistorie interessieren.
Roger Dietze

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