Konsequente Pädagogik: Brigitte Nehring setzt im Nerchauer „East End“-Jugendhaus auf kreative Angebote als Alternative zu Playstation & Co.Foto: Thomas Kube

GRIMMA/REGION. Die sozialen Medien im Allgemeinen und das Smartphone im Besonderen halten den Nachwuchs fest im Griff. Eine Herausforderung der besonderen Art für die Betreiber von Jugendclubs und Freizeittreffs auch in der Region.
Grimmas Jugend wandelt in den bevorstehenden Sommerferien auf den Brettern, die sprichwörtlich die Welt bedeuten. Sofern sie nur will. Denn die Teilnahme an dem vom 9. bis zum 13. Juli stattfindenden und das Thema „Demokratie und Grundgesetz“ aufgreifenden Theater-Projekt „Abgedreht“ des AWO-Familienzentrums und des Vereins Schweizerhaus Püchau ist selbstredend freiwillig. Doch Dorothee Wichmann, die seit dem 1. April die pädagogische Leitung in dem von der AWO im Zentrum der Großen Kreisstadt betriebenen Freizeittreff „Fritz“ innehat, ist zuversichtlich, dass das Angebot auf eine gute Resonanz stoßen wird. Diese ihre Überzeugung schöpft die 31-Jährige aus den Erfahrungen, die sie im Rahmen von ähnlich gelagerten Kinder- und Jugendprojekten an verschiedenen Theatern gesammelt hat. „Mit dem Angebot, sich im Rahmen von solcherart Projekten auszudrücken, lässt sich der Nachwuchs sehr gut ansprechen“, so die studierte Kunst- und Design-Pädagogin. Zumindest in jenen größeren Städten, in denen sie bislang beruflich tätig war. „Ich lasse mich überraschen, wie ein solches Projekt in einer Kleinstadt wie Grimma aufgenommen wird“, so die in Leipzig lebende gebürtige Niedersächsin, die an ihrer neuen Wirkungsstätte grundsätzlich an der pädagogischen Ausrichtung ihrer langjährigen Vorgängerin Petra Bielefeld anzuknüpfen vorhat.
Und so steht etwa neben besagtem Theaterprojekt auch Altbewährtes auf dem Sommerferienplan wie eine offene Kreativ- und eine Druckwerkstatt und darüber hinaus eine Fahrradtour nach Naunhof samt Alpakawanderung. „Ein zentrales Anliegen ist für es mich, dass alle Angebote offen gehalten werden, sodass die Teilnehmer ihre eigenen Ideen einbringen können“, so Dorothee Wichmann, die die „Fritz“-Besucher künftig auch außerhalb des Gebäudes nahe des Grimmaer Frauenkirchhofes aktiv werden lassen möchte. „Mir schweben in diesem Zusammenhang kreative Spaziergänge in der Stadt vor, um dem Nachwuchs auf diese Weise eine aktive Teilhabe am Stadtleben zu ermöglichen“, so die neue „Fritz“-Leiterin. Die diversen Angebote, die im „Fritz“ und vier weiteren von der AWO Familienzentrum gGmbH im Landkreis Leipzig betriebenen Kinder- und Jugend-Freizeiteinrichtungen in Grimma-Süd, Brandis, Nerchau und Bad Lausick vorgehalten werden, schließen auch den Umgang mit den modernen „Kommunikationsgeräten“ nicht aus. „Der Nachwuchs nutzt heute fast ausnahmslos und selbstverständlich Smartphones, mit einem prinzipiellen Verbot würde man nur erreichen, dass sich viele von unseren Angeboten abwenden“, erklärt die Koordinatorin des AWO-Familienzentrums, Nadia Kumar. Wesentlich sinnvoller sei diesbezüglich eine sensible Herangehensweise, was das Aufstellen entsprechender Nutzungs-Regeln nicht ausschließe. „Die Leiterinnen unserer Einrichtungen machen zudem von entsprechenden Weiterbildungsangeboten im Bereich der Medienpädagogik Gebrauch“, so Nadia Kumar.
Eine gestandene Pädagogin in vielerlei Hinsicht steht der AWO mit der Leiterin des Nerchauer Jugendhauses „East End“, Brigitte Nehring, zur Verfügung, in dem Anfang Juni 20-Jähriges gefeiert wurde. Von Anbeginn an wird die Einrichtung in dem Grimmaer Ortsteil von der heute 59-Jährigen geleitet, die in den zwei Jahrzehnten ihrer Leitertätigkeit einige Nachwuchs-Generationen hat kommen und gehen sehen. „Die Kinder und Jugendlichen waren früher begeisterungsfähiger und eher bereit, Verantwortung zu übernehmen, wohingegen heute vorzugsweise das Bespieltwerden gewünscht wird“, so Brigitte Nehring, die hinsichtlich der Nutzung der diversen „digitalen Endgeräte“ in ihrer Einrichtung einen konsequenten Kurs fährt. „Diesbezüglich bin ich sehr altmodisch, Spielkonsolen etwa dürfen die Besucher täglich maximal 30 Minuten nutzen“, so die East End-Leiterin, die im Gegenzug mit ihrem Team Gesellschaftsspiele, Kreativangebote, Hausturniere und jahreszeitliche Veranstaltungen im Angebot hat. „Es hat sich über unsere Hausordnung allerdings auch noch niemand beschwert“, berichtet sie. Dass gleichwohl eine höhere Frequentierung des Jugendhauses wünschenswert wäre, hat andere Ursachen. „Zum einen halten die meisten Grundschulen mittlerweile ein Ganztagsangebot vor, zum anderen haben wir keine weiterführende Schule mehr im Ort, sodass die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag um einiges später zu Hause sind als es mit der Schule vor Ort der Fall wäre.“ Roger Dietze

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here