Für die Türmerwohnung der Thomaskirche werden Möbel gesucht

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Carolyn Rau zeigt die Türmerwohnung in der Thomaskirche hoch über Leipzig. Foto: André Kempner

234 Stufen müssen Besucherinnen und Besucher steigen, um oben auf die Galerie des Turmes der Thomaskirche zu gelangen. Dort erwartet sie nicht nur ein fantastischer Ausblick über Leipzigs Innenstadt, sondern auch jede Menge Geschichte.

Regelmäßig begleitet Maria Schade ehrenamtlich Interessierte hier hinauf. Die 77-jährige Leipzigerin ist Mitglied in der Kirchgemeinde St. Thomas. Neben dem historischen Geläut und dem steilen Dachstuhl ist es die Türmerwohnung, die das Interesse der Teilnehmenden weckt. Spannend sei es, sich den beschwerlichen Alltag der Menschen vorzustellen, die hier zwischen 1533 und 1917 mit ihren Familien lebten, um Brandwache zu leisten und die Glocken zu läuten.

Kindheitserinnerungen der letzten Türmer

Gerne zitiert Maria Schade bei ihren Touren aus den Kindheitserinnerungen von Elisabeth Georgi, Tochter von August Georgi, einem der letzten Türmer. Er habe gemeinsam mit seiner Familie von 1876 bis 1910 in der Türmerwohnung gelebt: „Vom ersten Schultage an musste ich täglich 234 Stufen hinauf- oder hinabklettern. Wollte man ins Turminnere, musste man einen Klingelzug ziehen.“ Da dieser für Kinder unerreichbar war, mussten die kleine Elisabeth Passanten bitten, für sie zu läuten. Ihr Vater ließ den Schlüssel dann per Winde hinab.

Dieser Blick öffnet sich von der Thomaskirche über Leipzig. Foto: André Kempner
Dieser Blick öffnet sich von der Thomaskirche über Leipzig. Foto: André Kempner

Den Aufzeichnungen von Elisabeth Georgi zufolge musste neben der Feierabend- auch die Stundenglocke gezogen werden. „Genau nach Reihenfolge – zuerst das Alte Rathaus, dann die Nikolaikirche und schließlich die Thomaskirche.“ Einmal jedoch sei der Riemen nach dem ersten Schlag gerissen. „Und es war 12 Uhr. Da gab es große Verwunderung“, steht in Elisabeths Notizen.

Blick von der Galerie über die Stadt

Auch bedenkt sie den Blick von der Galerie über die Stadt in ihren Notizen. Der sei von viel Wald und Wiesen geprägt gewesen. „Auf dem Thomaskirchhof drunten erhob sich an Stelle des Bachdenkmals das Monument des Gelehrten Leibnitz, umgeben von vielen Obstständen. Wir Kinder nannten den großen Mann ‚Äppelkarl‘.“

Alle Viertelstunde habe der Türmer einen Kontrollgang um die Galerie absolvieren müssen. „Wurde ein Feuer bemerkt, so wurde das mittels Kurbelapparat der Feuerwehr gemeldet.“ Weil sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts die technischen Möglichkeiten weiterentwickelten, fiel der Bedarf an Türmern weg. 1917 zog der letzte aus.

„Leider passt das Mobiliar nicht in die Zeit.“

Noch heute gibt es im Turm der Thomaskirche einige bauliche Details, die vom Leben der Türmer berichten. Auf der untersten Ebene, der Spindelebene, ist noch der Lastenaufzug zu entdecken. Am alten Hausbalken konnten so Kisten mit Vorräten nach oben gezogen werden. „Selbst Plumpsklo-Inhalt musste so entsorgt werden“, weiß Turmführerin Maria Schade. Eine Etage darüber folgen die Schlafräume; ganz oben die Küche mit Austritt zur Galerie, das Wohnzimmer und die gute Stube.

Die Gemeinde bittet um Unterstützung

„Leider passt das Mobiliar nicht in die Zeit“, bedauert sie. Damit Gäste künftig ein authentischeres Bild vom Wirken der Türmerfamilie bekämen, bittet die Gemeinde um Unterstützung. „Wir suchen historische Einrichtungsgegenstände.“ Wer helfen kann, meldet sich vorab per E-Mail mit Fotos der jeweiligen Objekte unter rau@thomaskirche.org. Uta Zangemeister

Turmführungen durch die Gemeinde finden samstags um 13 und 14 Uhr statt. Der Eintritt ist frei, eine Spende ist vor Ort möglich. Die Personenanzahl ist begrenzt. Treffpunkt: Eingang Turm.

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