
Alex mag gutes Essen, ausgefallene Cocktails, All-inclusive-Urlaub – gehobenen Komfort eben. Doch eines Tages verschlägt es Alex ins zentrale Afrika zu den Berggorillas. Täglich Dosen-Thunfisch statt reichhaltigem Buffet, ausrangierte Altkleider statt Designer-Klamotten, Ladefläche statt Luxusliner. Ein Trip, der in Erinnerung bleiben wird. Doch um Alex soll es hier gar nicht gehen. Sondern vielmehr um Daniela Jedlicka – Alex literarische Schöpferin.
Vor 51 Jahren in Leipzig geboren, wuchs Daniela Jedlicka im Waldstraßenviertel auf. „Zwischen Büchern“, wie sie sagt. „Mein Vater hat Buchkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert gesammelt.“Und so habe er jeden Meter in jedem Zimmer für Bücherregale okkupiert. Auch sie selbst habe immer viel gelesen, später sollte sie Reisetagebuch schreiben und einen Blog.
Sie sei ein klassisches Wendekind gewesen. Neugierig habe sie alles aufgesogen, versucht, an allen Demos teilzunehmen, die Veränderung intensiv zu erleben. „Das war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt sie rückblickend.
Ein Wendekind wagt den Absprung
Nach dem Abitur entscheidet sich Daniela Jedlicka „für die Wohnung, für finanzielle Unabhängigkeit und gegen das Studium“. Heißt: Sie macht eine klassische Lehre zur Bankkauffrau, arbeitet im Anschluss zehn Jahre lang in einer Kreditabteilung, sitzt „ohne viel Menschenkontakt in einem Räumchen“. Bis es ihr zu eng wird, sie einem Arbeitsalltag den Rücken kehren will, der bestimmt wird von Zahlen, Daten und Fakten. Bis sie mehr Austausch mit Menschen sucht. Bis 2005. Dann kommt der Bruch.
„Und dann kamen ganz, ganz viele Reisen nach Afrika, mein liebstes Urlaubsziel.“
Daniela Jedlicka wagt den Absprung, wechselt als Quereinsteigerin in den Vertrieb von Zahnimplantaten, später von Wundversorgung. Die medizinischen Themen, der Vertrieb, der rege Austausch mit Kundschaft – alles neu. Noch dazu muss sie wieder Latein lernen. Doch die Leipzigerin scheut die Herausforderung nicht, findet sich Stück für Stück in ihre Aufgaben ein. Innerhalb kürzester Zeit bieten sich ihr Karrieremöglichkeiten. Inzwischen leitet sie ein Team, steuert „den regionalen Vertrieb für den ganzen Osten“.
Mit dem Jobwechsel wandelt sich noch etwas: „Ich bin sehr viel mehr und intensiver gereist.“ Zum Beispiel nach Australien, wo sie drei Monate allein umherreiste. „Und dann kamen ganz, ganz viele Reisen nach Afrika, mein liebstes Urlaubsziel.“
Mit Laptop in die Flitterwochen
Ihre Hochzeitsreise führte sie nach La Réunion und Mauritius – zwar Frankreich, aber letztlich Afrika viel näher. „Hier ist mein erster Reiseblog entstanden“, erzählt sie und erinnert sich an Abende, an denen sie den Tag Revue passieren ließ und alles ausführlich festhielt. All die Kleinigkeiten, die sonst schnell in Vergessenheit geraten. „Der Laptop war mit im Urlaub; mein Mann kennt das nicht anders“, sagt sie und lacht. Ein Schmunzeln, das auch ihre Reiseberichte stets durchzieht.

nach Afrika.
Repro: novum Verlag
Afrika – da habe sie alles erlebt, was man dort erleben könne, vom Guten bis hin zum weniger Guten. Ihre größte Herausforderung? „Ich stand mal ungeplant vor einem Löwen, zu Fuß, nur mit meiner Freundin und einem Guide“, erzählt sie. „Wir hatten das vorher zwar theoretisch durchgesprochen. Wir wussten, wir müssen Dominanz zeigen und auf ihn zugehen. Dabei schreit der ganze Körper nur: Renn! Das hat mich geprägt und ich habe bestimmt ein Jahr lang jede Nacht von dem Löwen geträumt. Aber es hat auch mein Selbstbewusstsein gestärkt und seither weiß ich: Ich schaffe alles, weil ich das geschafft habe.“
Grenzen in der Corona- Zeit neu stecken
Eine Reise in die Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo – sie bildet auch die Grundlage für Daniela Jedlickas erstes Buch „Mit Ohne geht es auch“, das vergangenen Herbst auf den Markt kam. „Das war eine sehr intensive Reise, anstrengend und aufreibend, und gleichzeitig unheimlich lehrreich“, sagt die 51-Jährige. Ihre Erfahrungen – so einprägsam, dass mehr daraus werden sollte als das übliche Reisetagebuch. Dass über einen Eintrag in ihrem Blog, der inzwischen mehr als 2000 Leserinnen und Leser erreicht, hinausgehen sollte.
2022 ist es so weit. Die Corona-Pandemie hatte Daniela Jedlicka an ihre Grenzen gebracht. Der Job fordert sie mehr denn je, dazu ein kleines Kind, das gerade eingeschult worden war … „Ich war ausgebrannt, musste die Reißleine ziehen und bin länger ausgefallen“, erinnert sie sich. Und so fing sie an, ihre Gedanken und Erinnerungen zu Papier zu bringen – fiktional und doch durchzogen von eigenen Erlebnissen. „Als eine Art Therapie“, wie sie selbst sagt. Seite um Seite findet Daniela Jedlicka zurück zu alter Kraft. „Letztlich hat es mich aus dem Tief herausgeholt.“
„Mit Ohne geht es auch“ lädt Leserinnen und Leser auf eine kurzweilige Reise ein, die Grenzen neu auslotet, bislang Unverzichtbares infragestellt, Optimismus und Humor über Ärger und Stress siegen lässt. Hauptfigur Alex verlässt die eigene Komfortzone, so wie Daniela Jedlicka mit ihrem Jobwechsel. Oder mit einer Kreuzfahrt. Daniela Jedlicka findet: „Gewohnheiten durchbrechen, sich neuen Herausforderungen stellen – das sollte man immer mal tun.“ Patricia Liebling
Zur Leipziger Buchmesse wird Daniela Jedlicka vom 20. bis 22. März am Stand E111 in Halle 4 zu finden sein, wo sie mit Leseproben bereitsteht und gerne auch signiert.
Wer vorab schon mal in ihren Blog reinlesen möchte, kann das hier tun: achterbahn.blog































