Ein Blick von oben auf die Stuttgarter Allee, den wichtigsten Bou- levard von Grünau: Die Kunstwerke in dem Stadtviertel aus DDR- Zeiten sollen nun erfasst werden. Foto: Andreas Döring
Ein Blick von oben auf die Stuttgarter Allee, den wichtigsten Boulevard von Grünau: Die Kunstwerke in dem Stadtviertel aus DDR- Zeiten sollen nun erfasst werden. Foto: Andreas Döring

Rund 50 Jahre ist es her: Am 1. Juni 1976 wurde der Grundstein für Grünau als größte Plattenbausiedlung in Sachsen gelegt. Aus diesem Anlass startet nun ein neues Projekt: Die baubezogene Kunst aus DDR-Zeiten in Grünau soll erfasst und erforscht werden – dies haben sich die Stadt Leipzig und die gemeinnützige Wüstenrot Stiftung vorgenommen.

„Grünau war von Anfang an durch eine bildkünstlerische Gesamtkonzeption geprägt: Skulpturen, Wandbilder, Leuchtschriften und Ähnliches trugen – und tragen bis heute – entscheidend zur Identität des Stadtteils bei. Diesen einmaligen Schatz wollen wir heben und so langfristig bewahren“, stellt Baubürgermeister Thomas Dienberg fest.

Das Thema Bewahrung ist durchaus aktuell: Vielfach ist dieses Kulturerbe bedroht. Nach 1990 kam es bereits zu erheblichen Verlusten: Skulpturen wurden durch Vandalismus zerstört, charakteristische Wandbilder entfernt oder durch Sanierungsmaßnahmen verdeckt.

Vermittlungsprogramm als Ergänzung

Noch in diesem Jahr soll deshalb die bestehende baubezogene Kunst in Grünau aus der Zeit von 1949 bis 1990 systematisch erfasst werden, egal ob sie eingelagert, verdeckt oder sichtbar ist. Ergänzt wird dieser Prozess außerdem mit einem umfangreichen Vermittlungsprogramm, bei dem die Grünauer Bevölkerung in die Recherche eingebunden wird.

Diese Kunstwerke sind wichtige historische Zeugnisse. Für viele sind sie aber auch seit Jahrzehnten Teil ihres Alltags“, sagt Professor Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung. Und er ergänzt: „Mit diesem Projekt wollen wir herausfinden welche Erinnerungen die Bewohnerinnen und Bewohner mit dieser Kunst verbinden. Welche Bedeutung hat sie heute und wie können wir sie gemeinsam erhalten?“

Die Ergebnisse der Untersuchung werden öffentlich zugänglich und langfristig nutzbar sein. Das Pilotprojekt soll damit eine Grundlage für die kultur- und erinnerungsgeschichtliche Beschäftigung mit Leipzigs baulichem und künstlerischen Erbe schaffen und zugleich als Vorbild für weitere Stadtteile dienen. red.

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