Stolz präsentieren die Behlitzer Naturschützer ihre neue Fledermauskästen. Insgesamt 16 haben sie von Hand gebaut. Foto: Behlitzer Naturschutzjugend
Stolz präsentieren die Behlitzer Naturschützer ihre neue Fledermauskästen. Insgesamt 16 haben sie von Hand gebaut. Foto: Behlitzer Naturschutzjugend

Kaum sind die Arbeiten an der Bienenburg beendet, haben die Kids der „Regenbogengruppe Behlitz“ bereits das nächste Projekt in Angriff genommen. Dieses Mal widmeten sie sich den Geschöpfen der Nacht.

Sie tragen so klangvolle Namen wie Braunes Langohr, Großer Abendsegler, Großes Mausohr oder Kleine Hufeisennase. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gibt es hierzulande 25 Fledermausarten. Doch sie zu entdecken, wird zunehmend schwieriger. Denn die kleinen Nachtschwärmer sind stark gefährdet.

Fehlende Quartiere und Nahrung

„Durch den modernen Wohnungsbau gibt es immer weniger geeignete Quartiere zum ‚Abhängen‘, als Mutterstube und zum Überwintern“, erklärt Hubertus Schmuck, Leiter der Behlitzer Naturschutzjugend. Hinzu komme, dass die intensive Land- und Forstwirtschaft den Fledermäusen vielerorts die Nahrungsgrundlage entzogen habe. Ihre Hauptnahrung sind Insekten – deren Population sei in den vergangenen Jahren jedoch um rund 70 Prozent zurückgegangen. „Fehlen Nahrung und Unterschlupf, verschwinden auch die Fledermäuse“, so Schmuck.

Kinder übernehmen ­Fledermausschutz

Um die Kids für die kleinen Flugkünstler zu sensibilisieren, unternahmen Hubertus Schmuck und Fledermausexperte Rolf Schulze aus Hohenprießnitz in den vergangenen Jahren einige Exkursionen in den Eiskeller bei Eilenburg. Dort erfuhren die Kinder viel Wissenswertes über die Lebensweise der Fledermäuse, konnten sie beobachten, anfassen und lernten, warum ihr Schutz so wichtig ist. „Eine kleine Fledermaus frisst in einer Nacht bis zu 1000 Mücken und Eintagsfliegen – darunter auch eingeschleppte Arten wie die Tigermücke“, betont der ehemalige Zootierpfleger Schmuck. Im Anschluss stand für sie fest: „Wir müssen etwas tun.

Kinder weisen Fleder­mäuse via Detektor nach

Mit einem Fledermaus-Detektor in der Hand gingen Schulze und Schmuck abends durchs Dorf, um herauszufinden, welche Arten in Behlitz heimisch sind. Dabei profitiert das Dorf von seiner besonderen Lage: „Dank des Öko-Guts Krostitz gibt es hier viele Wildkräuter und Brachflächen, die wiederum Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten sind. In Behlitz konnten bislang mehr als 200 Insektenarten nachgewiesen werden“, erklärt Hubertus Schmuck. Damit sei ausreichend Nahrung für Fledermäuse vorhanden.

Die Kinder bauten unter Anleitung viele eigene Fledermauskästen. Foto: Stolz präsentieren die Behlitzer Naturschützer ihre neue Fledermauskästen. Insgesamt 16 habensie von Hand gebaut. Foto: Behlitzer Naturschutzjugend
Die Kinder bauten unter Anleitung viele eigene Fledermauskästen. Foto: Stolz präsentieren die Behlitzer Naturschützer ihre neue Fledermauskästen. Insgesamt 16 haben
sie von Hand gebaut. Foto: Behlitzer Naturschutzjugend

Fledermäuse orientieren sich mithilfe von Ultraschallrufen mit Frequenzen von über 40 Kilohertz – weit oberhalb der menschlichen Hörfähigkeit, die bei etwa 20 Kilohertz endet. Der Detektor macht diese Rufe hörbar und sichtbar, ermöglicht so Rückschlüsse auf die jeweilige Art, da jede Fledermaus charakteristische Frequenzen nutzt. So konnten die Kinder unter anderem die Mückenfledermaus, die Zwergfledermaus, die Breitflügelfledermaus, die Wasserfledermaus, den Großen Abendsegler sowie das Graue Langohr nachweisen.

Nistkästen für die ­Nachtschwärmer

Schnell war klar, wie den Tieren konkret geholfen werden kann. Da ausreichend Nahrung vorhanden ist, fehlte vor allem eines: geeigneter Wohnraum. Also machten sich die jungen Naturschützer daran, Fledermauskästen zu bauen. Jeder übernahm einen Kasten und setzte ihn eigenständig zusammen. So entstanden im Dezember insgesamt 13 Nistkästen.

„Wir haben dafür recyceltes Holz verwendet“, erklärt Hubertus Schmuck. Da dieses bereits gut verwittert sei, würden Fledermäuse die Kästen schneller annehmen. Im Inneren wurden sie mit Holzbetonplatten ausgekleidet, die Feuchtigkeit besonders gut aufnehmen und speichern können. Das sei wichtig, denn Fledermäuse benötigen ein Quartier mit guter Luftfeuchtigkeit, alleine schon für die Spannhaut. Deshalb sind sie auch häufig in Kellern oder Höhlen zu finden.

Neue Fledermauskästen in Zschettgau

Die neuen Fledermauskästen sollen nun im Winter in Zschettgau angebracht werden. Dort hält Peter Spott auf rund fünf Hektar Dammwild. „An den Stallgebäuden werden wir die Kästen aufhängen“, erklärt Schmuck. Auch hier waren Schulze und Schmuck bereits mit dem Detektor unterwegs und konnten die Zwerg- sowie die Mückenfledermaus nachweisen. Ob die Tiere die neuen Quartiere annehmen, wird sich zeigen. „Wir werden das natürlich genau beobachten und einige Daten-Logger für Temperatur und Luftfeuchtigkeit in die Kästen einbauen“, so Schmuck.

Die Kästen dienen zunächst als Sommerquartiere. Doch auch an die Überwinterung denkt der Naturschutzjugend-Leiter bereits. Entsprechende Planungen laufen, ebenso ein Antrag auf Fördermittel. Wenn alles gut geht, könnten die Kinder schon im Sommer mit dem Bau geeigneter Winterquartiere beginnen.

Danke für Unterstützung

Möglich machte das sogenannte Batman-Projekt (englisch „bat“ für Fledermaus) die finanzielle Unterstützung der Naturstiftung David. „Dank dieser Förderung konnten wir einen Detektor anschaffen und die Nistkästen zügig umsetzen.“

Ein besonderer Dank gilt außerdem Rolf Schulze für die wissenschaftliche Unterstützung sowie der Nabu-Regionalgruppe Delitzsch unter Führung von Veronika Leißner für die fachliche Betreuung und die administrative Unterstützung.

Und schließlich dankt Schmuck seiner Frau Kathrin, die ihm den nötigen Freiraum lässt, um gemeinsam mit den Kindern solche Naturschutzprojekte auf die Beine zu stellen. Nannette Hoffmann

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