
Robert Klettner ist ein Mann der Worte. Ehrlich, sachlich, präzise und mit einer Prise Humor gespickt. Ein Mensch, dem man vertrauen kann, der einen führt. Vielleicht passt er genau deshalb in den Job, den er seit fast 15 Jahren ausübt: Er ist Standesbeamter in Delitzsch.
Ein Mann neben zwei Frauen. Dennoch sieht er sich selbst nicht als Exot. Allerdings ist es Fakt, dass er einer der wenigen männlichen Standesbeamten in Deutschland ist. Genaue Zahlen über diesen Beruf gibt es nicht. Aber der Bundesverband der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten bestätigt: „Die Standesbeamten sind in Deutschland heute hauptsächlich weiblich.“
Vielfältige Aufgaben
Für Robert Klettner ist das Standesamt eine besondere Behörde im gesamten Verwaltungsapparat. „Das Standesamt begleitet die Menschen ihr ganzes Leben – vom ersten Schrei bis zum letzten Atemzug“, beschreibt er.
Zu den Hauptaufgaben gehört die Beurkundung von wichtigen Lebensereignissen, wie Geburten, Eheschließungen, Sterbefällen, aber auch Vaterschaftsanerkennungen, Namensänderungen, Kirchenaustritte und die Führung von Personenstandsregistern. „Damit ist meine Arbeit breit gefächert, spannend und abwechslungsreich.“
In den Job hineingewachsen
Jedoch war es nicht sein Traum, in diesem Beruf zu arbeiten. „Ich bin eigentlich zu der Stelle wie die Jungfrau zum Kinde gekommen“, sagt der heute 36-Jährige. Nach seinem Studium der Allgemeinen Verwaltung an der Fachhochschule Meißen kam er nach Delitzsch. „Die Stadt war mein Praxispartner. Da meine Vorgängerin aufhörte, wurde ich am 13. April 2011 zum Standesbeamten bestellt.“ So der Fachausdruck. Mit dieser Position wurde er auch Sachgebietsleiter Personenstand.

Sein erster Gedanke: „Ui! Ich dachte an meine Schulzeit und da habe ich es immer schrecklich gefunden, vor vielen Leuten Vorträge zu halten.“ Aber wie es im Leben so ist, wächst man mit seinen Aufgaben. Nadine Fuchs, Pressesprecherin der Stadt Delitzsch, betont, dass es damals eine bewusste Entscheidung war, das bis dato weiblich geprägte Team mit einem männlichen Kollegen aufzuwerten.
Und es hat sich als richtig erwiesen: „Herr Klettner hat von Anfang an professionell und sorgfältig seine Aufgaben erfüllt und auch frischen Schwung in das Amt gebracht“, sagt sie.
Authentisch und gründlich
„Als ich anfing, war ich 22. Da haben manche sicher gedacht, was will der Jungspund hier. Heute ist das kein Thema. Ganz im Gegenteil, als Mann findest du oft einen anderen Zugang zu den Menschen“, findet er. Viele Brautpaare loben seine authentischen Reden. „Mir ist es wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich will ihnen nichts vorschreiben, sie sind alt genug und müssen wissen, was sie wollen. Ich geleite sie nur“, erklärt er.
Dennoch sollte der Standesbeamte in seinen Augen gewisse Fähigkeiten mitbringen: „Man sollte gründlich sein, denn die Unterlagen müssen stimmen, also auf Zahlen achten und den Punkt auf dem i nicht vergessen“, beschreibt Robert Klettner. Man sollte zudem gern mit Menschen zu tun haben, emphatisch sein und flexibel, da Dinge schief gehen können. „Und man sollte fortbildungsfreudig sein, da sich rechtlich viel ändert und man immer auf dem neusten Stand sein muss.“
Erinnerungen an viele Hochzeiten
1200 Trauungen hat Robert Klettner bereits vorgenommen. Ihm fällt es da schwer, eine besondere herauszugreifen. „Oft erinnert man sich eher an die Hochzeiten, bei denen etwas schief ging“, lacht er. Zum Beispiel, als ein Brautpaar vor ihm stand und feststellen musste, dass es das Kind zu Hause vergessen hat.
Internationale Hochzeiten seien auch immer spannend. „Ich hatte mal ein Paar, die brauchten zwei Dolmetscher, da sie sich untereinander nicht verstanden haben.“ Und er blickt gern an eine Hochzeit zurück, als sich zwei Mitglieder der DRK-Rettungshundestaffel das Ja-Wort gaben: „Da waren mehr Vierbeiner als Zweibeiner im Trauzimmer.“
Trotz aller Romantik ist ihm wichtig zu betonen, dass eine Hochzeit ein formeller Akt ist. „Bei mir bedeutet das, das erste Wort, das gesagt wird, zählt.“ Und meint damit so manchen Witzbold, der denkt, ein „vielleicht“ oder „naja“ zähle auch als Antwort. Aber zum Glück lautet seit Fazit nach all den Jahren: „Wer zu mir an den Tisch kommt, der sagt auch ‚ja‘.“
Trauungen haben sich mit der Zeit gewandelt
Fanden 2011/2012 insgesamt noch 180 Hochzeiten in Delitzsch statt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 131. Das bestätigt die bundesweite Statistik – heute heiraten weniger Menschen als früher. „Aber das liegt auch daran, dass die Ehen heute länger halten. Der Durchschnitt liegt bei 15 Jahren. Und, dass Leute später heiraten“, begründet er.
Was Robert Klettner in den zurückliegenden Jahren festgestellt hat: „Vor zehn Jahren hat man noch groß und pompös geheiratet, da war unser Trauzimmer brechend voll. Jetzt kommen viele Paare alleine, nur mit Kindern oder nur im engsten Kreis zur Trauung.“ Die Gründe dafür kann er schlecht einschätzen – „vielleicht haben die Menschen heute auch nicht mehr so viel Geld, wollen insgesamt weniger ausgeben oder feiern im Sinne der Nachhaltigkeit kleiner“.
Heiraten im Barockschloss Delitzsch
Vier bis maximal fünf Hochzeiten pro Tag hält Robert Klettner ab. Dabei dauere die Trauung etwa 30 Minuten. Der Wunsch an einem Samstag zu heiraten, ist in Delitzsch sehr verbreitet. Mittlerweile werde ganzjährig geheiratet und die Sommermonate sind nicht mehr so beliebt. Terminreservierungen für Eheschließungen werden frühestens acht Monate vorher persönlich oder telefonisch entgegengenommen. Die offizielle Anmeldung ist frühestens sechs Monate vor dem gewünschten Termin möglich.
Im Barockschloss Delitzsch können Paare seit 1998 heiraten – und damit in der „schönsten Sehenswürdigkeit der Stadt“. Da es im Schloss das Trauzimmer gibt, muss für die Räumlichkeit auch nicht extra bezahlt werden. Aber wer glaubt, dass all die Paare aus Delitzsch selbst kommen, der irrt. „60 Prozent der Eheleute kommen von außerhalb – sogar aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt. Das beweise, dass das Barockschloss eine hohe Strahlkraft besitze. „Außerdem bieten wir mit dem Barockgarten auch eine glanzvolle Kulisse für die Hochzeitsfotos.“ Bemängelt werde allerdings die fehlende Möglichkeit für große Feiern in Delitzsch.
Robert Klettner hat im vergangenen Jahr selbst geheiratet – allerdings in Schkeuditz. „In Delitzsch wäre es für mich nichts Besonderes gewesen.“ Und das sollte doch für jedes Brautpaar gelten, dass die Hochzeit ein einmaliges Erlebnis wird. Nannette Hoffmann

































