Hochinteressanter Exkurs in die Musikgeschichte: Jan Emendörfer (2.v.l.) und Peter Degner (l.) beim Richard-Tauber-„Spaziergang“ im „Weißen Ross“. Eine willkommene Bereicherung des Abends waren auf Schellack-Platten „konservierte“ Aufnahmen mit dem Ausnahmetenor, dessen Todestag sich zum 70. Mal jährte. Foto: André Kempner

„Lass Deinen Sohn bloß nicht Sänger werden. Das ist keine Stimme, das ist ein Zwirnsfaden“, hatte der erfolgreiche Wiener Bariton Leopold Demuth Vater Tauber abgeraten, dessen Sohn Richard gesanglich ausbilden zu lassen. Dass aus diesem „Zwirnsfaden“ die wohl berühmteste Stimme des 20. Jahrhunderts wurde, ist hinreichend bekannt. Sich dieser Tatsache wieder einmal zu erinnern – Jan Emendörfer, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, und Impresario Peter Degner machten’s möglich.

Und so waren die Zuhörer ganz Ohr bei dem  musikalisch-biografischen Richard-Tauber-„Spaziergang“ im gediegenen Gastraum vom „Weißen Roß“ in der Auguste-Schmidt-Straße. Jan Emendörfer, großer Verehrer des Sängers mit einer beachtlichen Schellackplatten-Sammlung,  hatte zwei Grammofone und 20 historische Aufnahmen dabei von „Dein ist mein ganzes Herz“ über „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ bis zu „Drunt in der Lobau“…, die, zur szenischen Lesung passend, den Abend ergreifend schön werden ließen.

Interessante Details wie der Beginn seiner Sängerkarriere in Chemnitz als Tamino in Mozarts „Zauberflöte“, Begegnungen mit dem Operettenkomponisten Franz Lehár, der Richard Tauber zu seinem Lieblingstenor kürte, sich von ihm inspirieren ließ, wurden „lebendig,“ die Auftritte Taubers von Wien über Stockholm, Berlin, Dresden bis New York, der Treff mit Marlene Dietrich … Auch von seinem wohl extra für ihn gebauten riesigen Mercedes-Benz ist die Rede, davon, dass der in Linz Geborene auch komponierte, dirigierte, als Ausnahmetalent allerorts gefeiert,  schließlich, von den Nazis vertrieben, nach England emigrierte …

Mit „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ endete  der Richard-Tauber-Abend, den – so der Wunsch der Zuhörer – weitere folgen könnten. Traudel Thalheim

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