Kerstin Nickl vom Eilenburger Wohlfühlcafé holt die Äpfel für ihren Kuchen von der Hainicher Wiese. Foto: PM

REGION. Bereits im Jahr 2002 begann der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e.V. (LPV) mit einer Kartierung von Obstbäumen entlang von Straßen und auf Wiesen im Bereich des Altkreises Delitzsch und Eilenburg.

Das Ergebnis dieser Kartierung war das bestätigte Vorkommen von über 100 einheimischen und zum Teil seltenen Apfelsorten. Diese Menge an verschiedenen Apfelsorten ist enorm, denn unsere heutige Obstwirtschaft kennt nur relativ wenige Obstsorten. Allerdings war der Zustand der Wiesen manches Mal besorgniserregend. Teilweise waren die Bäume seit Jahren bzw. Jahrzehnten ohne jeglichen Pflegeschnitt oder zusammengebrochen. Es mussten noch einige Jahre vergehen, um den Gedanken reifen zu lassen, wie man Menschen dazu bewegen kann, Obstwiesen zu nutzen oder neue Bäume anzupflanzen, um diese Vielfalt zu erhalten.

Im Rahmen eines Förderprojektes beantragte der LPV im Jahr 2011 Gelder für eine Maßnahme, die die Sensibilisierung der Menschen für alte historische Kultur- und Landschaftselemente beinhaltete. Mit öffentlichen Aktionen, wie Sortenausstellungen, Etablierung von mobilen Obstpressen, der Bildung und Nutzung eines Netzwerkes von Interessenten sowie weiteren Kartierungen und Sortenbestimmung durch einen Pomologen, wurde die Bevölkerung informiert und aktiv in den Erhalt, Schutz und Wiederaufbau solcher Wiesen einbezogen.

Auf den Wiesen sind die Obstsorten aus der Zeit unserer Großeltern vorhanden. Diese werden heute nicht mehr angebaut. Dabei sind sie in der Regel für Allergiker sehr gut geeignet, weil verträglich. Sie enthalten noch Polyphenole, die verantwortlich für den etwas sauren Geschmack und das Braunwerden der angeschnittenen Äpfel und Birnen sind. Besitzer von solchen Streuobstwiesen haben manchmal ein Problem mit der anfallenden Menge an Obst.

Der LPV ist daher immer auf der Suche nach Kooperationspartnern, die das Obst sinnvoll nutzen und verwerten. Mit Kerstin Nickl vom Eilenburger Wohlfühlcafé ist er fündig geworden. Frau Nickl fährt die Hainicher Wiese an, holt sich dort das Obst, achtet dabei darauf, dass sie sortenrein sammelt, und dann gibt es frischen, selbstgebackenen Apfelkuchen, der aus Äpfeln zum Beispiel der Sorte „Kaiser Wilhelm“, „Minister Hammerstein“ oder „Gelber Bellefleur“ besteht. Solch eine Zusammenarbeit ist wichtig für den weiteren Erhalt und das Fortbestehen derartiger Wiesen. Denn das Wohlfühlcafé erwirbt im Gegenzug einen jungen Apfelbaum einer fast ausgestorbenen alten Sorte, der wieder auf dieser Wiese eingepflanzt wird. So geht der Kreislauf von Wachsen, Ernten und Absterben auf der Wiese weiter. PM

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