Fotografin Katrin Lantzsch vorm ausgezeichneten Bild zum Thema Grenzen. Foto: Regina Katzer

Noch bis zum Sonnabend feiert Leipzig die besonderen Kulturtage – die „Stadt der Sterblichen“. Anlässlich des Endlichkeitsfestivals gab es einen Fotowettbewerb zum Thema „Grenzen“, an dem sich über 50 Teilnehmer mit ihren ganz individuellen fotografischen Arbeiten beteiligten.

20 von einer Jury ausgewählte Fotos konnten Anfang September sieben Tage lang in den Promenaden Hauptbahnhof in Augenschein genommen werden. Veranstalter Frank Pasic hatte anfänglich Bedenken: „Wegen der Auseinandersetzung mit dem Tod waren wir skeptisch. Da macht doch keiner mit“, so der Vorsitzende der Funus-Stiftung. Die große Auswahl an berührenden Bildern von Hobbyfotografen und professionellen Fotokünstlern aus Deutschland und Österreich überraschte nicht nur die Organisatoren.

Eins der prämierten Bilder stammt von Katrin Lantzsch aus Leipzig. Die Lokalmatadorin belegte nach Josef Hinterleitners „Exitus“ und Christin Rechbergers „Abschied von der Zukunft“ mit ihrem Foto „Ein Leben lang“ Platz drei. Die 51-Jährige, die als selbstständige Fotografin arbeitet, ist in Stötteritz groß geworden–, war vor der Wiedervereinigung als Facharbeiterin für Fernschreibverarbeitung, auch Telegrafistin genannt, tätig. „Ich kann mit zehn Fingern blind schreiben, in einer Geschwindigkeit, da wird dir übel“, plaudert die Eventfotografin und lacht.

Ihr ausgezeichnetes Bild, eine Schwarz-weiß Arbeit, zeigt den Händedruck eines älteren Pärchens, das bei einer Hochzeit im vergangenen Jahr entstanden ist. „Bei einer Hochzeit fängt immer ein neuer Lebensabschnitt an, und als ich die Großeltern, beide um die 80, sah, wurde mir die Endlichkeit des Lebens umso deutlicher“, so die Leipzigerin. Tod und Trauer gehören zum Leben – ihr Vater ist vor fünf Jahren gestorben, und auch von zwei geliebten Vierbeinern musste sie schon schweren Herzens Abschied nehmen. „Man weiß es, aber wenn es passiert, trifft es dich wie eine Bombe.“

Tipp: www.stadt-der-sterblichen.de/festivalprogramm/

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Stadtführer Peter Helbig plaudert am Sonntag über den Elsterstausee vor Ort. Foto: Regina Katzer

Kennen Sie noch den belebten Leipziger Elster­stausee, wo sich Alt und Jung im Wasser tummelten und bis zu 300 Tonnen Karpfen jährlich abgefischt wurden? Am kommenden Sonntag um 14 Uhr laden der Historiker Dr. Thomas Nabert vom Verein Pro Leipzig, Stadtförster Andreas Sickert und Stadtführer Peter Helbig zu einem vier Kilometer langen Rundgang um den ehemaligen Stausee. Auf der zweistündigen Exkursion erzählen die Experten viele Details zur Geschichte, gegenwärtigen Nutzung und zukünftigen Gestaltung des Areals.

Peter Helbig beschäftigt sich seit zehn Jahren mit der Historie Leipzigs und seiner Ortsteile, und wohnt noch heute in seinem Elternhaus in Schleußig. In den 1960er-Jahren radelte er oft mit Freunden oder der Familie zu der sechs Kilometer entfernten Bademöglichkeit. Der Stausee war in den 30er-Jahren gebaut worden, um das Wasser der Elster zu reinigen.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg vergnügten sich die Leipziger im kühlen Nass, und der Elsterstausee gehörte zu den wenigen Naturbädern der Messestadt. „Seit 2008 gibt es hier kein Wasser mehr, nur noch Pappeln und Birken. Am Nordstrand, wo ich einst ins Wasser ging, ist das Ufer nicht mehr zu erkennen“, erzählt der ehemalige Informatiker und zeigt eine Fotografie aus dem Buch „Der Leipziger Elster­stausee“ mit einem überdachten Pavillon für den Rettungsschwimmer, der über die Badenden wachte.

Tipp: Exkursion Elsterstausee, 29. September, 14 Uhr, Parkplatz Elsterstausee, 5 Euro pro Person

Regina Katzer

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