Schussfahrt ins nasse Glück: Auf der Rutsche des Böhlener Freibades ging es im zu Ende gehenden Sommer nur selten so entspannt zu. Foto: Roger Dietze

REGION. Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Und seine Bilanz könnte unterschiedlicher kaum ausfallen. Während Landwirte massive Ernteausfälle beklagen, hat das wochenlange stabile Hoch den Freibädern Besucherrekorde beschert.

Wenn das Rudi Carrell erlebt hätte! In seinem Gassenhauer „Wann wird‘s ‚mal wieder richtig Sommer?“ sehnte sich der niederländische Showmaster vor reichlich 40 Jahren an bereits im Mai geöffnete Freibäder, an laue Nächte vorm Haus, an 40 Grad im Schatten und an „Sonnenschein von Juni bis September“. Sprich an all jene Dinge, die der diesjährige Sommer bereitgehalten hat und die auch in Zahlen ihren Niederschlag gefunden haben. „Von Mitte Mai bis Ende August haben wir im Muldentalbad Kleinbothen fast 30.000 Besucher und damit fast doppelt so viele wie im durchwachsenen 2017er Sommer begrüßen können, im Freibad Geithain mit rund 24.700 Badegästen immerhin fast 80 Prozent mehr“, berichtet Sylke Hermann von der OEWA Wasser und Abwasser GmbH, deren Bädergesellschaft die beiden Freizeiteinrichtungen im kommunalen Auftrag betreibt. Die optimalen meteorologischen Rahmenbedingungen hätten sich zudem positiv auf die Motivation, an den Schwimmfähigkeiten zu arbeiten, ausgewirkt. „In Kleinbothen haben in diesem Zeitraum 144 Schwimmstufen und damit doppelt so viele wie in der vergangenen Saison abgenommen“, informiert Schwimmmeisterin Veronika Langefeld, die mit ihrem Team in den vergangenen Monaten Schwerstarbeit verrichten musste „Ohne die tägliche Unterstützung meiner Kollegen hätten wir diesen extrem heißen Sommer nicht so gut und vor allem unfallfrei bewältigen können, es war wirklich eine tolle Saison mit wunderbaren Gästen und jeder Menge Sonnenschein.“ Dieser brachte auch dem Böhlener Freibadbetreiber Dirk Wagner Rekord-Besucherzahlen.

„Ich gehe davon aus, dass es diesbezüglich mindestens eine Verdoppelung gab“, so Wagner, der sich „sehr zufrieden“ mit der zu Ende gehenden Badesaison zeigt. „Die Besucherzahlen allein des Julis liegen in etwa auf dem Niveau der kompletten Vorsaison.“ Dafür hat der Böhlener Freibadbetreiber vermutlich wie viele andere Selbständige in dieser Branche auch große Abstriche am Privatleben machen müssen. „Dies habe ich im Großteil des Juli und noch zum Teil im August fast auf Null herunterfahren müssen“, berichtet Dirk Wagner, dem nach eigener Aussage seine langjährige Erfahrung dabei geholfen hat, sein Personal zahlenmäßig gut aufzustellen. „Mit weniger Mitarbeitern hätte ich Schiffbruch erlitten.“ Dennoch konnte es der Böhlener Freibadbetreiber nicht vermeiden, die Öffnungszeiten einzuschränken. „Um dies zu umgehen, hätte ich einen zweiten Schwimmmeister benötigt, aber der ist auf dem Arbeitsmarkt leider nicht zu bekommen.“ Dass sich der diesjährige Sommer wiederholen wird, glaubt Dirk Wagner indes nicht. „Der Klimawandel ist spürbar, die Wetter-Modelle gehen aber hinsichtlich der Entwicklung auseinander. Ich glaube persönlich, dass die Sommer künftig eher wechselhaft und damit schwer prognostizierbar bleiben wird, was in Kombination mit der angespannten Fachkräftesituation die Arbeit in unserer Branche nicht einfach machen wird.“ Doch für den Moment jedoch hat der sich dem Ende entgegen neigende Rekordsommer auch beim Förderverein des Freibades Regis-Breitingen die Kassen gefüllt. „Das wochenlange stabile Hoch kam einen warmen Regen gleich, für die nächste Saison sind wir finanziell gut aufgestellt“, berichtet Schatzmeister Sascha Kipping. Obwohl man wegen des kurzfristigen Ausfalls des angestammten Bademeisters erst im Juni in die Saison habe starten können, habe man die notwendigen Finanzmittel für den nächsten Sommer akquirieren können. Und mehr noch. „Die Kommune hat uns die Einstellung eines zweiten Bademeisters zugesagt, sodass wir in der nächsten Saison vielleicht erweiterte Öffnungszeiten anbieten können“, so Kipping. Roger Dietze

 

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