Hat einen wahren Kinderlieder-Schatz gehoben und auf CD gebracht: Sophie Bauer, die Leiterin des Kinder- und Jugendchores der Oper Leipzig. Foto: J. Wagner

LEIPZIG. Irgendwie war diese CD dann doch nötig. „Mir sind immer wieder Lieder begegnet, die die Kinder richtig begeistert haben“, überlegt Sophie Bauer, die Leiterin des Kinder- und Jugendchores der Oper Leipzig – und jetzt ist eine Auswahl dieser Lieder auf „Kleine Augen, große Welt“ zu finden.

Die Notwendigkeit hat sie schnell erklärt – da war zum einen dieser Schatz an Melodien und Texten, angesammelt in vielen Jahren, der gehoben werden musste. „Und andererseits muss man auch mal festhalten, dass viele Kinderlieder-Veröffentlichungen nicht besonders gut sind“, überlegt Sophie Bauer. Da ist sie absolute Expertin: Seit 2005 ist sie Leiterin der Kinderchores an der Oper Leipzig, zuvor arbeitete sie schon fünf Jahre beim Gewandhaus-Kinderchor. Und wenn man mit ihr über das Singen im Allgemeinen und das Singen von Kindern im Speziellen spricht, kommt man oft aus dem Staunen nicht mehr heraus …
Erste Erkenntnis: Nicht wenige Kinder werden schlicht zum „falschen Singen“ angehalten – was Sophie Bauer dann eben auch auf den erwähnten Kinderlieder-CDs wiederfindet. „Meistens wird für Kinder viel zu tief gesungen. Aber man muss auch auf die biologischen Gegebenheiten achten – und da geht es um die kindliche Kopfstimme“, überlegt sie. Und ist überzeugt: „Mit diesem Ansatz, von oben auf die Stimme zu greifen, bringt man von 25 Kindern 24 zum Singen.“ Dann wäre da noch ein wichtiger Punkt: „Die Melodie muss Qualität haben und auch der Text muss Qualität haben.“ Auch eine Erfahrung – ja, Kinder wollen ernst genommen werden …

Vielleicht sind dies die Erklärungen dafür, dass der Kinder- und Jugendchor der Oper Leipzig so aufgeblüht ist in den letzten Jahren, Jahrzehnten. Dass er von dereinst 20 jungen Mitstreitern auf aktuell mehr als 200 angewachsen ist (und absolut keine Nachwuchssorgen hat). Dass er mit wunderbaren Produktionen überrascht (im Mai steht die Premiere der Kinderoper „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“ an) und gefragt ist in der Welt (aktuell ist Sophie Bauer mit 30 Kindern zu Gast in Boston). Und sicherlich hat es auch etwas mit dieser Vision, dieser Idee der Chorleiterin zu tun: „Ich mag es, den Kindern ein Stück Freiheit zu geben, das sie in dieser Form vielleicht nicht mehr haben.“

Diese Vision führt zu einer Spurensuche. Eben auch, weil sie selbst sagt: „Ich habe als Kind, als Jugendliche so viel mitgenommen.“ Dabei kommt sie nicht aus einer Musikerfamilie, wohl aber aus einer musikliebenden Familie. „Auf Familienfesten und zu Hause haben wir immer gesungen“, erinnert sich Sophie Bauer und natürlich war da der Chor nicht weit – in diesem speziellen Fall sogar ein Kirchenchor, der bereits zu DDR-Zeiten eine Popularität genoss. Dies, überlegt sie, sei dann wohl doch schon die Initialzündung gewesen – mit einem gewissen Umweg.

Studiert hat sie dann eigentlich Klavier an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ (zusammen mit Schulmusik). „Aber vielleicht war das Klavier doch nichts für mich: Da hatte ich immer Lampenfieber, wenn ich auf die Bühne musste“, überlegt sie. Als Chorleiterin kennt sie derlei überhaupt nicht: „Lange Zeit habe ich über meine Stärken nachgedacht. Und bin darauf gekommen, in erster Linie eine gute Pädagogin zu sein.“

Dann muss man aber auch über Glück sprechen und dies in mehrfacher Hinsicht. Darüber, dass der Kinder- und Jugendchor der Oper Leipzig genau die richtige Stelle ist für eine Chorleiterin, die von Freiheit spricht, von Spaß und Freude am Singen. Weil dieser Chor dann doch etwas ganz Besonderes ist in seiner Gleichzeitigkeit von Gesang und Bewegung. „Ja, das ist schon ein Glücksfall“, sagt sie lächelnd. Und spricht dann mit eben diesem Lächeln davon, wie schön es ist, Kinder für Kinder spielen zu lassen – mit Kinderopern wie dem erwähnten „Geheimnis der schwarzen Spinne“ (ein Stück mit dem gewissen Grusel von Judith Weir), aber auch mit ganz eigenen Produktionen, die gern auch mal mit wechselnden Ensembles, Bühnen, Partnern entwickelt werden. „Na ja, ich habe in Leipzig studiert, da bin ich ganz gut vernetzt“, und das Renommee des Chores strahlt inzwischen über die Landesgrenzen hinaus – siehe Boston, wo man gerade mit dem dortigen Jugendsinfonieorchester eine Produktion erarbeitet, die dann auch zum Bachfest in Leipzig zu erleben sein wird.

Das Glück hat aber auch noch eine andere Komponente – das ganz eigene Glück. Das Glück, eben jene CD „Kleine Augen, große Welt“ vorlegen zu können, die gewissermaßen bei ihr zu Hause in einer ehemaligen Kirche aufgenommen wurde („Ich würde mir einfach wünschen, dass möglichst viele Kinder diese CD auch hören wollen. Und natürlich auch Erwachsene – ich finde es wichtig, Dinge zu machen, die Kinder und Eltern gleichermaßen erreicht.“). Über das Glück des wunderbaren Augenblicks auf der Bühne: „Diese Gänsehautmomente machen es aus.“ Über das Glück, mit diesem Chor auf die ganz eigene Art und Weise arbeiten zu können: „Man sollte nie vergessen, dass Kinder immer noch Kinder sind. Andererseits erreichen Kinder wunderbare Dinge, wenn man sie begeistert.“

Da ist es nicht erstaunlich, wenn Sophie Bauer beim Blick in die Zukunft beinahe bescheiden bleibt, am liebsten diesen Weg weitergehen möchte, „neue Projekte und Formate erdenken, gern Cross-Over erarbeiten, internationale Kontakte pflegen“. Einen großen Traum gibt es dann aber doch: „Wie wäre es mal mit einer echten Kinderoper? Mit einem eigenen Haus für Kinder und Jugendliche?“ Was für eine charmante Idee.

J. Wagner

www.oper-leipzig.de
Die Kinderoper „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“ feiert am 25. Mai in der Schaubühne
Lindenfels ihre Premiere.
Die CD „Kleine Augen, große Welt“ ist auf dem Leipziger Label Genuin
erschienen.

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