400 Jahre alte Kelche, ein neuer Glanz: Restaurierungsprojekt in Laue zieht viele Besucher an

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Mit Interesse und Freude betrachten die Besucher des Werkstattabends die restaurierte Taufschale von Laue – ein wichtiges Kulturgut, das für kommende Generationen erhalten bleiben konnte. Foto: Nannette Hoffmann
Mit Interesse und Freude betrachten die Besucher des Werkstattabends die restaurierte Taufschale von Laue – ein wichtiges Kulturgut, das für kommende Generationen erhalten bleiben konnte. Foto: Nannette Hoffmann

Die kleine Kirche von Laue füllt sich schnell. Binnen weniger Minuten nehmen Besucherinnen und Besucher auf den Bänken Platz, manche bleiben zunächst im hinteren Teil des Gotteshauses stehen. Zu groß ist das Interesse an den Gegenständen, die an diesem Abend im Mittelpunkt stehen: ein steinerner Taufstein aus dem Jahr 1591, eine frisch restaurierte Taufschale und mehrere alte Kelche, Teller und Dosen aus den Kirchen des Pfarrbereichs Schenkenberg.

Der erste Werkstattabend der diesjährigen Internationalen Sommerschule für Restaurierung bringt dabei zwei eigenständige Projekte zusammen. Zum einen geht es um die praktische Arbeit der Sommerschule, zum anderen um eine Spendeninitiative, durch die historische liturgische Gefäße restauriert werden können.

Noch bis zum 12. September arbeiten vier Studierende internationaler Hochschulen in den Kirchen von Kyhna, Spröda und Laue. Ihnen wird dort die Möglichkeit geboten, das an ihren Hochschulen erworbene theoretische Wissen durch praktische Arbeit an historischen Objekten der Kirchenausstattung zu vertiefen und zu erweitern. An verschiedenen Ausstattungsstücken der drei barocken Kirchen sammeln sie Erfahrungen, die über das Lehrbuchwissen hinausgehen.

Ein Taufstein wird wieder stabil

Der Taufstein in Laue ist eines dieser Praxisprojekte. Das dreiteilige steinerne Stück stammt aus dem Jahr 1591 und wurde im Rahmen der Sommerschule umfassend restauriert. Steinrestauratorin Birgit Mühler erklärte den Gästen beim Werkstattabend, wie aufwendig die Arbeiten gewesen sind.

Restauratorin Christina Neubacher präsentiert die restaurierten liturgischen Gefäße aus dem Pfarrbereich Schenkenberg – sogenannte „Vasa Sacra“, um deren Konservierung sie sich seit drei Jahren kümmert. Foto: Nannette Hoffmann
Restauratorin Christina Neubacher präsentiert die restaurierten liturgischen Gefäße aus dem Pfarrbereich Schenkenberg – sogenannte „Vasa Sacra“, um deren Konservierung sie sich seit drei Jahren kümmert. Foto: Nannette Hoffmann

„Die Arbeit an diesem dreiteiligen Taufstein war äußerst spannend“, erzählt sie. Zunächst seien die einzelnen Elemente vollständig auseinandergenommen worden. Anschließend wurden sie gereinigt, Korrosionsstellen entfernt und schließlich wieder zusammengesetzt. Neue Edelstahlanker sorgen nun dafür, dass der Taufstein dauerhaft stabil befestigt ist.

Dabei sei es wichtig gewesen, möglichst viel ursprüngliche Substanz zu bewahren. „Die originalen Ziegel wurden bei der Restaurierung wiederverwendet, ebenso konnten die beiden vorhandenen Farbschichten erhalten werden“, berichtet Birgit Müller. Auch die ehemals goldene Schrift wurde sorgfältig gereinigt. Sie schimmert nun wieder bronzefarben und macht die kunstvolle Gestaltung des historischen Taufsteins deutlich sichtbar.

Eine zweite Initiative

Doch der Werkstattabend bot nicht nur Einblicke in die Arbeit der Sommerschule. Christina Neubacher stellte den Besucherinnen und Besuchern außerdem restaurierte liturgische Gefäße aus dem Pfarrbereich Schenkenberg vor. Seit rund drei Jahren kümmert sich die Diplom-Restauratorin im Auftrag des Pfarrbereichs um die Konservierung und Restaurierung der sogenannten „Vasa Sacra“.

Der lateinische Begriff bedeutet „heilige Gefäße“. Dazu zählen Kelche, Patenen (Teller), Leuchter, Schalen, Hostiendosen und Weinkannen – also jene Gegenstände, die im christlichen Gottesdienst, besonders beim Abendmahl, verwendet werden. Um diese kultur- und glaubensgeschichtlich wertvollen Stücke restaurieren zu können, hat Pfarrer Matthias Taatz eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Wahre Prunkstücke

„Als Pfarrer Matthias Taatz mit den ersten 23 Objekten zu mir kam, war ich ganz begeistert“, erinnert sich Christina Neubacher. „Für mich sind das ganz besondere Objekte, eigentlich wahre Prunkstücke, die so viel erzählen können. Sie ihrem alten Glanz zurückzuführen, ist für mich eine Herzensangelegenheit.“

Neubacher beschäftigt sich seit 30 Jahren mit kunsthandwerklichen Objekten sowie archäologischem Kulturgut aus Metall, Glas und Keramik. Dank zahlreicher Spenden konnte sie zusammen mit einem Kollegen die ersten Stücke bereits fachgerecht restaurieren und in die Gemeinden zurückgeben.

Von Korrosion und kleinen Schäden

So darf sich die Gemeinde Laue nun wieder über ihre restaurierte Taufschale freuen. Ihre Messingoberfläche wurde vollständig gereinigt und poliert. Besonders aufwendig sei diese Arbeit gewesen, weil sich in den Vertiefungen der Schale Rückstände alter Reinigungsmittel angesammelt hatten. Diese hätten die Korrosion begünstigt, erklärt Neubacher.

Der goldene Abendmahlskelch aus Zschernitz: Restauratorin Christina Neubacher präsentiert das Schmuckstück mit seiner kostbaren Vergoldung, das nach der Restaurierung in der Gemeinde wiederverwendet werden kann. Foto: Nannette Hoffmann
Der goldene Abendmahlskelch aus Zschernitz: Restauratorin Christina Neubacher präsentiert das Schmuckstück mit seiner kostbaren Vergoldung, das nach der Restaurierung in der Gemeinde wiederverwendet werden kann. Foto: Nannette Hoffmann

„Bei diesen Objekten ist es notwendig, die Reinigungsmittel gründlich zu entfernen, damit das nicht wieder passiert“, sagt sie. Die Arbeit diene deshalb nicht allein der optischen Verschönerung. Sie trage vor allem dazu bei, das Material langfristig zu schützen.

Abendmahlskelch aus Laue

Auch ein Abendmahlskelch aus Laue ist inzwischen zurückgekehrt. Er stammt aus dem Jahr 1675. Seine Oberfläche im Inneren war stark angegriffen, zudem stand der Kelch nicht mehr sicher, sondern kippelte. „Bleibt Wein längere Zeit im Gefäß, kann die Säure im Zusammenspiel mit dem Alkohol die schützende Goldschicht im Inneren angreifen und dadurch Korrosion fördern“, erläutert die Restauratorin.

Deshalb wurde der Kelch im Inneren erneut galvanisch vergoldet. Bei dieser Technik wird mithilfe von elektrischem Strom eine dünne Metallschicht aufgebracht. So ist der Kelch wieder dicht und widerstandsfähiger. Zusätzlich wurde der Fuß versilbert und ein neuer Schaft eingesetzt. „Damit er wieder stabil steht“, erklärt sie.

Risse, Dellen, abgeriebene Vergoldungen und Versilberungen sowie Korrosion seien typische Schäden an solchen Gegenständen. Dann gelte es, die Stücke intensiv zu reinigen, Korrosion zu entfernen, Dellen auszurichten, Risse zu schließen und beschädigte Oberflächen zu ergänzen. Wie viel Zeit ein einzelnes Objekt beanspruche, lasse sich kaum pauschal sagen. „Ich arbeite meistens an mehreren Objekten gleichzeitig.“ Ziel sei es aber stets, die historischen Stücke möglichst wieder verwendbar zu machen.

Ein Kelch als Schmuckstück

Weitere Beispiele ihrer Arbeit brachte Christina Neubacher mit nach Laue: eine Hostiendose aus Benndorf, an der unter anderem Unebenheiten beseitigt wurden, einen Zinnkelch aus Kyhna, der begradigt wurde, und eine Patene aus Schenkenberg, deren Kratzer ausgebessert wurden.

Steinrestauratorin Birgit Mühler erläutert beim Werkstattabend die Restaurierung des historischen Taufsteins von Laue. Foto: Nannette Hoffmann
Steinrestauratorin Birgit Mühler erläutert beim Werkstattabend die Restaurierung des historischen Taufsteins von Laue. Foto: Nannette Hoffmann

Als besonderes Schmuckstück bezeichnet Neubacher den goldenen Abendmahlskelch aus Zschernitz. Das Gefäß stammt aus dem Jahr 1612 und gilt als der älteste Kelch der Region. Sein besonderer Wert liege vor allem in seiner aufwendigen Vergoldung. „Solche Motive entstehen nur durch eine Feuervergoldung“, sagt die Restauratorin. Die Feuervergoldung ist ein historisches Verfahren, das heute nur noch selten angewendet wird. Nach Angaben Neubachers können es in Deutschland nur noch zwei Firmen ausführen.

Glücklicherweise sei die Vergoldung des Zschernitzer Kelchs nicht beschädigt gewesen. „Wir haben lediglich Dellen geglättet und den Fuß stabilisiert.“ Nun könne das Stück zurück in die Kirche nach Zschernitz gebracht und wieder genutzt werden.

Mit der Rückgabe verbindet Neubacher jedoch auch einen Wunsch: „Bitte gehen Sie vorsichtig mit diesen sensiblen Stücken um.“ Aus Sicht der Restauratorin sind einige der Gegenstände historisch und handwerklich so wertvoll, dass sie eigentlich nicht mehr regelmäßig verwendet werden sollten. Pfarrer Matthias Taatz verspricht aber eine sachgerechte Handhabung.

Erinnerungen über Generationen

Helgard Lewek freut sich besonders darüber, dass die Taufschale nach Laue zurückgekehrt ist und auch der Taufstein wieder in neuem Glanz erstrahlt. „Viele Generationen wurden hier getauft und werden es wieder“, sagt sie. Es sei schön zu erleben, dass sich junge Menschen im Rahmen der Sommerschule den historischen Schätzen annähmen.

Zugleich weiß sie, dass solche Arbeiten nur mit Unterstützung möglich sind. Ihr Dank gilt deshalb den Spenderinnen und Spendern ebenso wie Pfarrer Matthias Taatz, der diese Projekte angestoßen und ermöglicht habe.

In der Werkstatt von Christina Neubacher wartet inzwischen bereits eine zweite Charge historischer Gegenstände auf ihre Bearbeitung. Pfarrer Taatz formuliert ein klares Ziel: „Für jede Gemeinde möchte ich ein komplettes Abendmahlsset fertig restauriert haben.“

Für die Gemeinden seien die Kelche, Teller und Schalen nicht einfach nur Kunstgegenstände. Sie seien Erinnerungsstücke, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden und Taufen, Gottesdienste und Abendmahlsfeiern begleitet hätten. „Sie für die Nachwelt zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe“, betont der Pfarrer. „Denn es sind eben nicht nur Kunstgegenstände, sondern auch Gebrauchsgegenstände, die uns durch die Geschichte mit dem Glauben verbinden.“

So kehren mit jedem behutsam restaurierten Kelch, jeder Schale und jedem Stein nicht nur alte Gegenstände in ihre Kirchen zurück, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte. Nannette Hoffmann

Wer die Spendenaktion zur Rettung der sakralen Kleinode unterstützen möchte, findet alle Informationen und das digitale Spendenregal online unter pfarrbereich-schenkenberg.de. Alternativ können Spendenwünsche auch direkt per E-Mail an matthias.taatz@t-online.de gerichtet werden.

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