Hobbyastronom Henri Schulz erfüllt sich Traum von eigener Sternwarte

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Frontkuppel
Mit seinem selbstgebauten Teleskop und hier im Bild dem selbst ­geschliffenen 40-Zentimter-Spiegel kann Henri Schulz einen tiefen Blick ins All werfen. Foto: privat

Aktuell herrscht Baustelle im Winkel 4 in Kletzen. Doch manchmal kann man sich den Zeitpunkt eben nicht aussuchen. Im Fall von Henri Schulz sagte die Kuppel seiner Sternwarte, dass es Zeit für einen Neuanstrich war. „Die Kuppel misst 4,10 Meter im Durchmesser, ist damit fast 70 Quadratmeter groß. Die zu streichen, ist schon eine Heidenarbeit“, sagt der Hobbyastronom. Hinzu kommt eine größere Säule, die demnächst ein Teleskop mit einem 60 Zentimeter großen Spiegel tragen soll.

Henri Schulz ist diese Arbeit gewohnt – sie macht ihm nichts aus. Denn in seinem Garten hat er das geschaffen, wovon andere nur träumen können: dem Sternenhimmel ganz nah zu sein.

Die Idee wächst im Garten

Sterne, Galaxien, Nebel, Planeten – die Astronomie hat Henri Schulz schon immer fasziniert. „Die Astronomie ist eine der ältesten, vielleicht sogar die älteste Wissenschaft der Menschheit. Sie erforscht wissenschaftlich die Zusammenhänge des Kosmos, aber für mich als Hobbyastronom geht es vor allem darum, mit eigenen Augen zu sehen, dass unsere Erde eben nicht alles ist, sondern nur ein winziger Teil eines unvorstellbar riesigen Universums voller faszinierender Himmelskörper“, erklärt Henri Schulz sein Interesse. Für ihn sei es außerdem unglaublich spannend, durch Entdeckungen im All zu verstehen, wie einzigartig sich das Leben hier bei uns überhaupt erst durch die richtigen kosmischen Bedingungen habe entwickeln können.

Henri Schulz
Henri Schulz vor seiner Sternwarte. Foto: Nannette Hoffmann

Seit seiner Kindheit geht sein Blick immer nach oben. Als er sich 2003 mit seinem Spiegelteleskop in den Garten setzte, reichte ihm die Vergrößerung nicht mehr aus. „Ende 2005 las ich zufällig in Foren über Menschen, die die Optiken für ihre Teleskope selbst herstellen“, berichtet er. „Ich konnte anfangs kaum glauben, dass dies möglich wäre, denn da wurde mit Größenordnungen im Nanometerbereich gespielt, die sich meiner Vorstellungskraft entzogen.“ Aber das Interesse war geweckt.

Im Dezember 2005 bestellte er sich einen 30,5 Zentimeter großen Rohling und alle nötigen Schleifmaterialien. Doch damit nicht genug: Damit er den Spiegel nutzen konnte, brauchte er ja ein Teleskop. Also baute er sich eines und eine Montierung dazu. „Alles wog am Ende zusammen 160 Kilogramm. Das einfach zu bewegen, war unmöglich“, erzählt er. Also nahm eine andere Idee Gestalt an: eine eigene Sternwarte. „Der Bau einer Sternwarte in dieser Größenordnung ist ohne Baugenehmigung in Deutschland nicht möglich. Glücklicherweise habe ich nach längerer Suche einen Ingenieur gefunden, der meine Ideen und Zeichnungen unterstützt hat.“

Ein Bauprojekt in ­Eigenleistung

Seinen Traum verwirklichte er sich in nur wenigen Monaten komplett in Eigenleistung. Von April bis Oktober 2006 erfolgten der Erdaushub, der Bau des Fundaments und einer sechs Meter hohen Säule, die später das Gewicht des Teleskops tragen sollte und nicht mit dem Gebäude verbunden ist, dann das dreistöckige Mauerwerk der Sternwarte und schließlich die Kuppel. „Die Konstruktion so einer drehbaren Kuppel war für mich eine echte Herausforderung“, erinnert er sich. Aber wie sagt man so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben.

Sternwarte im Garten
2006 erfüllte sich Henri Schulz einen Traum: Er baute in seinem Garten eine eigene Sternwarte. Foto: privat

Das Gesamtgewicht der Kuppel beträgt etwa 500 Kilogramm, auf 16 Rollen lässt sie sich leicht von Hand drehen. 2016 baute Henri Schulz eine elektrische Motorsteuerung ein. Das war notwendig, weil sich die Erde in 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht und die Objekte deshalb innerhalb weniger Sekunden aus dem Sichtfeld des Teleskops wandern. „Dank der Motorsteuerung kann ich ohne Einschränkung zum Beispiel die ISS aufnehmen, während die Kuppel dem Teleskop folgt“, sagt er.

Wenn die Sterne nahe rücken

Per Fernsteuerung kann er die Beobachtungen und Aufnahmen auch vom warmen Wohnzimmer aus steuern, statt bei Minusgraden in der Sternwarte zu sitzen, oder alles automatisiert ablaufen lassen.

Seine erste Beobachtung mit dem neuen Teleskop in der eigenen Sternwarte war der Saturn. „Ich saß sicher eine halbe Stunde vor dem Okular. Der Saturn war mir so nah, es war einfach ein Gänsehautmoment“, erinnert er sich. Und doch blieb bis zuletzt eine gewisse Spannung, denn bei aller Planung wusste er nicht, ob alles so funktionieren würde. „Alles hier in der Sternwarte gibt es nicht zu kaufen, das habe ich alles selbst konstruiert und gebaut.“ Doch es funktionierte – und das bewies ihm, dass man vieles schaffen kann, wenn man es wirklich will.

Jupiter
In seiner Sternwarte kann Henri Schulz sich die Atmosphäre der ­Planeten genauer anschauen – wie hier den Jupiter, den regelmäßig Wirbelstürme befallen. Der
­bekannteste Wirbelsturm auf dem Jupiter ist der Große Rote Fleck (links zu sehen). Es
ist der größte Wirbelsturm im Sonnensystem und schon seit etwa 350 Jahren bekannt.
Unten rechts sieht man sogar den größten Mond im Sonnensystem – Ganymed. Foto: privat

Seither schaut er sich die Planeten am Himmel an – „denn nun kann ich deren Atmosphäre sehr gut erkennen“. Zum Beispiel, wenn auf dem Planeten Jupiter mal wieder Wirbelstürme toben. Aber auch Kometen, Galaxien, Sternhaufen oder Ereignisse wie Polarlichter, planetarische Nebel oder eine Supernova beobachtet er regelmäßig. „Aber ich schaue nicht täglich durch das Teleskop, dann wird es ja langweilig“, betont Henri Schulz.

Blick ins All, Blick nach vorn

Um den Blick immer tiefer und weiter ins Universum werfen zu können, hat Henri Schulz 2010 zunächst ein neues Teleskop mit einem 40 Zentimeter großen Spiegel gebaut und bis jetzt genutzt. Im Rahmen seiner aktuellen Bauarbeiten „gönnt“ er sich nun ein neues Teleskop mit noch mehr Öffnung. Die höhere Auflösung sorgt dafür, dass man lichtschwache Galaxien deutlicher sehen könne. „Mit dem 60-Zentimeter-Spiegel könnte ich jetzt sogar Exoplaneten nachweisen“, berichtet er.

Komet
C/2020 F3 (NEOWISE) ist ein Komet, den Henri Schulz 2020 genauer ­beobachtete –
in ca. 43 Millionen Kilometern Entfernung zur Sonne. Foto: privat

Die neue Säule steht, und demnächst wird das neue Teleskop aufgesetzt. Dann geht es an die Feinjustierung, denn jede der mehr als 2000 Schrauben muss präzise sitzen. „Ich hoffe, dass ich im Oktober schon meine ersten Sichtungen vornehmen kann.“

Was einst mit einem Blick in den Himmel begann, ist in Kletzen zu einem Ort geworden, an dem Henri Schulz dem Universum jeden Abend ein Stück näherkommt. Nannette Hoffmann

Wer mehr über die Sternwarte und die Arbeit daran erfahren oder Kontakt mit Henri Schulz aufnehmen möchte, um selbst einmal in die Sterne zu schauen, findet Informationen unter www.sternwarte-kletzen.de.

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