
Etwas versteckt liegt die Kirche Kölsa ganz ruhig neben dem Dorfteich. Sie besitzt einen massigen, runden Wehrturm. „Das haben nicht viele Kirchen bei uns“, sagt Pfarrer Matthias Taatz.
Ursprünglich stand an dieser Stelle eine kleine Burganlage. An ihr verlief die Alte Salzstraße, eine historische Handelsroute. Für ihre Sicherheit sorgten kleine Soldatentruppen, die der damalige Rittergutsbesitzer mit dieser Aufgabe beauftragte. Der Dorfteich ist vermutlich ein Rest des alten Burggrabens. Auch Fundamentreste, die bei Beerdigungen in neuerer Zeit entdeckt wurden, verweisen auf diesen historischen Mittelpunkt.
Steine wurden wohl als Baumaterial genutzt
„Spätestens um 1300 herum verlor Kölsas Burganlage allerdings ihre Bedeutung, da sich die wirtschaftlichen und politischen Strukturen im Spätmittelalter grundlegend veränderten“, erzählt der Pfarrer. Die Burg verfiel, ihre Steine wurden wohl als Baumaterial weiterverwendet.
Dafür könnten Kapitelle im Altarraum ein Beispiel sein. Vielleicht stammen sie noch von der alten Burganlage und wurden später in den Kirchenbau eingebunden. Sicher belegen lässt sich das jedoch nicht. „Vieles von damals ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Das Einzige, was in Kölsa an dieser Stelle erhalten blieb, war der Turm.“
An diesen ehemaligen Wehrturm ließ der Rittergutsbesitzer später das Kirchenschiff im spätgotischen Stil anbauen. Das muss zwischen 1522 – darauf verweist ein Stein in der Außenwand – und 1529 geschehen sein, einer Jahreszahl im Inneren der Kirche zufolge.
Schätze hinter schlichten Mauern
Hinter den äußeren Mauern der kleinen Dorfkirche lassen sich einige Schätze entdecken. Dazu gehört vor allem das hochgotische Netzgewölbe, das sich vom Eingang bis in den Altarraum erstreckt. „Das macht schon was her“, findet Pfarrer Matthias Taatz. „Für mich ist es wie Notre-Dame – nur auf dem Dorf.“

den Altarraum und verleiht der kleinen Kölsaer Kirche ihre be-
sondere Raumwirkung. Foto: Nannette Hoffmann
Im Chorraum sind bis heute zwei Ältestengestühle erhalten. „Hier saßen die Ältesten im Angesicht der Gemeinde“, erklärt der Pfarrer. Umso verwunderlicher ist ein drittes Gestühl im hinteren Teil der Kirche. Darin sind Familiennamen eingraviert, die bis heute im Dorf vorkommen. Warum es dort steht, weiß niemand genau. „Wahrscheinlich wollte man es nicht wegwerfen“, vermutet Taatz. Denkbar wäre auch, dass das Gestühl einst um den Altar herumstand. Belege gibt es dafür jedoch nicht.
Eine Kanzel aus Glesien
Belegbar ist dagegen die Herkunft der Kanzel. Sie stand ursprünglich in Glesien. Kölsa und Glesien hatten denselben Grundherren. Als die Glesiener Kirche eine neue Kanzel erhielt, kam die alte nach Kölsa. Doch sie passte nicht ganz und wurde erweitert. Bei der Restaurierung zeigte sich das an Mustern in einer Ecke, die nicht identisch waren.
Die Kanzeldecke zeigt eine Auferstehungsszene: Einen schlafenden Soldaten, der das Grab Jesu bewacht, und darüber Jesus, der in den Himmel auffährt.
Für Matthias Taatz ist die Kanzel auch mit einer persönlichen Erinnerung verbunden. In seiner Anfangszeit predigte er an Heiligabend oft von dort, um den Menschen auf der Empore näher zu sein. Dabei kam es einmal zu einem eher unerwarteten Erlebnis. Bis heute steht an Heiligabend neben dem Altar ein 2,20 Meter hoher Christbaum mit echten Kerzen – schlicht geschmückt mit Äpfeln und Strohsternen.
„Aber die Kölsaer lieben das“, sagt der Pfarrer. Während einer Predigt bemerkte er, wie die Menschen auf der Empore ihn besonders aufmerksam ansahen. „Ich dachte, sie hängen an meinen Lippen, nehmen meine Predigt in sich auf.“ Dann blickte er auf seinen Talar: Kleine Flammen schlugen bereits am Ärmel hoch. „Ich stand zu nah am Christbaum mit den echten Kerzen“, erzählt er heute lachend.
Sieg über Tod und Teufel
Der hölzerne Barockaltar war vor seiner Restaurierung weiß mit Gold und Silber gefasst. Unter dieser Gestaltung fanden sich drei bis vier weitere Farbschichten. „Wir entschieden uns für die letzte Bemalung des 19. Jahrhunderts. Das passt besser in die Atmosphäre der Kirche und lässt die Schlichtheit des Altars zur Geltung kommen“, so Taatz.
An der Predella, dem Sockelbereich des Altars, prangen links und rechts die Wappen der Gutsbesitzer. In der Mitte steht ein Abendmahlsspruch. Das Altarbild zeigt die Kreuzigung Jesu vor einem Sternenhimmel. Blumen und Ranken ziehen sich an den Seiten nach oben. Darüber ist in einer Querleiste eine Sonne mit einem Dreieck zu sehen – ein Symbol für die Dreifaltigkeit.
Brücke zwischen Altem und Neuem Testament
Auf dieser Leiste stehen drei Figuren: links Moses, der erste Prophet in der Bibel, mit den Zehn Geboten in der Hand, und rechts Johannes der Täufer, der letzte Prophet, mit einem Kelch. „Eigentlich ist der Kelch das falsche Symbol für Johannes“, erklärt Matthias Taatz. In der christlichen Ikonografie stehe er jedoch für die Brücke zwischen Altem und Neuem Testament. Johannes werde deshalb in vielen Kirchen als zentrale Figur dargestellt.

Ganz oben auf dem Altar steht eine zweite Jesusfigur: der auferstandene Christus. Unter seinen Füßen liegen Tod und Teufel, angedeutet durch Totenkopf, Schwanz und Huf. „Es zeigt, dass Jesus den Tod und den Teufel überwunden hat.“ Solche Darstellungen seien eher selten. Bemerkenswert sind auch die Granatäpfel neben den Figuren. Mit ihren vielen Kernen symbolisieren sie die Gesetze Gottes. Insgesamt gibt es davon 613. „Und man sagt, ein Granatapfel habe solch eine Anzahl an Kernen“, berichtet der Pfarrer.
Klangvolle Orgel und evangelischer Beichtstuhl
Gegenüber dem Altar steht die große Rühlmann-Orgel. Kommerzienrat Holzweißig schenkte sie 1906 seiner Taufkirche. „Da sie ihm aber zu leise war, hat er einfach Register dazu gekauft“, erzählt Taatz. Für die kleine Kirche ist die Orgel heute fast zu kraftvoll. Gerade das mache aber ihren Reiz aus. „Sie überzeugt mit einer unglaublichen Farbigkeit. Du kannst Jazz auf ihr spielen ebenso wie Jahrmarktmusik.“
Eine weitere Besonderheit ist der evangelische Beichtstuhl. Die evangelische Kirche kenne mit Taufe und Abendmahl nur zwei Sakramente. Weil Martin Luther jedoch regelmäßig zur Beichte ging, gilt sie als Halbsakrament. Anders als in der katholischen Kirche fand die evangelische Beichte lange Zeit „cura publica“ statt: im Angesicht der Gemeinde. Sie war nicht hörbar, aber sichtbar – und bis ins 16. Jahrhundert hinein üblich. Nannette Hoffmann



































