Neue Ausstellung erinnert an Zwangsarbeit in Böhlen und Espenhain

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Die Ausstellung auf dem Platz des Friedens in Böhlen zeigt das Schicksal Tausender Zwangsarbeiter. Foto: Alexander Graeff
Die Ausstellung auf dem Platz des Friedens in Böhlen zeigt das Schicksal Tausender Zwangsarbeiter. Foto: Alexander Graeff

Derzeit ist eine Ausstellung zur NS-Zwangsarbeit im Industriekomplex Böhlen-Espenhain auf dem Platz des Friedens zu sehen. Das Projekt unter Leitung von GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP – Studio for Aural Arts macht im öffentlichen Raum informativ und künstlerisch auf dieses düstere Kapitel der lokalen Geschichte aufmerksam.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt, um Treibstoffe für den deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg zu produzieren. Die Menschen arbeiteten zwischen 1939 und 1945 im nahegelegenen Braunkohlen- und Benzinwerk der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) und der Braunkohlen-Benzin AG (BRABAG). Das erste Werk der BRABAG in Böhlen übernahm dabei eine Vorbildfunktion in der Ausbildung von Zwangsarbeitern im NS-Staat.

Zivile Fremdarbeiter, dienstverpflichtete Deutschen

Insgesamt betraf die Zwangsarbeit hier vermutlich mehrere 10.000 Menschen aus mindestens 21 Nationen, vom zivilen Fremdarbeiter, dienstverpflichteten Deutschen über Kriegsgefangene und italienische Militärinternierte bis hin zu KZ-Häftlingen. Die Menschen waren in verschiedenen Lagern untergebracht, die sie teilweise nur zum Arbeiten verlassen durften. In den Lagern Pulgar und Zeschwitz wurden sogar Bordelle eingerichtet, in denen Frauen zur Prostitution gezwungen wurden. Zwischen 610 und 743 Menschen überlebten Hunger, Arbeitsbedingungen, Krankheiten und Kriegseinwirkungen nicht.

Neue Recherchen im Rahmen des Projektes ergaben teils bisher unbekannte Fakten zum Zwangsarbeitskomplex Böhlen-Espenhain. So war Böhlen nach aktuellem Kenntnisstand auch der erste Einsatzort für polnische Kriegsgefangene in der deutschen Industrie ab Oktober 1939. Über einen öffentlichen Aufruf konnten zudem Gespräche mit lokalen Zeitzeug*innen geführt werden.

Einzelschicksale der Zwangsarbeitenden

Wichtig war dem Projektteam, Einzelschicksale der Zwangsarbeitenden aufzuzeigen: So zum Beispiel von der Ukrainerin Maria Ostapowna Owod (1924–1998). Sie leistete Zwangsarbeit als Gleisarbeiterin bei der ASW Espenhain. Um ihre kargen Essensrationen aufzubessern, nutzte sie ihren freien Sonntag, um in Neukieritzsch bei einem Bauern zu arbeiten.

Dadurch entstand eine persönliche Bindung, die über das Kriegsende hinaus bestand. Das Gegenbeispiel stellte der 17-jährige Alfons M. dar. Dieser wurde nach einer Denunziation im Dezember 1943 an die Gestapo überstellt, weil er nach Lebensmitteln gebettelt hatte.

Verschiedene Widerstandsaktionen

Die Zwangsarbeitenden und Kriegsgefangenen waren keineswegs nur passive Opfer. Es lassen sich verschiedene Widerstandsaktionen nachweisen – vom Herstellen von Werkzeugen aus Betriebsmitteln über eine Fluchtorganisation mit Passfälscherwerkstatt bis zur Gründung einer Widerstandsgruppe. Bei Aufdeckung drohte die Überstellung an die Gestapo, wobei das weitere Schicksal Verhafteten unklar bleibt.

„WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht“ wird von einem breiten Bündnis aus Vereinen, Historiker*innen, Schulklassen aus den Lernwelten Großdeuben und dem Gymnasium Borna, Pädagog*innen und Kunstschaffenden umgesetzt. Das Projekt macht nun mit Hörstücken, Illustrationen, Texten und historischen Fotografien auf die Geschichte der Zwangsarbeitenden aufmerksam, um aktiv gelebte Erinnerungskultur zu fördern und zu fordern. Die Ausstellung ist für die kommenden zwei Jahre kostenfrei und jederzeit in Böhlen auf dem Platz des Friedens zu sehen.

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