Modschegiebchen‘ und Kaffeeklatsch: Klaus Petermann feiert die sächsische Mundart

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Bringt das "Sächs'sche" unter die Leute und dies gern auch mal in der Hauptstadt Berlin: Klaus Petermann. Foto: privat

„Genn Sie sächs`sch?“ Am Thalheim’schen Küchentisch sitzt einer, der kanns wirklich perfekt. Darf man vorstellen? Klaus Petermann. Einer, der mit Witz, Charme und Augenzwinkern sein Publikum unterhält und zwar eben auf „sächs’sch“.

Wie es dazu kam? „Schuld“ ist der Bücherschrank in der elterlichen Wohnung: Da entdeckte er als Zwölfjähriger beispielsweise die Werke der Leipziger Schriftstellerin Lene Voigt und wunderte sich über ihre besondere Ausdrucksweise.

Das war ein entscheidender Moment. Der Moment, in dem Lene Voigt mit ihrer sächsischen Mundart sein „Gemiet“ geweckt hatte. Und so kam es, dass dieser Dialekt ihm mehr und mehr gefiel. Mehr noch: Er sollte ihn nie wieder loslassen. Während des Lehrerstudiums steckte er damit Kommilitonen regelrecht an. Und so passierte es ab und an, dass sie in Leipziger Kneipen die Lene Voigt nicht nur in der Tasche, sondern auch im Kopf hatten und damit Minuten für Lacher sorgten.

Die Sache mit den „Modschegiebchen“

Besonderen Spaß gab es – so erinnert er sich heute noch – wenn er ausländische Studenten traf und mit ihnen beispielweise das berühmte „Modschegiebchen“ ( so wird auf „sächs’sch“ der Marienkäfer genannt) so lange übte, bis es wirklich alle drauf hatten. Irgendwie eine Erfahrung fürs Leben: Später als Lehrer hat er auf humorvolle Weise die Schülerinnen und Schüler für die Klassik begeistert, indem er beispielsweise beim Thema Friedrich Schiller auch Lene Voigts sächsische Schiller-Mundart nutzte. Das kam beim jungen Publikum besonders gut an …

In Gedanken beim Dichterfürsten

„Denn“, so sagt Klaus Petermann mit fester Überzeugung: „Heimat fängt mit Sprache an.“ Und er denkt dabei auch an den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der es einst so formulierte: „Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“

Unterwegs mit Witz, Charme und Augenzwinkern: So lebt Klaus Petermann seine Leidenschaft für Lene Voigt und das "Sächs'sche". Foto: privat
Unterwegs mit Witz, Charme und Augenzwinkern: So lebt Klaus Petermann seine Leidenschaft für Lene Voigt und das „Sächs’sche“. Foto: privat

Neben seinem Unterricht ging er in Kinderferienlager und arbeitete dort mit behinderten Kinder. Und auch da nahm er seine Begeisterung für das „Sächs’sche“ mit – und weckte oft nachhaltiges Interesse. Was dann letztlich auch dabei half, in Grimma die erste Schule für geistig Behinderte mit aufzubauen.

Und schließlich machte er aus seinem Hobby eine Berufung: Die Mundart der Lene Voigt hinaus in die Welt zu tragen. Auf der Bühne, aber auch mit Büchern wie zum Beispiel „De „Barbbierdande“, in dem auch noch nicht veröffentlichte Texte von der Autorin zu finden sind.

1500 Auftritte als Mundartartist

An die 1500 Auftritte sind es bisher geworden, in denen er als Mundartartist und Conferencier allerlei kabarettistische Leckerbissen, Poesie und Humor der besonderen, weil „sächs’schen“ Art serviert. Und dies nicht nur in Sachsen, sondern auch in Thüringen und in Berlin, auf der Nordseeinsel Fehmarn und in Schwäbisch Hall. Dabei hat Klaus Petermann viele wunderschöne Momente erlebt und auch jede Menge Komplimente eingesammelt.

Anfangs habe er schon so seine Bedenken gehabt mit dem „Sächs’schen“ im Westen. Das gibt er offen zu. Aber weit gefehlt: So eine Offenheit, so ein Dankeschön, das sei ihm wie Öl herunter gegangen – und tut es noch heute. Und er erzählt: „In einem Seniorenheim äußerte sich eine Dame, dass sie nach ihrem Schlaganfall das erste Mal wieder gelacht habe.“ Kein Wunder, dass die Bühne nach wie vor sein zweites Zuhause ist – so kann man Klaus Petermann erleben am 3. Oktober beim Kultursommer zum Kaffeeklatsch in Hainichen.

Vereinsvorsitzender. der Lene-Voigt-Gesellschaft

Zu einem wichtigen Jahr: 1995 wurde die Lene-Voigt-Gesellschaft gegründet, da mischte und mischt er natürlich mit – seit 2014 als Vereinsvorsitzender. Angestoßen hat man eine ganze Menge: Zum Beispiel mit dem „Gaggaudebbchen“ – klar, das Kakaotöpfchen – das sich einmal mehr an den sächsischen Nachwuchs richtet: Der seit 1999 stattfindende Kinder- und Jugendrezitationswettbewerb zur Dichtkunst der Lene Voigt geht einmal im Jahr über die Bühne – anno 2026 zum 27. Mal.

Natürlich standesgemäß in der Lene-Voigt-Turnhalle im Süden Leipzigs: Da waren Mädchen und Jungen aus Dresden, Zwickau, Chemnitz, Delitzsch und Leipzig am Start. Kurz gesagt: Hier hat man eine erfolgreiche Tradition gemeinsam mit Schulen, Lehrern Eltern Sponsoren und den 65 Mitgliedern des Vereins ins Leben gerufen, die das „Sächs’sche“ lebendig hält. Ach ja: Das nächste Gaggaudebbchen findet am 13. April 2027 wieder in der Lene-Voigt-Turnhalle statt.

Ein neues Zuhause

Ganz stolz ist Klaus Petermann mit seinen Vereinsmitgliedern auf das neue Zuhause in der Diakonissenstraße 1, das im Februar dieses Jahres eröffnet wurde. „Damit hat unser Verein nicht nur eine neue Heimstatt, sondern auch ein Museum, ein Archiv. Und es ist eine Begegnungs-und Veranstaltungsstätte der besonderen Art.“

Zur Eröffnung brachte so mancher eine Kaffeetasse mit, so dass gleich am ersten Tag ein gemeinsames Plaudern mit Kaffeetrinken das neue Heim „einläutete“. Inzwischen gibt’s dafür einen festen Termin, nämlich immer dienstags von 14 bis 16 Uhr. Mit Kaffee, Kuchen, Fettbemmen und gern auch mal Promis: Kürzlich gab sich Schauspieler Thorsten Wolf ein Stelldichein. Nicht zu vergessen: Seit 2025 gibt es auch eine Sächsische Lesebühne in Grünau, die monatlich einmal einlädt.

Familientreff in Bad Düben

Bei all dem Engagement kommt bei Petermanns das Private nicht zu kurz. Da ist zum einen Ehefrau Elke, die ihn bei seiner Leidenschaft für das „Sächs’sche“ ganz fabelhaft unterstützt. Und ohnehin gibt es da die große Familie, die gern und oft beieinander sitzt. Am liebsten in der Datsche in Bad Düben.

„In einem Seniorenheim äußerte sich eine Dame, dass sie nach ihrem Schlaganfall das erste Mal wieder gelacht habe.“

Und manchmal gewinnen da auch Dinge eine ganz eigene Dynamik: Einer seiner Enkel Joshua hatte seinem Lehrer erzählt, dass sein Opa doch gern mal eine „sächs`sche“ Unterrichtsstunde machen möchte, wovon der Opa allerdings nichts wußte. Zur Freude der ganzen Klasse war Klaus Petermann dann aber doch am Start – Ehrensache!

Die Petermanns fahren auch gern in den Urlaub. Nach Schwerin zum Beispiel, in dessen Schloss der Sage nach das Petermännchen geistert. Aber auch ins Erzgebirge, um sich an der wunderschönen Natur im Allgemeinen und der Eulenbeobachtung im Besonderen zu erfreuen. Und Klaus Petermann ist heute noch erfreut, dass er einst mit Kindern beim sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmar zu Gast sein durfte.

Letzte Frage: Und was gibt’s zum Sonntagsfrühstück? „Manchmal ein Stück von meinem selbst gebackenen Kuchen, belegte Brötchen, Rührei und natürlich ein Scheelchen Heeßen. Als Hymne auf den Gaffee.“ Traudel Thalheim

Infos: www.lene-voigt.de

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