Durch Leipzigs Unterwelt: Eine Tour durch die Kanalisation

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Kanaleinstieg auf dem Richard-Wagner-Platz zum Tag des Toilettenpapiers. Leipziger Wasserwerke informieren über das Thema Kanalisation. Foto: Wolfgang Sens
Kanaleinstieg auf dem Richard-Wagner-Platz zum Tag des Toilettenpapiers. Leipziger Wasserwerke informieren über das Thema Kanalisation. Foto: Wolfgang Sens

Draußen nieselt es leicht, der Wind weht und das Thermometer zeigt 17 Grad Celsius. Am Goerdelerring befindet sich ein offener Schacht. Die Leipziger Wasserwerke haben ihn anlässlich des Tags des Toilettenpapiers am 26. August für uns geöffnet. Wenige Minuten stehen wir selbst davor, in gelben Gummistiefeln, weißen Schutzanzügen, dicken Handschuhen und Helmen. Dann geht es hinunter in Leipzigs Kanalisation.

Unten ist von den 17 Grad nichts mehr zu spüren. Die Luft ist warm und feucht, fast schwül. Dazu zieht der Geruch von Ammoniak, Schwefelsäure und leichter Fäulnis in die Nase. Ein ganz anderer Eindruck von Leipzig als der, den man oben auf dem Goerdelerring gewohnt ist.

Unterirdisch führt der Weg zunächst in Richtung der Straßenbahnhaltestelle. Das Abwasser ist kniehoch und fließt mit überraschend hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Trotzdem lässt sich in diesem Abschnitt aufrecht gehen, da die Deckenhöhe rund 1,90 Meter beträgt.

Urin, Kot und Toilettenpapier

Sven Lietzmann, der die Führung leitet, erklärt, was in der Kanalisation eigentlich landen darf. Die Antwort ist schnell zusammengefasst: Urin, Kot und Toilettenpapier. Feuchttücher gehören ebenso wenig hinein wie Damenstrumpfhosen, Binden oder andere Hygiene­artikel. Auch Essensreste können Probleme wie Rohrverstopfungen oder das Anlocken von Ratten verursachen. Eine dünne Hühnersuppe darf zwar in der Toilette landen, allerdings nur, wenn vorher beispielsweise die Nudeln herausgesiebt wurden.

Sven Lietzmann, (Brille) Teamleiter für das Anlagen- und Kanalnetzmanagement bei den Leipziger Wasserwerken führt durch den Untergrund. Foto: Wolfgang Sens
Sven Lietzmann, (Brille) Teamleiter für das Anlagen- und Kanalnetzmanagement bei den Leipziger Wasserwerken führt durch den Untergrund. Foto: Wolfgang Sens

Dass solche Regeln nicht ohne Grund existieren, wird hier unten schnell deutlich. Leipzig verfügt über ein mehr als 2500 Kilometer langes Mischwassernetz, in dem Regen- und Abwasser gemeinsam abgeleitet werden. Was hier unten unscheinbar vor sich hinfließt, ist für das Leben über der Erde grundlegend.

Abwasser wird zuverlässig zum Klärwerk geleitet

Das Kanalnetz sorgt dafür, dass das Abwasser zuverlässig zum Klärwerk geleitet wird und hygienische Bedingungen für die Menschen überhaupt aufrechterhalten werden können. Und manches davon ist schon seit mehr als einem Jahrhundert im Einsatz. Der Abschnitt, durch den wir laufen, wurde zwischen 1890 und 1900 erbaut.

Weiter geht es in der Leipziger Unterwelt in Richtung Naturkundemuseum. Der breite Kanal wird dabei zunehmend enger und verwandelt sich in einen niedrigen, tunnelförmigen Gang. Jetzt heißt es Kopf einziehen und gebückt weiterlaufen. Der Gedanke, dass hier täglich unzählige Menschen nichts ahnend über diesen unterirdischen Wegen unterwegs sind, fühlt sich schon eigenartig an.

Schließlich erreichen wir den Bereich, an dem sich Elstermühlgraben und Pleiße­mühlgraben beinahe kreuzen. Hier geht es wieder nach oben. Wir werden angeseilt und klettern über die Metallstufen wieder ans Tageslicht. Da ist dann wieder plötzlich die Stadt, mit Straßenbahnen, Autos und Passanten. Vom Kanal, durch den wir gerade noch stapften, ist nichts mehr zu sehen. Nur die feuchten Gummistiefel und der Geruch, der noch ein wenig an uns haftet, erinnern daran, wo wir gerade waren. Julian Sadowsky

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