Fledermäuse fangen, Käfer bestimmen: Tag der Artenvielfalt am Werbeliner See

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Tag der Artenvielfalt: Experte Andreas Raffelt (2.v.l.) im Gespräch mit Laienforschern. An der Citizen-Science-Veranstaltung im Naturschutzgebiet Werbeliner See nahmen im Jahr 2025 20 Interessenten teil. Diese wurden von vier Experten angeleitet und lernten dabei viel Wissenswertes über die Lebensweisen der verschiedenen Arten und die Notwendigkeit ihres besonderen Schutzes. Foto: LRA/Jäger
Tag der Artenvielfalt: Experte Andreas Raffelt (2.v.l.) im Gespräch mit Laienforschern. An der Citizen-Science-Veranstaltung im Naturschutzgebiet Werbeliner See nahmen im Jahr 2025 20 Interessenten teil. Diese wurden von vier Experten angeleitet und lernten dabei viel Wissenswertes über die Lebensweisen der verschiedenen Arten und die Notwendigkeit ihres besonderen Schutzes. Foto: LRA/Jäger

Zwischen Schilf, Wasser und weiten Ufern verbirgt sich am Werbeliner See eine Welt, die viele kaum kennen. Doch wer genau hinschaut, entdeckt hier eine beeindruckende Vielfalt an Tieren und Pflanzen – oft unscheinbar, manchmal überraschend selten.

Beim „Tag der Artenvielfalt“ öffnet sich dieser verborgene Kosmos für alle, die neugierig sind und die Natur einmal aus einer neuen Perspektive erleben möchten. Das Projektteam Naturschutzgebiet Werbeliner See lädt dazu am 3. Juli zur Nachtausgabe und am 5. Juli zur Tagausgabe ein.

Ein Ort voller Leben

Im Naturschutzgebiet (NSG) Werbeliner See pulsiert das ­Leben: 1138 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurden hier bislang nachgewiesen. Für Franz Jäger vom Projektteam ist das Gebiet etwas ganz Besonderes. „Ein komplett unter ­Naturschutz gestellter Tagebau ist einmalig und ein Jackpot aus naturschutzfachlicher Sicht“, betont er.

Im 1600 Hektar großen NSG habe sich so ein wertvoller ­Lebensraum entwickelt. „Durch die besondere bergbauliche ­Sanierung, insbesondere dem großflächigen Erhalt der Schüttrippen, die heute noch als Inseln sichtbar sind, bietet das 800 Hektar große Total­reservat zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Rückzugsraum. So beherbergt es derzeit beispielsweise zwei Paare des Rothalstauchers, eines der letzten Vorkommen dieser Art in Sachsen.“

Auf den Spuren der Arten

Doch trotz dieser beeindruckenden Zahlen ist längst nicht alles erforscht. Einige Artengruppen sind bislang nur unzureichend erfasst. Genau hier setzt der „Tag der Artenvielfalt“ an. Gemeinsam mit Artenkennern gehen Interessierte auf Entdeckungstour und tragen zur wissenschaftlichen Datensammlung bei.

Was krabbelt und läuft denn das im Naturschutzgebiet Werbeliner See? Mit Artenkennern gehen Interessierte auf Erkundungs- und Entdeckertour. Foto: Heike Franke
Was krabbelt und läuft denn das im Naturschutzgebiet Werbeliner See? Mit Artenkennern gehen Interessierte auf Erkundungs- und Entdeckertour. Foto: Heike Franke

„Du schützt nur, was du kennst“, erklärt Jäger. „Deshalb ist es uns ein Anliegen, zu ­zeigen, was Naturschutz direkt bedeutet und warum er notwendig ist.“ Unterstützt werden die Teilnehmenden von ­Experten, die ihr Wissen weitergeben und Begeisterung für die Natur vermitteln. „Man bekommt die Tiere hautnah zu ­sehen, kann sie beobachten und ihren ­Lebensraum kennenlernen – wann hat man dazu sonst die Gelegenheit?“

Kleine Entdeckungen, große Bedeutung

Dass sich diese gemeinsame Spurensuche lohnt, zeigen die Ergebnisse der vergangenen Jahre: Insgesamt 106 neue ­Arten konnten allein bei den vergangenen beiden Tagen der Artenvielfalt für das Naturschutzgebiet nachgewiesen werden. Darunter sechs Fledermausarten, der Hornissenglasflügler, die Zwergmaus, die in Sachsen gefährdete Spinne ­Heller Flachstrecker sowie der Große Schillerfalter.

Wenn die Nacht erwacht

Besonders spannend ist die Nachtausgabe am 3. Juli, die im vergangenen Jahr erstmals stattfand und auf große Resonanz stieß. In kleinen Gruppen begeben sich die Teilnehmenden gemeinsam mit Fachleuten auf nächtliche Entdeckungstour. ­Fledermäuse werden gefangen, bestimmt und anschließend wieder freigelassen, während Lichtfallen nachtaktive Insekten anziehen. In diesem Jahr begleiten Colette Henrichmann und ihr Team vom NABU Leipzig die Fledermausbeobachtungen. Parallel dazu baut Andreas Raffelt eine Lichtfalle auf, um nachtaktive Insekten sichtbar zu machen.

Braunes Langohr. Foto: Dietmar Nill
Braunes Langohr. Foto: Dietmar Nill

Mit Experten auf Entdeckungstour

Am 5. Juli steht dann die Erkundung bei Tageslicht im Mittelpunkt. Verschiedene Experten widmen sich dabei einzelnen Artengruppen: Maximilian Olbrich untersucht die Käfer des Gebietes, Christoph Saure beschäftigt sich mit Wildbienen und Pflanzenwespen, Tom Kwast mit Goldwespen und Prachtkäfern und Frank Borleis nimmt Schnecken und andere Weichtiere ins Visier. Gemeinsam mit Volker Dittmann von der Unteren Naturschutzbehörde Nordsachsen erkunden die Teilnehmenden zudem die Flora des Gebietes.

Natur, die begeistert

Für Franz Jäger ist der „Tag der Artenvielfalt“ weit mehr als nur Datensammlung. „Es ist immer ein netter Tag, der Lust auf Austausch macht. Man lernt viel über die verschiedenen Arten kennen“, sagt er. Vor allem gehe es darum, Menschen für die ­Natur zu begeistern. „Uns geht es darum, dass Menschen Interesse entwickeln, begeistert werden und das weitertragen.“ So entsteht eine Verbindung zum Naturschutzgebiet, die langfristig zum Schutz beiträgt.

Die faszinierende Welt der Ameisen

Auch persönlich ist Jäger eng mit dem Thema verbunden. Die Mitarbeit im Projektteam bezeichnet er als „Traumjob“. Besonders fasziniert ihn die Welt der Ameisen, auf die er sich spezialisiert hat. Bereits 2024 war er selbst als Artenkenner beim „Tag der Artenvielfalt“ dabei und ging gemeinsam mit Interessierten auf Spurensuche.

„Ameisen sind Tiere, die eine einzigartige Form des Zusammenlebens entwickelt haben“, erklärt er. „Wer sich näher damit beschäftigt, entdeckt eine unglaublich komplexe und spannende Welt.“ Dabei konnten unter anderem zwei seltene Knotenameisenarten nachgewiesen werden. Nannette Hoffmann

Wer selbst Teil dieser Entdeckungsreise werden möchte, kann sich telefonisch unter 0151 56552187 oder per E-Mail an info@nsgwerbelinersee.de anmelden. Der Treffpunkt wird nach der Anmeldung bekannt gegeben. Auch bei der Wahl der Gruppe können Interessierte ihre Vorlieben angeben.

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