Training bei Shintai Wiedemar
Im Training bei Shintai Wiedemar: Stefan Ebelt und Lydia Kuhnert machen die Technik vor, die Kinder ziehen konzentriert mit. Foto: Nannette Hoffmann

Der Karateverein Shintai Wiedemar hat erstmals die Sächsischen Meisterschaften nach Radefeld geholt und damit ein starkes Zeichen für den Sport in Nordsachsen gesetzt. Insgesamt 300 Athletinnen und Athleten aus 20 Vereinen des Sächsischen Karatebunds gingen am 14. März an den Start und kämpften um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften.

Dass der Shintai Wiedemar diese Meisterschaften organisieren konnte, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. „Als wir die Ausschreibung gelesen haben, stand Görlitz für 2027 drin. Also habe ich beim Karatebund nachgefragt – und die sagten, für 2026 gibt es noch keinen Austragungsort“, berichtet Vorstandsmitglied und Trainer Stefan Ebelt. Also warf der Verein seinen Hut in den Ring.

„Dann ging alles ganz schnell: Ich habe in Radefeld nachgefragt, ob die Halle frei ist – und dann haben wir gesagt, wir machen das.“ Dank zahlreicher fleißiger Hände wurde die Halle hergerichtet und in eine Wettkampfarena verwandelt.

Viermal Bronze für Wiedemar

Fünf Athletinnen und Athleten aus Wiedemar gingen auf heimischer Matte an den Start. Zunächst traten Nadine Weinert und David Reichelt in der Masterklasse (Ü35) an. Während Nadine Weinert in der Disziplin Kata (Formlauf) startete, stellte sich David Reichelt erstmals in der Kategorie Kumite (Zweikampf) dem Wettkampf. Nach spannenden Begegnungen sicherten sich beide jeweils die Bronzemedaille.

Auch der Nachwuchs wusste zu überzeugen: Leonie Wenzel (U14) erkämpfte sich in der Disziplin Kumite ebenfalls einen dritten Platz. Weniger glücklich lief der Tag für Vincent Kunze, zweifacher sächsischer Vizemeister von 2025, der erstmals in der nächsthöheren Altersklasse antrat. Im Kata verpasste er knapp das Treppchen, im Kumite musste er sich diesmal mit Rang fünf zufriedengeben.

Trainerin Lydia Kuhnert, Bronzemedaillengewinnerinnen Leonie Wenzel und Lisa Schlottag sowie Vincent Kade (Platz 5) und Trainer Stefan Ebelt.
Starke Auftritte bei den Sächsischen Meisterschaften (v.l.n.r.):
Trainerin Lydia Kuhnert, Bronzemedaillengewinnerinnen Leonie
Wenzel und Lisa Schlottag sowie Vincent Kade (Platz 5) und Trainer Stefan Ebelt. Foto: privat

Besonders emotional wurde es bei Lisa Schlottag: Nach Platz fünf im Kata zeigte sie im Kumite starke Nerven, kämpfte sich mit zwei klaren Siegen zurück und gewann schließlich Bronze. Damit darf sie nun auf eine Nominierung zur Deutschen Meisterschaft hoffen.

Die Wettkämpfe boten insgesamt ein hohes sportliches Niveau und sorgten für eine mitreißende Atmosphäre. Am Ende stand eine mehr als gelungene Premiere, die von Athletinnen und Athleten ebenso wie von den Offiziellen viel Anerkennung erhielt.

Vom Schulhaus zum Karate-Dojo

Der Karateverein Shintai Wiedemar ist seit Februar 1999 eine feste Größe im Sport- und Vereinsleben der Gemeinde. Anfangs noch als Außenstelle der Budo Akademie Halle gegründet, präsentiert er sich seit 2002 als eigenständiger Verein. Mit großem persönlichen Engagement wurde die ehemalige Grundschule in Wiedemar komplett umgebaut und 2022 als neue Trainingsstätte eingeweiht. Seither trainieren hier dienstags und donnerstags 56 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Karate.

Trainerteam mit Vorbildfunktion

Trainiert werden die Karatekas von Stefan Ebelt und Lydia ­Kuhnert. „Unsere Kinder-Karate-Kurse platzen aus allen Nähten“, freut sich Kuhnert. Sie selbst kam mit acht Jahren zum Karate und machte sich auf nationaler und internationaler Bühne einen Namen. Zu ihren größten Erfolgen zählen ein dritter Platz beim Europa-Cup in Spanien sowie ihre Mitgliedschaft im Nationalkader ihrer Stilrichtung. Seit 14 Jahren gibt sie ihr Wissen an den Nachwuchs weiter, seit November 2024 in Wiedemar. „Shintai bietet seinen Athletinnen und Athleten beste Trainingsbedingungen dank der eigenen Halle und einer tollen Vereinsstruktur, in der man sich gegenseitig stützt und jeder seine Aufgabe hat.“

Was dem Verein allerdings fehlt, sei Trainernachwuchs. „Daher sind wir sehr dankbar, dass uns aktuell vier Jugendliche als Co-Trainer in den Kinderkursen unterstützen“, sagt Stefan Ebelt. Gerade bei den Jüngsten sei es wichtig, dass jede und jeder im Kurs mitgenommen wird und lernen kann.

Eine von ihnen ist Elisabeth. Als ihre Freundin Lisa erzählte, dass sie den Verein auf diese Weise unterstützen möchte, war die 17-Jährige sofort begeistert. „So können wir auch mal etwas zurückgeben“, sagt sie. Das Training mit den Kindern macht ihr viel Spaß – auch wenn es mitunter anstrengend sein kann. „Die Kinder wachsen einem ja auch ans Herz.“ Für sie ist die Arbeit in der Halle zugleich Lernen aus einer anderen Perspektive: „Ich muss bei mir selbst viel mehr darauf achten, dass ich alles richtig vormache.“

Stefan Ebelt wiederum kam vor 15 Jahren zum Karate. „Mein Sohn wollte kein Fußball spielen, also hat er Karate gemacht. Und da ich immer dabei war, habe ich irgendwann gesagt: Ich versuche es jetzt selbst – mit 35“, erzählt der heute 48-Jährige. Ein Problem war das nicht. „Für Karate ist man nie zu alt“, betont er.

Schon die Kleinsten sind in Bewegung

Mitmachen können Kinder im Verein ab der Einschulung. „Sechs bis acht Jahre ist ein gutes Einstiegsalter“, sagt Stefan Ebelt. Die Kinder erlernen zunächst Grundtechniken in Kata und Kumite, die dann nach und nach vertieft werden. „Zudem lernen die Kids Disziplin, Verantwortung und Vertrauen.“ Besonders schön sei es, so Trainerin Lydia Kuhnert, die Entwicklung zu beobachten: „Wenn sich ihr Selbstbewusstsein stärkt und sie Erfolge feiern, freut man sich einfach mit.“

Doch nicht nur Karate steht in Wiedemar auf dem Programm. „Wir starten bereits mit den Kleinen ab zweieinhalb bis drei Jahren im Kindersport“, berichtet Katrin Kaiser. Hier geht es um altersgerechte Bewegung, die vor allem Spaß machen soll. „Wir üben Ball werfen, Purzelbäume, auf einem Bein stehen, hüpfen, drehen, auf der Bank entlang balancieren“, erklärt Veronika Dudek-Hels. Ganz nebenbei trainieren die Kinder dabei auch soziale Fähigkeiten: Regeln einhalten, Rücksicht nehmen, leise sein, ausreden lassen und zuhören.

Auch Erwachsene finden ein breites Angebot. Neben Karate können sie an Fitnesskursen teilnehmen, Krav Maga kennenlernen oder beim Yoga Körper und Geist in Einklang bringen. „Wir bieten eine große Vielfalt unter unserem Dach“, betont Stefan Ebelt. „Für jede und jeden ist etwas dabei.“

Mit der Ausrichtung der Sächsischen Meisterschaften, der aktiven Kinder- und Jugendarbeit und den vielfältigen Kursen für Erwachsene ist Shintai Wiedemar heute eine feste Größe im Sport- und Gemeindeleben.

Nächster Höhepunkt schon in Sicht

Lange ausruhen kann sich der Verein nicht: Bereits am 30. Mai richtet Shintai Wiedemar den nächsten Nachwuchs-Cup aus. Startberechtigt sind Kinder und Jugendliche von fünf bis 18 Jahren – eine weitere Gelegenheit, jungen Karatekas Wettkampferfahrung vor heimischem ­Publikum zu geben. Nannette Hoffmann

Wer Lust bekommen hat, eines der Angebote auszuprobieren, findet alle Informationen zu Kursen, Trainingszeiten und Kontakt unter www.shintai-wiedemar.de.

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