Freut sich auf seine Premiere in Leipzig: Jens Herrmann alias ArtvanHe stellt ab 4. Juni in der Handwerkskammer aus. Foto: Regina Katzer

Ab 4. Juni wird die zweite Etage der Handwerkskammer zu Leipzig in der Dresdner Straße neu strukturiert: Jens Herrmann alias ArtvanHe belebt das ehemalige Druckhaus von Oscar Brandstetter mit 23 Bildern seiner neuen Ausstellung „Vita Structura II“.

Inspiriert vom eigenen Vater beschäftigt sich der 35-Jährige seit dem fünften Lebensjahr mit der bildenden Kunst. „Ich bin ein kreativer Kopf – tagsüber arbeite ich in Grimma als leidenschaftlicher Friseur, am Abend sitz’ ich unterm Dach in meinem Atelier in Wiederitzsch an der Staffelei“, plauderte der junge Mann, dessen Bilder das erste Mal in Leipzig zu sehen sein werden.

Seine Werke zum Thema „Ansichtssache“ schmückten vor drei Jahren das Markkleeberger Rathaus, ein Jahr später zeigte der Autodidakt im Grimmaer GSF-Showroom seine „denkArt“ und 2018 die „Neuen Welten“. Die Ausstellungen sind immer ein Genuss für die Seele, aber auch mit Tiefgang verbunden.

Der Künstler, der sich mit wichtigen Fragen unserer Zeit und der Überflussgesellschaft beschäftigt, inszeniert nunmehr aus Abfall Neues, wertet es auf und schafft etwas völlig anderes. ArtvanHe recycelt Materialien wie Stoffe, Papier und Ton, lässt seine Kreativität einfließen und schafft harmonische Kompositionen. Seine Upcycling-Collage „Alte Liebe rostet nicht“ (siehe Foto) erzählt eine Love-Story aus alten metallenen Schmuckanhängern, verarbeitet mit viel Liebe und inszeniert mit Ton, einem Werkstoff, den der Künstler sehr schätzt. Zur Vernissage seiner ersten Ausstellung in Leipzig am Dienstag, 4. Juni, ab 18 Uhr sind alle ganz herzlich eingeladen.

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Sonja von der Twer kommt seit 1998 regelmäßig zum Wave-Gotik-Treffen (WGT) nach Leipzig – lediglich als Söhnchen Julian das Licht der Welt erblickte, blieb sie daheim im heimischen Rheinland-Pfalz. Anfangs reiste die ehemalige Lehramtsstudentin mit kleiner Reisetasche und Schminkköfferchen zum WGT an, und gezeltet wurde mit Freunden auf der Agra.

Ich lernte die junge Frau, die in der Nähe von Koblenz aufgewachsen ist, vor sechs Jahren beim Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park kennen. Damals genoss die 34-Jährige mit einem guten Freund, Thomas Giese aus Westfalen, den Luxus eines Hotelaufenthalts in der Leipziger City. Kurzerhand lud sie mich ein, bei ihrer Verwandlung von der Studentin zur barocken Lady dabei zu sein. Spektakulär, wie sie mit einem Reifrock, der einen Umfang von viereinhalb Metern hatte, auf engstem Raum jonglierte. Seitdem treffen wir uns jedes Jahr Pfingsten beim Festival in der Messestadt, um kurz zu schwatzen und ein aktuelles Foto zu schießen.

Auch in diesem Jahr wird die Mutter des inzwischen achtjährigen Sohnes beim Treffen der Gotik-Szene dabei sein. Dieses Jahr nächtigt sie in einer Pension in Schleußig – und auch Thomas, den sie 2004 in einer Kölner Gothic-Disko traf, begleitet sie wieder nach Leipzig. Bevor das Spektakel so richtig losgeht, sind noch einige Arbeiten an den neuen Outfits zu erledigen. Die Kopfbedeckungen sind aber schon fertig, erzählt sie mir am Telefon.

Zum Viktorianischen Picknick am 7. Juni, das wieder unzählige Menschen mit Kameras und Handys in den Park locken wird, trägt die 40-Jährige ein aschenbrödelartiges Kleid aus weiß-blau-geblümten Stoffresten mit Silberborte und eine LED-Krone mit kleinen weißen Tauben. Am Sonnabend sind die beiden Freunde beim Victorian Village am Gohliser Schlösschen zu erleben – die Fotografenmeute wird sie ins Visier nehmen. Sonja, die in ihrer fantasievollen Robe immer ein Hingucker ist, freut sich auf das Highlight des Jahres: „Das WGT ist wie eine Familie. Ich treffe mich mit Freunden aus aller Welt, wir tauschen uns über Kostüme aus und genießen die Livemusik von Bands, die wir sonst nur im Radio hören“, schwärmt die schwarze Lady.

Seit 21 Jahren beim WGT dabei: Sonja im Victorian Village im Gohliser Schlösschen (Archivfoto von 2018). Foto: Regina Katzer

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