Geschichte und Geschichten – das ist und bleibt Eric Buchmanns Welt. Dass das so ist, habe er Britta Kunzemann, seiner Geschichtslehrerin, zu verdanken, erzählt er bei einer Tasse Kaffee. Auf sehr spannende Weise habe sie im Unterricht Vergangenheit und Gegenwart lebendig werden lassen und das historische Denken so gefördert, dass in ihm der Wunsch entstand, die Spuren der Vergangenheit im eigenen Alltag zu entdecken.
Damit begeistert er nun auch Schülerinnen und Schüler, denn Eric Buchmann studierte an der Universität Leipzig, ist heute Gymnasiallehrer für Geschichte und tritt damit in die Fußstapfen seiner einstigen Lehrerin.
Seine Leidenschaft gilt der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft
Das ist aber nur die eine Seite seines Daseins. Die zweite hat etwas mit seinem ehrenamtlichen Engagement zu tun – vor allem in der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft, einem sehr aktiven Förderverein des Stadtgeschichtlichen Museums. Seit zwölf Jahren ist er nun deren Mitglied. Dazu geraten hatte ihm Ulrich Becker, der damalige Vorsitzende der Lottergesellschaft, dem die Wissensbegierde des jungen Mannes imponierte.

Beide waren sich im Völkerschlachtdenkmal öfters begegnet. Und als Eric Buchmann zum ersten Mal das Stadtgeschichtliche Museum betrat, ging sein Herz weit auf. „Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte, so beeindruckt war ich“, erinnert er sich freudestrahlend – auch daran, dass er sofort in die Förderarbeit einbezogen wurde.
Bachkabinett war erstes Jahresprojekt
Das erste Jahresprojekt, an dem er aktiv mitwirken konnte, war das Bachkabinett, das im Südflügel des Alten Rathauses durch Spenden neu gestaltet wurde. Ebenso beteiligte er sich an „Paten retten Museumsschätze“ – einem interessanten Dauerprojekt, in dem einzelne Personen ein Sammlungsstück restaurieren lassen können. So wurde zum Beispiel der Sattel von Marschall Poniatowski wieder instand gesetzt. Der polnische General kämpfte an der Seite Napoleons und ertrank in Leipzig während des Rückzugs der Franzosen nach einer Schussverletzung in der Elster.
Auch die Siegerurkunde von Täve Schur von den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne wurde wieder aufgefrischt. Das aktuelle Jahresprojekt der Lotteraner ist die Neupräsentation des Traurings von Martin Luther und seiner Katharina von Bora. Zu dessen Ehrung gestaltet die Pianistin und Dirigentin Eva Meitner, die vor Kurzem Mitglied der Lottergesellschaft wurde, am 21. November um 19 Uhr ein Benefizkonzert im Festsaal des Alten Rathauses – auf das nicht nur Eric Buchmann stolz ist.
Historischer Rathausschrank von 1592
Ab und an, so erzählt Eric Buchmann, der 2018 Ulrich Becker ablöste und seitdem den Vorsitz innehat, bleibt er vor Exponaten stehen. Seine Gedanken wandern dann zum historischen Rathausschrank von 1592, einer Perle Leipziger Handwerkskunst, der beinahe so alt ist wie das Rathaus selbst und für knapp 50 000 Euro restauriert wurde – oder zu den Porträts führender Leipziger vergangener Jahrhunderte. „Ich spüre dabei den Hauch der Leipziger Geschichte, der alle Stücke im Museum umweht“, sagt er.
Er nennt auch den Coffe Baum, das älteste Kaffeehaus Deutschlands, das nach sechsjähriger Sanierung, zu der auch der Förderverein beitrug, kürzlich wieder eröffnet wurde und in dem schon Goethe, Bach, Telemann, Robert Schumann, Napoleon und viele andere ein Schälchen Heeßen tranken. Er freut sich, dass sein Verein dem Coffe Baum eine aus dem frühen 20. Jahrhundert stammende Kaffeemühle, die sie aus privater Hand erwarben, schenken konnte.
Lotterbude auf dem Weihnachtsmarkt ist beliebt
Und wer kennt sie nicht – die Lotterbude auf dem Weihnachtsmarkt mit ihren Fettbemmen, dem Glühwein, den kulturellen Extras. „Ohne die Einnahmen der Lotterbude könnten wir uns viele Projekte gar nicht leisten“, sagt er und dankt allen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz. Seine Anerkennung und der Dank des Vorstands gelten regelmäßig den Spendern kleiner und größerer Beträge.

„Ich bin mir sicher, dass weitere Projekte, die noch im Dornröschenschlaf schlummern, durch eine Prinzessin oder einen Prinzen wieder das Licht der Welt erblicken“, erklärt Eric Buchmann und spricht von den Spenderabenden, die er einführte und die sich großer Beliebtheit erfreuen.
Lottergesellschaft feiert ihr 30-jähriges Jubiläum
Die Lottergesellschaft, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum begeht, unterstützt das Stadtgeschichtliche Museum mit all seinen Einrichtungen und pflegt darüber hinaus ein reiches kulturelles Leben. Seit 2018 ist Eric Buchmann deren Vorsitzender – bei der jüngsten Wahl wurde er erneut im Amt bestätigt, zur Freude der 192 Mitglieder, die ihn sehr schätzen.
Das gilt auch für die vielen Gemeinschaftsaktivitäten des Vereins: Vereinstreffen, Vortragsabende, Tagesfahrten, Konzerte. Zuletzt gab es im Schillerhaus das Sommerfest; am 30. August startet die Kulturfahrt in böhmische Kaiserstädte, am 25. Oktober wird zur Klinger-Asenijeff-Beethoven-Sonntagsmatinee eingeladen. Nicht zu vergessen das traditionelle Martinsgansessen in der Lutherburg – und vieles mehr.
Mit dem Fahrrad die Stadt erkunden
Seine Freizeit gestaltet Buchmann genauso aktiv: Mit dem Fahrrad erkundet er die Stadt und die Leipziger Seenlandschaft, trifft Freunde, besucht Konzerte und greift zwischendurch gern zu einem guten Buch. In den Urlaub zieht es ihn am liebsten nach Italien – zuletzt an den Gardasee und nach Verona. „Ich liebe das italienische Lebensgefühl, diese Leichtigkeit und diese grundpositive Einstellung, mit der man an die Arbeit geht …“
Gibt es ein besonders herausragendes Erlebnis? Da gebe es etliche. Gern erinnere er sich an den Besuch von Prinz Charles und Camilla im Jahre 2019 in Leipzig. Vor dem Alten Rathaus habe er ihm sogar die Hand schütteln können. Und was gibt es bei ihm zum Sonntagsfrühstück? Ein belegtes Brötchen und eine Tasse Kaffee. Traudel Thalheim
Weitere Infos: www.lotter-gesellschaft.de



































