Zeichnen, Radeln, Kochen: So lebt der Künstler Egbert Herfurth

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Insgesamt 415 Bücher hat Egbert Herfurth mit seinen Illustrationen versehen - darunter sind viele Dauerbrenner . Foto: Waltraud Grubitzsch
Insgesamt 415 Bücher hat Egbert Herfurth mit seinen Illustrationen versehen - darunter sind viele Dauerbrenner . Foto: Waltraud Grubitzsch

Kein leeres Blatt Papier war vor ihm sicher. Vor dem sechsjährigen Egbert: Er bekritzelte und bemalte die Papierblätter doch zu gern. Verewigte sich, indem er die Seiten mit seinen Gedanken füllte. Er brachte Wünsche zu Papier, Erlebtes, ließ seine Träume lebendig werden … Die Familie freute sich, lobte ihn und Onkel Fritz war überzeugt, dass mal ein Künstler aus ihm werden würde. Was für eine treffliche Vorhersage.

Nun ist er tatsächlich auch einer, dieser Leipziger Egberth Herfurth. Jener Mann, der einst Offset-Retuscheur lernte – zur Information: Das sind jene Spezialisten, die Bilder und Grafiken so bearbeiten, dass sie im Offset-Druck dann auch wunderbar farbecht wiedergegeben werden. Und der dann an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Fachklasse von Prof. Wolfgang Mattheuer studierte. Und der heute als Grafiker und Buchillustrator exzellenter Klasse einen ausgesprochen guten Ruf genießt.

Das Schmunzeln über die eigene Euphorie

Trotzdem kann Egbert Herfurth bis zum heutigen Tag über jene Euphorie schmunzelte, die einst seine erste Veröffentlichung auslöste. Dies waren kolorierte Holzstiche, die veröffentlicht wurden im Buch „Der Krimi“. Mit Schüttelreimen vom Kunstwissenschaftler Johannes Jahn. „Das war für mich eine Sensation. Ich hätte das Büchlein damals am liebsten überall herumgereicht“, gesteht der Leipziger Kunstpreisträger.

Ein Kaffee muss schon sein zum Frühstück bei Egbert Herfurth. Foto: Traudel Thalheim
Ein Kaffee muss schon sein zum Frühstück bei Egbert Herfurth. Foto: Traudel Thalheim

Nun ja, die Euphorie kommt nicht ganz zu Unrecht auf – selbst heute machen die Grafiken aus dem Jahr 1972 eine schmucken Figur. Kein Wunder, dass diese von der Weltbühne schon im Erscheinungsjahr als besondere Entdeckung genannt wurden. Zusammen mit dem Schöpfer, versteht sich.

Aufregend und abwechslungsreich

Es ist der Auftakt einer gleichermaßen aufregenden wie abwechslungsreichen Künstler-Karriere: Zu gern erinnert sich Egbert Herfurth beispielsweise an die Zusammenarbeit mit Franz Fühmann, der ganz schön asketisch lebte und ein großer Kindernarr war. Was dann beispielsweise zu dem Kinderbuch „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm zu Babel“ führte – das ist ein Spielbuch zum Thema Sprache mit Experimenten, Rätsel, Spiele, Geschichten. Und Illustrationen aus der Feder des Leipziger Grafikers …

Texte auf heitere und tiefgründige Weise bebildert

Mit über 200 Zeichnungen hat er die Texte auf heitere und tiefgründige Weise bebildert und machte sich dabei allerlei Späße: Da gibt es ein Parfüm namens „Menschol“ ebenso ein Haus auf Krücken. Ebenfalls erfunden hat er eine Uhr, deren Zifferblatt aus Buchstaben statt aus Zahlen besteht. Dinge, die den Autor außerordentlich freuten, erinnert sich Egbert Herfurth. Und die auch mit dazu führten, dass aus dem Kinderbuch ein wahrer Dauerbrenner wird: 1978 aufgelegt gab es nun schon die 15. Auflage.

„Ich hätte das Büchlein am liebsten überall herumgereicht.“

„Franz Fühmann und ich hatten viel Spaß miteinander: Einmal saßen wir eine ganze Nacht auf dem Fußboden mit den verschiedensten Grafiken um uns herum. Er verehrte Tübke, ich Mattheuer, von dem ich viel gelernt hatte“, erinnert sich Egbert Herfurth: „Ich erzählte ihm von meiner ersten Begegnung mit Mattheuer, bei der ich mich sehr dumm benahm. Er begrüßte mich rauchend und ich sagte: Aber Herr Professor, Rauchen zeigt Charakterschwäche. Er nahm es mir nicht übel. Ich gehörte zu den Studenten, die er in seine Wohnung einlud und auch einmal im Jahr in die Weinstube. Dabei forderte er uns auf bitte mehr Sekt als Wein zu trinken, weil der zu teuer sei.“

Viele Dauerbrenner im Portfolio

Dauerbrenner hat er noch so einige im Portfolio: Auch „Die große Liedertruhe“ von Horst Seeger mit schönen alten und neuen Volkslieder für die ganze Familie – natürlich reich mit Zeichnungen von Herfurth bebildert – erfuhr diverse Nachauflagen. Ebenso wie das große Benimm-Buch von Hannes Hüttner, dessen Aussagen vom Illustrator auf witzige Weise ins Bild gesetzt wurden. „Säggs` sch fast vergessen“ von Günther Böhnke gehört ebenfalls dazu, das gute Stück erfuhr im vergangenem Jahr die fünfte Auflage … Sehr vergnügliche und mitunter absurde Bilder schmücken die Verse „Soll ich Dir die Gegend zeigen“ von Goethe. Auch Arbeiten von Bertolt Brecht, Sarah Kirsch, von Peter Hacks und weiterer Autoren lagen auf seinem Galerie-Tisch.

415 bücher hat Egbert Herfurth illustriert

Die bemerkenswerte Zahl: 415 illustrierte Bücher gehen auf sein Konto, dazu noch Plakate und an die 200 Ausstellungen, gezeigt in Ländern von Japan über USA bis ins irakische Bagdad. Selbst eine Trophäensammlung kann Egbert Herfurth vorweisen: Er besitzt Silber-und Bronzemedaillen für „Schönste Bücher des Jahres“ und „Schönste Bücher aus aller der Welt“. Beim Blick durch diese Sammlung fällt der Blick auch auf Meissner Porzellanschälchen.

Mit von ihm illustrierten Büchern steht der Grafiker und Buchillustrator Egbert Herfurth im Haus des Buches in Leipzig in einer Ausstellung, aufgenommen am 02.11.2009. Anlaß dieser Exposition war das Erscheinen einer Bibliographie zum 65. Geburtstag, die sein Lebenswerk bilanziert. Gezeigt werden Grafiken, Kinderbücher, Liederbücher und Schulbücher. Der Künstler, der zu den bedeutendsten deutschen Buchillustratoren gehört, hat in den vergangenen Jahrzehnten 140 eigene Bücher illustriert und 130 Bücher mit anderen Künstlern gestaltet. Foto: Waltraud Grubitzsch
Mit von ihm illustrierten Büchern steht der Grafiker und Buchillustrator Egbert Herfurth im Haus des Buches in Leipzig in einer Ausstellung, aufgenommen am 02.11.2009. Anlaß dieser Exposition war das Erscheinen einer Bibliographie zum 65. Geburtstag, die sein Lebenswerk bilanziert. Gezeigt werden Grafiken, Kinderbücher, Liederbücher und Schulbücher. Der Künstler, der zu den bedeutendsten deutschen Buchillustratoren gehört, hat in den vergangenen Jahrzehnten 140 eigene Bücher illustriert und 130 Bücher mit anderen Künstlern gestaltet. Foto: Waltraud Grubitzsch

Dazu gibt es natürlich auch eine Geschichte: Die Liason zwischen dem Grafiker und dem Porzellan begann vor Jahren mit der Federzeichnung der Leipziger Lerche, die auf dem Schälchen landete. Ebenso in der Folge wie Bach und Luther, das Leipziger Stadtwappen, die Thomaner, der Leipziger Löwe und das Leipziger Räbchen …

Dies ist übrigens eine echte Köstlichkeit, bestehend aus einer mit Marmelade gefüllten Pflaume und umhüllt von Eierkuchen. Die wird von einem speziellen Bäcker hergestellt und dann ab und an beim Gogelmohsch-Stammtisch vernascht. Das ist ein ganz schön traditionsreicher Treff, den Bernd Lutz Lange 1984 mit Freunden ins Leben rief. Und auch da gibt es – na klar! – eine Verbindung: Das Buch „Das Leben ist ein Purzelbaum“ von Bernd Lutz Lange hat eben auch Egbert Herfurth mit seinem markantem Zeichenstil geprägt.

Stammtisch-Treffen aller 14 Tage

Doch zurück zum Stammtisch: Aller 14 Tage trifft sich diese Runde, zu der auch Günther Böhnke gehört. Ab und an geht sie auch ab und an gemeinsam auf Wanderschaft. Eines ist wichtig: Der Spaß und das Finden von neuen Ideen spielt da immer eine große Rolle. „Es sind für mich immer wieder beglückende Zusammenkünfte“, sagt der Grafiker.

Und natürlich bleibt da auch noch Zeit für Sigrid, die ehemalige Buchhändlerin und Herfurths Lebensgefährtin. Und da gehören Ausflüge, Spaziergänge in Leipzig, Urlaub in Deutschland, Italien und Norwegen ebenso dazu wie die Gemütlichkeit in den eigenen vier Wänden. Wozu dann aber auch ein wenig Arbeit gehört: In den besagten eigenen vier Wänden macht er mit sauber, geht einkaufen und kocht leidenschaftlich gern – am liebsten Krautwickel und Rindsrouladen. Damit überrascht und bewirtet er Verleger und Autoren, die davon immer wieder aufs Neue schwärmen. Ach ja – schon gewußt? Egbert Herfurth ist ein leidenschaftlicher Radler und hat noch nie eine Fahrerlaubnis besessen …

Und was gibt es bei dem Maler und Zeichner und seiner Sigrid zum Sonntagsfrühstück? Kaffee, aufgebackene Brötchen mit Butter, Marmelade oder Honig und ein gekochtes Ei. Traudel Thalheim

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