Vom Journalisten zum Showkünstler: Jack Pop macht Wissenschaft zum Spektakel

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Entertainer Jack Pop bereitet Wissenschaftsthemen eine große Bühne. Foto: Michael Bomke
Entertainer Jack Pop bereitet Wissenschaftsthemen eine große Bühne. Foto: Michael Bomke

Kolben, Pipetten, eine Puppe mit roten LEDs statt Augen und eine Kartoffelsalat-Orgel: Das ist nur eine kleine Auswahl an Erinnerungsstücken in Jack Pops Wohnung. „Wenn man einige Sachen dort sieht, fragt man sich vermutlich: Was ist das? Was macht es?“, erzählt der Leipziger Showkünstler. An diesem Vormittag sitzt er allerdings nicht bei sich zu Hause, sondern in seinem zweiten Wohnzimmer: im Kupfersaal.

In den Besitz seiner kuriosen Sammlung ist der 42-Jährige durch seine Wissenschafts-Show „Circus of Science“ gekommen. Diese moderiert er seit 2018. Auf der Bühne zeigt er Experimente, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen sollen – und staunt dabei nicht selten selbst. Jack Pop ist der eingetragene Künstlername von Tobias Ossyra, wie der Künstler eigentlich heißt.

Frühe Leidenschaft für das Tüfteln

„Als ich neun war, hatten meine Freunde und ich eine kleine Bude. Die anderen wollten eine Alarmanlage haben und dann meinte ich: ‚Die baue ich euch!’“ So begab sich der Grundschüler auf den Weg in einen Eisenwarenladen, besorgte Drähte und werkelte eine kleine Alarmvorrichtung für die Tür. „Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, danach mehr gefördert worden zu sein.“

ack Pop bringt Wissenschaft als Unterhaltungsshow auf die Bühne des Kupfersaals. Foto: André Kempner
Jack Pop bringt Wissenschaft als Unterhaltungsshow auf die Bühne des Kupfersaals. Foto: André Kempner

Seine Affinität zum Ausprobieren lebte er in seiner Kindheit in Leipzig eher selten aus. Ein anderes Hobby stellte andere Dinge in den Schatten: „Mein Vater hat mir eine Gitarre geschenkt“, erzählt er. „Als ich mit Musik angefangen habe, war alles andere vorbei.“ Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Diese Musik sollte ihn später erneut zur Wissenschaft führen.

Chemie und Physik waren die liebsten Schulfächer

Obwohl Chemie und Physik die liebsten Schulfächer des gebürtigen Leipzigers waren, entschied er sich gegen ein Studium oder eine Ausbildung in der Fachrichtung. „Ich wusste, dass ich das Studium mehr oder weniger am Stück durchziehen müsste“, ordnet er ein. Diese Vorstellung gefiel ihm nicht, er wollte abwechslungsreicher leben.

Es wurde ein Journalismusstudium, für das er sich knapp über ein Jahrzehnt Zeit ließ. Jack Pop absolvierte Praktika und ein Volontariat bei der Leipziger Volkszeitung. Einige Jahre nach seinem Abschluss war er zudem bei MDR Wissen tätig.

Von 2019 bis 2023 arbeitete er für ein videobasiertes Format bei dem Sender. Im Nachhinein gesteht er: „Mir war klar, dass ich keine Karriere als Journalist mache“, so Pop. Zu sehr ähnelten sich die Aufgaben von Tag zu Tag. Stattdessen probierte er sich in unterschiedlichen Bereichen aus. Seine Leidenschaft für die Musik verfolgte er mittlerweile nebenberuflich als Mitglied in einer Hochzeitsband.

Aufgrund seiner Auftrittserfahrung wurde Pop 2011, noch während des Studiums, für seinen ersten Moderationsauftrag angefragt. „Das war die Nerd Night“, erinnert sich der Entertainer. Eine Wissens-Show im Beyerhaus. „Da habe ich das Thema wieder für mich entdeckt.“ Während der Nerd Nights merkte der Moderator: „Mir kamen sehr viele Ideen, was man noch machen könnte.“ Ein Quiz, Musikeinlagen, aktuelle Themen. All das wollte er umsetzen. So wurde sein „Circus of Science“ geboren.

Gespielte Tollpatschigkeit

„Die Leute lieben es, wenn Dinge nicht funktionieren“, sagt Jack Pop. Damit spielt er ganz bewusst, wenn er sich vor jungem und altem Publikum präsentiert. „Auf der Bühne wirke ich wahrscheinlich tollpatschig. Das ist Absicht.“ Alles, was er vorführt, testet er vorab mehrfach aus. Oft mit dem Ziel, es bewusst schiefgehen zu lassen – hier eine verspätete Explosion, da ein lauter Knall.

Es raucht, es knallt und brennt auch mal: Entertainer Jack Pop ver-mittelt Wissenschaft auf unterhaltsame Weise. Foto: Michael Bomke
Es raucht, es knallt und brennt auch mal: Entertainer Jack Pop ver-
mittelt Wissenschaft auf unterhaltsame Weise.
Foto: Michael Bomke

Jede Ausgabe des „Circus of Science“ ist ein Unikat. „Ich plane alles, von der Bühnenshow bis zur Gestaltung des Foyers“, so der Showmaster. Mit ihm arbeitet ein festes Team, bestehend aus einer Band, einem Physiker, einer Fotografin, einem Aufbauhelfer sowie den Angestellten des Kupfersaals. Hinzu kommen immer wechselnde Gäste. Ein Großteil der Mannschaft besteht aus Jack Pops Freundeskreis. „Mein Künstlername ist unter Freunden auch ein Spitzname“, verrät er. Denn die Übergänge zwischen seiner Bühnenpersönlichkeit und ihm als Privatperson seien fließend. Insbesondere die unernste Ausstrahlung sei authentisch.

„Die Begeisterung, die ich bei Shows zeige, ist zu 100 Prozent echt“, erzählt Pop. „Ich bin immer wieder fasziniert.“ Immerhin gehe es beim Lernen auch um Spaß. „Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen“, findet er.

Bekannte Tricks in neuem Kostüm

Da er sich für sein Programm vor allem auf Unterhaltung spezialisiert hat, sind die Tricks hinter den Effekten oft altbekannt: „Ich habe mit einfachen optischen Täuschungen und Elefantenzahnpasta angefangen.“ Letzteres ist ein chemisches Experiment, bei dem sehr viel Schaum auf einmal erzeugt wird.

„Auf der Bühne wirke ich wahrscheinlich tollpatschig. Das ist Absicht.“

Er gibt zu: „Es ist nicht so einfach, sich komplett neue Sachen auszudenken.“ Es gebe bereits ein großes Repertoire an effektstarken Experimenten, die sich ideal für die Bühne eignen. Was seine Vorführungen besonders mache, sei ihre absurde und komische Verpackung. Einige Künstler produzieren etwa Musik mit den elektrischen Strömen, die durch Früchte oder Pilze fließen. „Und ich habe das mit dem typischen Weihnachtsessen, mit Kartoffelsalat, nachgemacht.“ Mit der entstandenen Orgel spielte er Mariah Careys berühmtes Lied „All I Want for Christmas is you“.

Versuche zum Grübeln und Lachen

Kleine Versuche zum Grübeln und Lachen zeigt Jack Pop auch seinem Publikum auf Instagram. Er führt ein Beispiel an, das ihm dort kürzlich viel Aufmerksamkeit eingebracht hat. Im vergangenen Jahr kursierte im Netz eine Werbung mit Ralf Schumacher.

Darin fragt der ehemalige Formel-1-Profi: „Du willst wissen, wie viel dein Auto wert ist?“ Diesen Werbespruch hat er in einem selbstgebastelten Bewegungsmelder verarbeitet. Nähert man sich dem Gerät, hört man Schumacher sprechen. Auf sein Video dazu habe Pop viele Reaktionen erhalten. Unter anderem von einem Lehrer, der das Gerät mit seiner Schulklasse nachgebaut habe. „Darauf bin ich besonders stolz: Was ich mache, ist nicht perfekt, aber es überträgt sich auf andere.“

Mit seinem Bildungshintergrund sticht Jack Pop in seiner Nische hervor. „Die meisten kommen vom Fach“, berichtet er. Auch im Publikum sitzen, neben vielen Laien, oft Naturwissenschaftler. Unter Druck gesetzt fühlt Jack Pop sich dadurch allerdings nicht: „Wir sind nicht viele in der Branche und wir unterstützen uns immer gegenseitig“, sagt er. Und er kennt seine größten Stärken: Charisma und Leichtigkeit. „Und ich kenne Popkultur.“

Halloween-Show im Oktober in Leipzig

Seine anstehende Halloween-Show wird Pops „Jahreshighlight“, verrät er. Neben Live-Experimenten kann sich das Publikum auf Musik und unterhaltsame wissenschaftliche Vorträge freuen. Es wird um Hexenverfolgungen, Vampirgräber und weitere gruselige Themen gehen. Ein Zusatz: „Wer im Kostüm kommt, bekommt gratis Popcorn.“ Sonja Garan

Der „Circus of Science – Halloween Special“ findet am 21. Oktober ab 20 Uhr im Kupfersaal Leipzig statt. Tickets gibt es unter www.circus-of-science.de.

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